Zum Weltfahrradtag, der am 3. Juni begangen wird, widmen wir uns dem E-Bike. Wir erklären, was ein E-Bike ausmacht, zeigen die Unterschiede eines Pedelecs zum S-Pedelec auf und informieren über Besonderheiten und Kosten.
Der E-Motor ist nicht die einzige Komponente, die ein E-Bike zum E-Bike macht – Stromquelle und Steuereinheit gehören ebenfalls zum Gesamtpaket.
(Bild: www.schwalbe.com | pd-f)
E-Bike, Hybridrad, Pedelec – viele Namen, eine Idee: Fahrräder mit Elektroantrieb befeuern seit Jahren die Welt der Fahrräder und haben sich in nahezu allen Fahrradgattungen etabliert. Doch wie funktioniert ein E-Bike eigentlich?
Unter dem Begriff „E-Bike“ versteht man gewöhnlich ein Fahrrad mit elektrischem Zusatzantrieb. „Doch ist der Motor nicht das einzige Bauteil, das für den Rückenwind aus der Steckdose nötig ist. Man benötigt außerdem eine Stromquelle und eine Steuereinheit – zusammengebracht werden diese drei Elemente durch eine Verkabelung“, erläutert Anja Knaus vom Schweizer Unternehmen Flyer die Basics.
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Ein klassisches E-Bike ist mit Motor, Akku und Steuereinheit ausgestattet:
Der Motor sitzt meistens an der Tretkurbel, seltener auch im Vorder- oder Hinterrad.
Der Akku wird entweder in den Hauptrahmen integriert oder am Unterrohr bzw. Sitzrohr montiert. Meist sind die Akkus entnehmbar, einzig bei komplett integrierten Modellen ist dies nicht möglich. Bei wenigen Modellen ist der Akku im Gepäckträger untergebracht.
Die Steuereinheit des Antriebs ist am Lenker angebracht und beinhaltet oft auch den Lichtschalter sowie den Bordcomputer (Tacho, Reichweite, etc.). Auch lässt sich bei manchen Modellen die Schaltung über die Motorsteuerung bedienen, per GPS navigieren oder eine Verbindung zu einer Smartphone-App herstellen.
Vorne, mittig, hinten: Der Motorenmarkt beim E-Bike ist heiß umkämpft
Erste Elektrofahrräder waren bereits um 1895 auf europäischen Straßen unterwegs. Und ihre Vorteile waren damals schon bekannt: ein großes Drehmoment aus dem Stand und ein hoher Wirkungsgrad im Gegensatz zu Dampfmaschine oder Verbrennungsmotor. In ihrer Form ähnelten die Antriebe dabei sogar den heutigen Modellen: Entweder waren sie als Nabenmotor im Vorder- oder Hinterrad oder als Tretlagermotor verbaut. Und genau diese Frage der Platzierung des Motors beschäftigt Produktentwickler bis heute.
Mittelmotor: Wegbereiter des Mittelmotors waren die japanischen Hersteller Yamaha und Panasonic, die schon Anfang der 1990er-Jahre erste Motoren in Serie fertigten. Mit dem Markteinstieg von Bosch 2010 hat die Einbauposition in der Mitte ihren endgültigen Durchbruch erlebt. Mittlerweile hat der Tretlagermotor in Deutschland die größte Verbreitung. Der große Vorteil des Mittelmotors liegt darin, dass er über ein Schaltgetriebe wie Ketten- oder Nabenschaltung mit dem Hinterrad verbunden ist. Durch die Gangschaltung kann man, wie beim Fahrrad ohne E-Antrieb, abhängig von der Fahrgeschwindigkeit die Übersetzung ändern. Dadurch arbeitet der Motor, sofern die Fahrenden ausreichend schalten, weitgehend in seinem günstigsten Wirkungsgradbereich und mit der höchsten Leistungsabgabe. Der Radein- und ‑ausbau, z. B. bei einem Reifenplatten, funktioniert wie bei jedem konventionellen Fahrrad. Zwei „Probleme“ bleiben bestehen: Der Antriebsstrang aus Kettenblatt, Kette und Kassette schluckt bei Tretlagersystemen etwas Leistung. So kommt nicht das volle Drehmoment des Mensch-Maschine-Hybridmotors am Hinterrad an; dort wo die Power gebraucht wird. Zudem gibt es einen höheren Verschleiß an Kette, Kettenblatt und Ritzelpaket, der durch das System entsteht. Ein Riemenantrieb kann hier Abhilfe schaffen, da er die höheren Kräfte besser verarbeiten kann, muss aber mit einer Nabenschaltung am Hinterrad kombiniert werden. Weiterhin brauchen E Bikes mit Mittelmotoren spezielle Rahmenkonstruktionen für die Aufnahme des Systems. Das verursacht zusätzliche Kosten in Entwicklung und Produktion. Die Räder sind deshalb weit mehr als ein Fahrrad, an das ein Motor geschraubt wurde. Mittelmotoren kommen auch bei „ausgefallenen“ Rädern wie Cargo-Bikes oder Liegerädern zum Einsatz.
Hinterradmotor: Fahrer von Hinterradnabenmotoren schätzen das direkte Ansprechverhalten der Aggregate, ihre Laufruhe und die Fahrdynamik des wie gewohnt vom Hinterrad kommenden Schubs. Ein weiterer Vorteil des Hinterradmotors: Man kann zumindest theoretisch das Hinterrad austauschen und hat ein normales Fahrrad. Da die Motorwelle gleichzeitig als Hinterradnabe dient, kommen manche Motoren ohne interne Übersetzung aus. Sie gelten als äußerst robust und resistent gegen mechanische Ausfälle. Ein weiterer Vorteil des Hinterradnabenmotors ist die Möglichkeit der Rekuperation. Der Motor wandelt die beim Bremsvorgang freigewordene Energie wieder in Strom um und speist damit den Akku. Allerdings gewinnen auch Heckmotor-E-Bikes wegen ihrer geringen Masse wesentlich weniger Energie zurück als z. B. Elektroautos. So kann in der Regel nicht der komplette Akku geladen werden, sondern eher geringe Mengen bei längeren Abfahrten. Ein Nachteil von Hinterradnabenmotoren ist allerdings, dass sie nicht mit Nabenschaltungen kombinierbar sind. Als Lösung bietet sich die Zentralgetriebeschaltung von Pinion an.
Vorderradmotor Auf der anderen Seite liegt der Vorderradnabenmotor. Er wird fast nur noch bei Rädern im preislichen Einstiegsbereich für E-Bikes ab 1.000 Euro verbaut. Hier besteht weniger Entwicklungsaufwand, da der Motor keinen direkten Kontakt zum Antriebssystem hat. Das System ist dadurch mit jeder Schaltung kompatibel, auch eine Rücktrittbremse ist problemlos möglich. Längere Kabelwege erhöhen jedoch die Störanfälligkeit. Außerdem belasten die stärkeren Kräfte insbesondere die schon durch Bremskraft und Untergrund belastete Vorderradgabel bzw. Rahmen und Steuerrohr. Der Einsatz einer komfortablen Federgabel ist ebenfalls schwieriger zu realisieren. Zudem ändert sich das Fahrverhalten der Räder: Während bei einem Fahrrad gewöhnlich der Schub von hinten kommt, wirkt hier die komplette Motorkraft am Vorderrad. Am Berg bekommt man ein Gefühl, als ob man hinaufgezogen würde. Die daraus resultierende schlechtere Traktion des Vorderrades, das neben Antriebs‑, und Bremskraft ja auch Lenkimpulse übertragen muss, kann zu einem Wegrutschen des Vorderrades bei Nässe oder auf losem Untergrund führen. Einen neuen Einsatzzweck bekommt der Vorderradnabenmotor aktuell an Falträdern. Dort ist der Vorderrad-Nabenmotor im Vorteil, da er kleiner und kompakter als ein vergleichbarer Mittelmotor ist.
Motor zum Nachrüsten: Heikel aus rechtlicher Sicht ist hingegen das Thema Nachrüstantriebe. Diese gibt es wahlweise ebenfalls als Tretlager- oder Nabenvariante und sogar als Reibantriebe, die am Reifen anliegen. Die Nachrüst-Kits punkten durch ein niedrigeres Gewicht als Komplettsysteme. Systemhersteller argumentieren außerdem damit, dass man sein aktuelles Rad behalten könne und so auch Geld spare gegenüber der Neuinvestition in ein E Bike. Jedes Fahrrad könne so zum E Bike gemacht werden. Das mag zwar technisch in vielen Fällen möglich sein, rein rechtlich birgt es jedoch Stolperfallen. Falls der Umbau im Fahrradhandel durchgeführt wird, wird der Fachhändler automatisch zum Hersteller des E Bikes – mit allen Pflichten und Haftungsansprüchen. Deshalb kooperieren manche Anbieter von Nachrüstmotoren mit Versicherungsanbietern, die bei Haftungsansprüchen im Schadensfall einspringen und den Handel entlasten. Jedoch bleibt dabei das Problem, dass die wenigsten Rahmen auf die Mehrbelastungen einer E-Unterstützung ausgelegt sind. Das kann beispielsweise zu Rahmenbrüchen oder Gabelproblemen führen. Darum gehen manche Fahrrad- und Antriebshersteller dazu über, spezielle Fahrradrahmen zu entwickeln, die sie als „E-Bike ready“ betiteln.
95 Prozent aller E-Bikes sind Pedelecs
Der Begriff Pedelec leitet sich aus der Abkürzung für ‚pedal electric cycle‘ ab. Die Räder unterstützen beim Radeln, tun also auch nichts, wenn man nicht selbst kurbelt
Heiko Müller vom Hersteller Riese & Müller
Wenn man es genau nimmt, bezeichnet der Begriff „E-Bike“ eigentlich nur einen verschwindend geringen Teil der Elektroräder, nämlich solche mit motorradartigem Gas-Drehgriff. „Zirka 95 Prozent aller Elektroräder sind sogenannte Pedelecs. Der Begriff leitet sich aus der Abkürzung für ‚pedal electric cycle‘ ab. Die Räder unterstützen beim Radeln, tun also auch nichts, wenn man nicht selbst kurbelt“, sagt Heiko Müller vom Hersteller Riese & Müller. „Der Begriff E-Bike hat sich allerdings für Elektroräder jedes Funktionsprinzips durchgesetzt, was wir durchaus begrüßen“, ergänzt Müller.
Pedelecs unterstützen bis 25 km/h und gelten vor dem Gesetz als Fahrräder. Daneben gibt es noch die S-Pedelecs, deren Antrieb bis 45 km/h hilft. Diese Gattung zählt als Kleinkraftrad, weshalb Nutzer einen Führerschein (Klasse AM), ein Versicherungskennzeichen und einen Fahrradhelm benötigen. Auch das Fahren auf Fahrradwegen ist in Deutschland mit dem S-Pedelec bisher nicht erlaubt.
Ein S-Pedelec unterstützt den Radler mit einem Antrieb bis 45 km/h. Diese Gattung zählt als Kleinkraftrad. Man benötigt einen Führerschein (Klasse AM).
Warum hochwertige Komponenten wichtig sind
„Aufgrund der höheren Belastungen und des Mehrgewichts durch den Zusatzantrieb ist gerade bei Elektrorädern die Ausstattung mit hochwertigen Komponenten notwendig“, erklärt Anke Namendorf von Koga aus den Niederlanden. „Das betrifft z. B. die Laufräder und die Bremsen. Auch der Rahmen muss für die höheren Ansprüche konzipiert sein.“ Daher sei dringend von Antrieben zum Nachrüsten oder „Schnäppchen“ aus dem Baumarkt abzuraten.
Beim Alltagsrad ist die elektrifizierte Zukunft bereits Realität. Jährlich werden rund zwei Millionen Pedelecs verkauft. Durch Finanzierungsmöglichkeiten wie Leasing werden immer mehr hochwertige Räder genutzt. Das hat mittel- bis langfristig auch Folgen für die Infrastruktur: Es braucht Radschnellwege und eine Verbesserung der Fahrradinfrastruktur, sowohl bei den Radwegen als auch bei den Parkmöglichkeiten, um die Nutzung von E‑Bikes noch weiterzubringen.
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Stand: 08.12.2025
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