Selbstfahrende Fahrzeuge

Wie ein autonomes Fahrzeug moralische Entscheidungen trifft

| Redakteur: Katharina Juschkat

In einer Simulation ließen die Forscher menschliche Fahrer moralische Entscheidungen treffen.
In einer Simulation ließen die Forscher menschliche Fahrer moralische Entscheidungen treffen. (Bild: Universität Osnabrück/Institut für Kognitionswissenschaft)

Wie entscheidet sich ein autonomes Auto bei unvermeidlichen Unfällen mit mehreren Personen – opfert es zur Not die eigenen Insassen, wenn dafür potentielle Opfer verschont bleiben? Um diese Frage zu beantworten, haben Wissenschaftler das moralische Verhalten von Menschen bei Unfällen untersucht.

Es gibt Situationen auf der Straße, in denen der Fahrer keine moralisch richtige Entscheidung treffen kann. Situationen, in denen ein Unfall mit mehreren Personen unausweichlich ist und man zwischen dem kleineren Übel entscheiden muss. Viel Zeit bleibt nicht, um die Abwägung zu treffen: Rettet man sich selbst oder rettet man potentielle Opfer?

Darf ein autonomes Auto seine Insassen opfern?

Genau daran tüfteln auch Wissenschaftler bis heute, denn bisher ist die Frage nicht geklärt, wie sich ein autonomes Fahrzeug in einer solchen Situation verhält. Soll das Auto seine Insassen unter allen Umständen schützen oder soll es Insassen opfern dürfen, wenn es dem Allgemeinwohl dient – durch diese Handlung also mehr potentielle Opfer verschont würden?

Ergänzendes zum Thema
 
Die 20 ethischen Regeln für das autonome Fahren

Die Idee der Osnarbrücker Kognitionswissenschaftler war es, das moralische Verhalten von Menschen zu untersuchen und dann auf autonome Fahrzeuge zu übertragen. „Selbstfahrende Autos werden die erste Generation von Robotern sein, die moralische Entscheidungen mitten in unserer Gesellschaft treffen. Es ist deshalb dringend notwendig, Regeln und mögliche Handlungsweisen für autonome Fahrzeuge zu entwickeln, die festlegen, wie sich solche Maschinen in unausweichlichen Unfallsituationen verhalten sollen“, schreiben die Verfasser der Studie Prof. Peter König und Maximilian Wächter vom Institut für Kognitionswissenschaft.

Gemeinschaft steht vor dem Individuum

Die Autoren nutzten für ihre Studie Virtual-Reality-Technik, um das Verhalten von Versuchspersonen in Dilemma-Situationen zu beobachten. Die Teilnehmer der Studie fuhren dazu an einem Simulator mit VR-Brille an einem nebeligen Tag durch Vorort- oder Berglandschaften. Im Verlauf der Experimente kam es dabei zu unvermeidlichen und unerwarteten Situationen, bei denen Menschen oder Gruppen von Menschen in Fahrspuren standen.

„Den Menschen auf der eigenen Fahrspur auszuweichen hätte bedeutet, eine andere Anzahl an Menschen auf der nebenliegenden Fahrspur zu opfern. Die Teilnehmer müssen eine moralische Entscheidung treffen“, erläutert der Osnabrücker Kognitionswissenschaftler Wächter den Versuchsablauf. „Die Ergebnisse zeigen, dass bei unvermeidbaren Unfällen größtenteils zum Wohl der Gemeinschaft entschieden wird“, sagt Wächter. Auf diesen Ergebnissen aufbauend entwickelten die Wissenschaftler eine Ethik für selbstfahrende Autos, die die Gemeinschaft vor das Individuum stellt.

Laut der Studie könnte die autonome Technik die Zahl der jährlichen Verkehrsopfer nach Schätzungen um 90 Prozent senken. Dennoch wird es auch zu kritischen Situationen kommen, bei denen ein Unfall nicht zu vermeiden ist, die Anzahl der Opfer aber zumindest geringer sein könnte.

Die Ergebnisse der Studie „Human Decisions in Moral Dilemmas are Largely Described by Utilitarianism: Virtual Car Driving Study Provides Guidelines for Autonomous Driving Vehicles” sind erschienen in „Science and Engineering Etnics“.

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