Im Vergleich zu geschirmten Standard-Leitungen konnte Lapp mit einem neuen Kabeldesign Ableitströme deutlich reduzieren. Wir stellen die neue Zero-CM-Technologie vor.
Mit der Zero-CM-Technologie ging Lapp einen neuen Weg: Die Leitung ist vom visuellen Erscheinungsbild unsymmetrisch, jedoch wird hundertprozentige elektromagnetische Symmetrie erzielt. Letztendlich wird dadurch sogar weniger Schirmung benötigt.
(Bild: Lapp)
Elektromotoren werden in der Industrie heutzutage ausschließlich mittels Frequenzumrichter betrieben. Prinzipbedingt bilden sich wegen der Ansteuerung allerdings unterwünschte Nebeneffekte aus und es entstehen Ableitströme auf den Potentialausgleichsleitungen (PA) oder Schutzerdleitungen (PE).
EMV bereits in der Planung berücksichtigen
Je mehr Komponenten beteiligt sind, desto größer ist das Risiko von solchen Störungen. Gleichzeitig werden die Bauräume in Maschinen und Anlagen immer kleiner. Um teure Produktionsausfälle in der Smart Factory zu vermeiden, muss daher am besten schon während der Planungsphase das Thema EMV berücksichtigt werden.
„Ein Kabel stellt einen potenziellen Übertragungsweg für EMV dar. Wir wollen natürlich nicht, dass Störungen, die es sowieso schon im System gibt, über die Kabel an die falsche Stelle geführt werden, wo sie Schaden verursachen können. Kabel sind also Teil des gesamten Systems, auch wenn sie nicht durch Schaltungen oder ähnliches Störungen aktiv einbringen“, erklärt Dr. Susanne Krichel, die bei Lapp den Bereich Innovation and Advanced Technology leitet.
(Bild: Lapp)
Im „PEPA“-Forschungsprojekt des Bundesministeriums für Wirtschaft und Klimaschutz wird untersucht, wie sich Störungen innerhalb von Verbindungslösungen nahezu eliminieren lassen. Hier führt Lapp das Arbeitspaket 4 aus: „Kopplungen zwischen benachbarten Leitungen sowie mit Anlagenteilen. Messungen und Optimierungen der Kabelkonstruktion.“ Dessen Ziel ist es, eine firmenübergreifende Forschung an einem komplexen Thema aus der Automatisierungs-/Antriebswelt zu forcieren, bei dem es auf die korrekte Auswahl der Verbindungskomponenten sowie der fachgerechten Installation ankommt. Im ersten Schritt wurde genau untersucht, warum in Industrieanlagen, in denen Frequenzumrichter-gesteuerte Motoren eingesetzt werden, oft unerwünschte Ströme auf den Potentialausgleichsleitungen (PA) oder Schutzerdleitungen (PE) auftreten.
Das Ergebnis: Durch die getaktete Ansteuerung (Pulsweiten-Modulation) werden Störströme im Bereich von rund 3 kHz bis 1 MHz angeregt, welche über Gehäuseteile, PA-/PE-Leiter/-Netze und im schlimmsten Fall über die Schirmung von Datenleitungen in Richtung Erdpotential beziehungsweise zur Quelle abfließen. Hochfrequente Ausgleichströme mit einer Amplitude von 10 A oder mehr sind hierbei keine Seltenheit. Die Folgen sind unzulässig hohe Ströme auf der Schutzerde und dadurch vermeintlich fehlerhaft auslösende FI-Schutzschalter (RCD) oder Beeinträchtigung der Datenkommunikation, wenn z.B. die Ausgleichsströme über den Kupferschirm einer Datenleitung fließen. Diese Fehler sind schwer zu finden, da sie keiner Systematik folgen.
Im nächsten Schritt hat der Kabelspezialist die physikalischen Kopplungsmechanismen innerhalb von Motor-Anschlussleitungen untersucht und den Status-Quo in der Kabeltechnik auf den Prüfstand gestellt. So waren bisherige Konstruktionen eher auf geringe Außendurchmesser und optische Symmetrie getrimmt. Das Problem EMV wurde bis dato immer durch Schirmung gelöst.
100 Prozent elektromagnetische Symmetrie
Die Zero-CM-Technologie basiert auf einer neuartigen Kabelkonstruktion mit einer speziellen Verseiltechnik: Drei Phasenleiter sind symmetrisch angeordnet und in einer Innenlage verseilt. Ergänzend wird mindestens ein Schutzleiter in einer Außenlage mit entgegengesetzter Verseilschlagrichtung um die drei Phasenleiter in einem bestimmten Schlaglängenverhältnis verseilt.
(Bild: Lapp)
Das Ergebnis dieser Entwicklung ist die Zero-CM-Technologie. Mit dieser ging der Hersteller einen anderen Weg: Die Leitung ist vom visuellen Erscheinungsbild unsymmetrisch, jedoch wird hundertprozentige elektromagnetische Symmetrie erzielt. Letztendlich wird dadurch sogar weniger Schirmung benötigt.
Die Zero-CM-Technologie basiert auf einer neuartigen Kabelkonstruktion mit einer speziellen Verseiltechnik: Drei Phasenleiter sind symmetrisch angeordnet und in einer Innenlage verseilt. Ergänzend wird mindestens ein Schutzleiter in einer Außenlage mit entgegengesetzter Verseilschlagrichtung um die drei Phasenleiter in einem bestimmten Schlaglängenverhältnis verseilt. Die Isolation der Leiter ist kapazitätsoptimiert und besteht aus Polyethylen, Polypropylen oder aus einer geschäumten Variante. Zwischen der Innenlage und der Außenlage befindet sich ein trennendes Fleece. So erreicht man perfekte elektrische Symmetrie, welche die magnetische Abstrahlung reduziert und die internen Kopplungen stark verringert.
Die erste Prototyp-Leitung ist die Ölflex Servo FD Zero CM, die sich speziell für den Einsatz in Verbindung mit Frequenzumrichtern eignet. Die Projektpartner im PEPA-Forschungsprojekt haben diesen Prototyp bei Versuchsaufbauten getestet. Neben der Untersuchung einer EMV-optimierten Installation von Komponenten wurde unter anderem die Rolle der Ausgangsleitung bewertet. Zum Vergleich wurden ein identischer Versuchsaufbau mit einem Antriebssystem mit Potentialausgleich sowie paralleler Signalleitung (Profinet) gewählt. Verglichen wurden eine geschirmte PVC-isolierte Standardleitung, eine niederkapazitive Servoleitung, eine symmetrische Motorleitung mit drei Schutzleitern sowie die neuartige Zero-CM-Leitung mit optimiertem Aufbau. Dabei ergaben sich eindeutige Ergebnisse.
Ableitstrom (Effektivwert und Maximalpegel) gemessen am Frequenzumrichter-Ausgang bei einem 4-kW-Antrieb und 50 m Leitungslänge: Die besten Werte wurden durch den kapazitätsarmen Aufbau der Zero-CM-Leitung erreicht.
(Bild: Lapp)
Die besten Werte hinsichtlich Ableitstrom am Umrichterausgang wurden durch den kapazitätsarmen Aufbau der Zero-CM-Leitung erreicht. Die generierten Ableitströme stellen eine zusätzliche Belastung für den Frequenzumrichter und alle beteiligten Komponenten dar und sollten daher so gering wie möglich gehalten werden. Weiterhin wurde der über eine parallel liegende Signalleitung fließende Störstrom untersucht: Auch hier begünstigt der Einsatz der Zero-CM-Leitung die Ausprägung von möglichst geringen Störströmen. Aus den Untersuchungen bei den Projektpartnern ergaben sich darüber hinaus klare Empfehlungen für die EMV-optimale Installation von Frequenzumrichtern, wie beispielsweise ein niederimpedanter, HF-tauglicher und ein durchgängiger Potentialausgleich zwischen Frequenzumrichter und Antrieb. Eine wesentliche Bedeutung kommt hierbei dem Schirmanschluss mit EMV-gerechten Steckern oder flächiger Schirmauflage, wie beispielsweise bei den eingesetzten EMV-Verschraubungen Skintop Brush zu.
Stand: 08.12.2025
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Reduzierte Kabel-Umladeströme verringern Last am Umrichter
Zusammenfassend ermöglicht der neuartige Kabelaufbau um bis zu 80 Prozent reduzierte Ausgleichsströme am Frequenzumrichter-Ausgang und auf parallelen Pfaden wie beispielsweise Datenleitungen. Des Weiteren sorgen reduzierte Kabel-Umladeströme (cable-charging current) für verringerte Last am und im Umrichter selbst: So können beispielsweise längere Kabellängen verlegt werden, ohne dass der Frequenzumrichter außerhalb seiner (EMV-)Spezifikation betrieben wird. Zudem unterbindet die Zero-CM-Technologie das Entstehen von Spannungspegeln auf dem Masse-/Erdpotential (Ground-Voltage) auf der Verbraucherseite. Dies ist besonders wichtig, wenn beispielsweise empfindliche Sensorik wie Analoggeber zum Einsatz kommen.
* Stefan Hilsenbeck ist Senior Engineer Advanced Technology bei der Lapp Holding.