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Hansruedi Wandfluh, Unternehmer und Schweizer Nationalrat
Hansruedi Wandfluh, Verwaltungsratsdelegierter der Wandfluh-Gruppe und Mitglied der grossen Kammer des Schweizer Parlaments ist überzeugt: „Ich glaube an den Werkplatz Schweiz und Europa. Es ist so lange interessant, hier zu produzieren, wie es uns gelingt, mit modernster Ausrüstung und motiviertem, gut ausgebildetem Personal für den Kunden einen echten Mehrwert gegenüber Niedriglohnländern zu erschaffen. Der Werkplatz Schweiz wird auch in Zukunft Bestand haben, wenn wir auf allen Ebenen die notwendige Flexibilität, die Innovationskraft und den Mut aufbringen, den es zur Umsetzung braucht.“
Hansruedi Wandfluh gehört zu denjenigen Unternehmern der Maschinen-, Elektro- und Metallverarbeitungsindustrie (MEM-Industrie) in der Schweiz, die sich entschlossen haben, auch politisch aktiv zu sein. Der ETH-Maschineningenieur ist seit 1999 Nationalrat, seit 2002 Vizepräsident der SVP-Bundeshausfraktion und seit 2009 Präsident der Kommission für Wirtschaft und Abgaben des Nationalrates (WAK). Er beschäftigt in zweiter Generation in der Wandfluh AG und der Wandfluh Produktions AG in Frutigen im Kandertal rund 300 Mitarbeiter.
Hat die Wirtschafts-Krise Ihre eigenen Wertvorstellungen und Ihre Weltanschauung als Politiker und Unternehmer verändert?
Hansruedi Wandfluh: Es ist mir aufgrund der jüngsten Vorkommnisse viel bewusster geworden, wie die Wirtschaft vernetzt und die Realwirtschaft von unserem Bankensystem abhängig ist. Auch die Frage des „too big to fail“ hat mich sehr beschäftigt. Viele Banken sind so groß und so wichtig, dass man sie schlicht nicht hat Konkurs gehen lassen können. Die Zeche, ausgehend von der hohen Staatsverschuldung, werden wir erst noch zu bezahlen haben. Die Krise ist noch nicht vorbei. Für die Zukunft heisst das für mich als Unternehmer, dass wir daran festhalten müssen, nachhaltig zu wachsen und dabei möglichst unabhängig von den Banken zu sein.
Die Wandfluh AG ist seit ihrer Gründung im Jahr 1946 durch Ihren Vater Rudolf Wandfluh enorm gewachsen. Was ist Ihres Erachtens das Rezept, um über ein halbes Jahrhundert hinweg so erfolgreich wirtschaften zu können?
Hansruedi Wandfluh: Die Mitarbeiter sind das wichtigste Gut einer Firma. Die Devise lautet: Der rechte Mann und die rechte Frau am rechten Platz! Es waren Menschen, welche die Firmengeschichte geprägt haben, und es sind noch heute Menschen, welche den Erfolg der Firma entscheidend mitprägen.
Motivierte Mitarbeitende betrachte ich als größten Aktivposten. So geniessen – durch Delegation von Aufgaben, Verantwortung und Kompetenzen – alle Mitarbeitenden ein großes Maß an Handlungsfreiheit. Damit entsteht ein angenehmes und dynamisches Arbeits- und Leistungsklima, in dem Innovation und die Beherrschung neuer Technologien und Herstellungsverfahren von zentraler Bedeutung sind.
Und dann ist es natürlich die Flexibilität, die wichtig ist. Das Unternehmen hat das Produktprogramm über die Jahrzehnte ganz wesentlich verändert. Der Wechsel beispielsweise vom Werkzeugbau für die Industrie hin zur Hydraulik, in der wir heute stark sind, war ein zentraler Schritt. Der Tod meines Vaters im Jahr 1954 – er war gerade mal 29 Jahre alt - hat meine Familie und das Unternehmen geprägt.
Meine Mutter Gertrud stand damals als gelernte Hauswirtschaftslehrerin mit drei kleinen Kindern vor dem Entscheid, das Unternehmen mit 10 Mitarbeitenden weiterzuführen oder die Tore zu schließen. Sie entschied sich für ersteres. Die ersten Jahre waren sehr schwer. Dann aber ging es aufwärts. Ich selber studierte an der ETHZ Maschinenbau und war dort auch einige Zeit Assistent. Nach einem Aufenthalt im Ausland entschied ich mich, ins Unternehmen einzusteigen. 1981 kehrte ich vorerst als Assistent von Direktor Ernst Plüss ins Berner Oberland zurück. Ab 1983 leitete ich die Wandfluh AG. Ab 1984 begannen wir mit ersten ausländischen Tochtergesellschaften.
Sie haben sich intensiv mit den wirtschaftlichen Rahmenbedingungen in der Schweiz auseinandergesetzt. Wo stehen wir diesbezüglich?
Hansruedi Wandfluh: Ich denke, dass die Rahmenbedingungen für die Unternehmen in der Schweiz grundsätzlich sehr gut sind. Wenn wir beispielsweise sehen, wie in anderen Ländern gestreikt wird und dadurch teilweise ganze Länder wirtschaftlich außer Gefecht gesetzt werden, wird klar, dass die Schweiz punkto Arbeitsfrieden große Vorteile aufweist. Wir haben in der Schweiz zwar hohe Lohnkosten. Wenn es einem Unternehmen aber gelingt, im Gegenzug für die hohen Löhne auch gute Arbeitsleistungen zu bekommen, dann geht die Rechnung auf. Der sehr gute Ausbildungsstand der Schweizer lässt dies zu. Wir haben des Weiteren eine sehr gut funktionierende Infrastruktur. Die Telefon-, Internet-, Strassen- sowie Schienensysteme funktionieren perfekt. Damit sind wir vielen Ländern weit voraus. Was uns derzeit in der Entwicklung hemmt, ist die Frankenstärke.
Wie steht es mit der Entwicklung im Berner Oberland?
Hansruedi Wandfluh: Das Berner Oberland ist primär eine Tourismusregion. Doch es gab seit der Industriellen Revolution auch immer Industrie in dieser Region. Dies gilt in ganz besonderem Masse für das Frutigland. Die Region musste sich mehr als andere immer wieder neu orientieren. Das „Frutigtuch“, das noch bis Ende des 17. Jahrhunderts für das Kandertal eine Haupteinnahmequelle darstellte, wurde durch die Einfuhr von Samt und Seide verdrängt und verschwand vollständig vom Markt. Daraufhin wurde der Schieferabbau intensiviert (ca. 400 Beschäftigte) und in der Mitte des 19. Jahrhunderts fasste die Zündholzindustrie Fuß.
Im Jahre 1862 wurden im Tal in 16 Fabriken mit 332 Personen Zündhölzer hergestellt. Keine hat überlebt. Die letzte Fabrik wurde 1962 geschlossen. Ferner gab es in der ersten Hälfte des 19. Jahrhunderts eine Uhrenindustrie mit rund 400 Arbeitsplätzen. Verschiedene Unternehmen bearbeiteten Uhrensteine, die der Umwucht in den mechanischen Uhren dienten.
ll das gibt es nicht mehr, aber immer ist Neues entstanden. Zuletzt leitete meine Mutter Gertrud Hari-Wandfluh 1960, wie erwähnt, das Hydraulikzeitalter im Frutigtal ein, wo heute rund 500 Beschäftigte ihren Erwerb finden. Der stete Wandel und das „Sich einstellen müssen auf Neues“ ist so zu einer Lebenseinstellung vieler Menschen geworden. Diese Einstellung hat uns weitergebracht.
Sehr geehrter Herr Wandfluh, was wünschen Sie sich für Ihr Unternehmen, das Berner Oberland und für die Politik in der Schweiz?
Hansruedi Wandfluh: Für das Unternehmen und für das Berner Oberland wünsche ich mir auch in Zukunft wirtschaftlichen Erfolg. Möge es uns gelingen, uns auch künftig auf veränderte Rahmenbedingungen einzustellen und unsere Region nicht nur als Tourismusort, sondern auch als lebenswerten Wohn- und Arbeitsort zu erhalten. Für die Politik wünsche ich mir die Weitsicht, den Unternehmen den nötigen Freiraum für ihre Geschäftstätigkeit zu belassen und sich auf die Schaffung von optimalen Rahmenbedingungen zu beschränken. (Mehr Infos nach dem Seitenwechsel)
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