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Auf Probleme in Echtzeit reagieren
Um die Qualität hoch zu halten, ist es erforderlich, auf Probleme oder schlechte Produkte in Echtzeit reagieren zu können – ohne den Produktionsprozess zu beeinträchtigen. „Mangelhafte Produkte müssen sich zum Beispiel bei voller Produktionsgeschwindigkeit an Ort und Stelle aussortieren lassen“, sagt Kickinger. Wird also bei einer Qualitätskontrolle ein Fehler bemerkt, muss das Produkt sofort aus dem Produktionsprozess genommen werden können. Denn, durchläuft das mangelhafte Produkt den ganzen Prozess und wird sogar noch verpackt, muss am Ende die ganze Verpackung mit allen Produkten aussortiert werden.
Es können jedoch nicht nur Produkte fehlerhaft sein. Fällt zum Beispiel bei einer Abfüllanlage eines von mehreren Füllventilen aus, sollte die Automatisierung so intelligent darauf reagieren, dass die defekte Station nicht mehr angefahren wird – der Prozess an sich aber weiterläuft. Bisher gab es in so einem Fall zwei Möglichkeiten: „Entweder ich lasse den Prozess weiterlaufen und alle Produkte, die das fehlerhafte Ventil befüllt sind Ausschuss, oder ich stoppe die Produktion“, erklärt Kickinger. Beide Optionen sind aus wirtschaftlicher Sicht nicht sinnvoll.
Langsame Prozesse parallelisieren
Herkömmliche Anlagen lassen sich in den meisten Fällen nicht erweitern. Um die Stückzahl zu erhöhen, muss entweder eine neue Linie dazu gestellt oder die bisherige Linie durch eine größere ersetzt werden. Das ist mit hohen Investitionen und nicht zuletzt einem hohen Platzverbrauch verbunden. „Das muss jedoch nicht sein“, sagt Kickinger.
Bei einem fest getakteten Prozess bestimmt die langsamste Bearbeitungsstation die maximale Stückzahl pro Minute. Um diese zu erhöhen, wird eine Automatisierung benötigt, die diese Taktung auflöst. Durch die Parallelisierung von langsameren Prozessen auf mehreren Stationen lässt sich die Produktivität vervielfachen, ohne dass die Maschinenstellfläche proportional steigt. Dazu ist ein System notwendig, das einen laufenden Produktstrom auf mehrere Bearbeitungsstationen verteilt und anschließend wieder zusammen führt.
Noch mehr Möglichkeiten ergeben sich, wenn dieses System vor Ort um weitere Stationen ergänzt werden kann. Dann kann die Kapazität je nach Nachfrage angepasst werden. „Das ist echte Investitionssicherheit: Maschinentechnik, die adaptiv an die Produktionserfordernisse anpassbar ist.“
Höhere Margen winken
ROI, OEE und TTM sind die wirtschaftliche Basis jeder Produktion. In diesem Kontext müssen Maschinenbauer ebenso wie Maschinen- und Anlagenbetreiber die Herausforderung der Produktionsflexibilisierung angehen. „Wer nicht darauf achtet, wird Wettbewerbsnachteile erfahren“, ist sich Kickinger sicher. Gezeigt hat sich, dass individualisierte Massenprodukte höhere Margen ermöglichen als klassische Serienprodukte. Die Individualisierung lässt sich jedoch nur mit einer fortschrittlichen Produktionsinfrastruktur umsetzen. (jv)
* Carmen Klingler-Deiseroth ist freie Fachjournalistin.
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