Faserverbundstoff Upcycling: Wenn aus Flugzeugteilen Lastenfahrräder werden

Quelle: TU Chemnitz 3 min Lesedauer

Anbieter zum Thema

Studierende der TU Chemnitz haben gemeinsam mit dem britischen Fahrradhersteller Vielo für die Flutopfer in Spanien vier außergewöhnliche Upcycling-Lastenräder entwickelt. Das Besondere: Die Rahmen der Räder bestehen aus Kohlefaserrohren, die ursprünglich als tragende Struktur im Innenausbau von Airbus-Passagierflugzeugen verbaut waren.

Vier dieser Lastenräder wurden im Rahmen des Projektes im Forschungslabor der Professur Sportgerätetechnik gebaut. (Bild:  Professur Sportgerätetechnik)
Vier dieser Lastenräder wurden im Rahmen des Projektes im Forschungslabor der Professur Sportgerätetechnik gebaut.
(Bild: Professur Sportgerätetechnik)

Die Transportfahrräder wiegen nur rund 13 Kilogramm und können dennoch mehr als 70 Kilogramm Zuladung tragen. Im Oktober 2025 wurden die Lastenräder an zwei besonders stark betroffene Flutopfer-Gemeinden in der Region Valencia übergeben, um dort die Mobilität nach der Flutkatastrophe wiederherzustellen.

„Für unsere Studierenden des Studienganges Sports Engineering war dieses Projekt eine einmalige Gelegenheit, nachhaltige Werkstoffnutzung, Leichtbau und soziales Engagement miteinander zu verbinden“, erklärt Jens Buder, Wissenschaftlicher Mitarbeiter der Professur Sportgerätetechnik, und ergänzt: „Von der CAD-Konstruktion über den Vorrichtungsbau bis zur Füge- und Wickeltechnik mit Carbon konnten sie den gesamten Prototypenprozess praxisnah umsetzen.“

Die Carbonrohre der Fahrradrahmen waren ursprünglich als tragende Struktur im Innenausbau von Airbus-Passagierflugzeugen verbaut. Die Elbe Flugzeugwerk GmbH (EFW) hat sie dem Projekt zur Verfügung gestellt. Damit aus den Rohren ein Fahrradrahmen entstehen konnte, wurden sie dafür zunächst aufbereitet, zugeschnitten und anschließend mit einem Epoxid-Carbon-Verbund fixiert, bevor die Verbindungen durch eine mehrlagige Carbonfaserumwicklung dauerhaft fixiert wurden. „So entstand ein hochstabiler Rahmen mit einem außergewöhnlich guten Verhältnis von Gewicht zu Steifigkeit“, sagt Buder.

Bildergalerie

Unvorhergesehene technische Herausforderungen meistern

Auch die beteiligten Studierenden berichten begeistert von den Erfahrungen im Projekt. „Am Anfang war es eine echte Herausforderung – nach dem ersten Rad lief der Aufbau dann erstaunlich geradlinig“, erzählt Louis Ladewig, einer der Teilnehmer. Sein Kommilitone Sebastian Marx ergänzt: „Wir schrauben zwar alle an unseren eigenen Bikes, aber ein Fahrrad von Grund auf zu bauen, ist etwas völlig anderes.“

Für Thorben Tittel war vor allem der bewusste Verzicht auf eine Federung lehrreich: „Normalerweise fahre ich vollgefederte Bikes. Hier ganz ohne Federung zu konstruieren, hielt das Konzept schlank – alles andere hätte den Bau unnötig verkompliziert.“ Die Studierenden berichten zudem, dass sie einige unvorhergesehene technische Herausforderungen meistern mussten: Nach dem Aushärten im Ofen verfärbten sich die Carbonrohre leicht, woraufhin eine Epoxid-Deckschicht aufgetragen wurde, um die Oberfläche zu schützen und ihr ein gleichmäßiges, leicht glänzendes Finish zu verleihen.

Soziales Engagement über Grenzen hinweg

Initiiert wurde das Hilfsprojekt durch den Valencianer und Vielo-Athleten Juan Dual, auch bekannt als „Empty Juan“. Nach mehreren Krebsoperationen lebt er ohne Magen, Dick- und Enddarm, engagiert sich jedoch unermüdlich für soziale Projekte. Nach der Flutkatastrophe in Valencia leitete er ein Team von rund 100 freiwilligen Radfahrern, die Hilfsgüter in unzugängliche Gebiete brachten. Mit Unterstützung von Vielo und der TU Chemnitz konnte Dual nun vier speziell angefertigte Cargo-Bikes übergeben, um die Mobilität in den betroffenen Dörfern wiederherzustellen. Vielo-Co-Gründer Trevor Hughes holte die Räder persönlich an der TU Chemnitz ab und transportierte sie auf einer rund 2.600 Kilometer langen Fahrt nach Valencia.

So funktioniert Kreislaufwirtschaft im Leichtbau

„Der direkte Draht zur Elbe Flugzeugwerke GmbH war der Schlüssel, um zertifizierte Luftfahrt-Carbonstrukturen sinnvoll weiterzuverwenden“, betont Prof. Dr. Stephan Odenwald, Inhaber der Professur Sportgerätetechnik, der den Kontakt zum Unternehmen herstellte. „Die Kooperation zeigt, wie Kreislaufwirtschaft im Leichtbau funktionieren kann: Wir führen hochwertige Faserverbunde aus der Luftfahrt in eine zweite Lebensphase – hier als alltagstaugliche Lastenräder, die in Valencia sofort helfen. Dass unsere Studierenden diesen Transfer von der Idee bis zu fahrbereiten Prototypen mitgestaltet haben, macht mich besonders stolz.“

Neben Vielo und EFW beteiligten sich zahlreiche weitere Partner an dem Projekt, darunter Goodyear/Cambrian Tyres, Token, Satori, WTB, Tektro/TRP und Ineos Automotive. Gemeinsam mit der TU Chemnitz ermöglichten sie, dass aus ehemaligen Flugzeugteilen funktionale Transportfahrräder entstanden, die heute in Valencia wieder Menschen unterstützen, deren Mobilität durch die Flutkatastrophe zerstört wurde.

(ID:50617584)

Jetzt Newsletter abonnieren

Verpassen Sie nicht unsere besten Inhalte

Mit Klick auf „Newsletter abonnieren“ erkläre ich mich mit der Verarbeitung und Nutzung meiner Daten gemäß Einwilligungserklärung (bitte aufklappen für Details) einverstanden und akzeptiere die Nutzungsbedingungen. Weitere Informationen finde ich in unserer Datenschutzerklärung. Die Einwilligungserklärung bezieht sich u. a. auf die Zusendung von redaktionellen Newslettern per E-Mail und auf den Datenabgleich zu Marketingzwecken mit ausgewählten Werbepartnern (z. B. LinkedIn, Google, Meta).

Aufklappen für Details zu Ihrer Einwilligung