Die alten Krisen werden die Branche zwar weiterhin begleiten, doch bisher konnte der Maschinen- und Anlagenbau alle Herausforderungen unbeschadet überstehen. Zu den größten Bedrohungen zählt aktuell der Fachkräftemangel.
Die Auftragslage 2023 für den Maschinen- und Anlagenbau ist gut und auch die Lieferketten entspannen sich wieder etwas. Viele Unternehmen blicken deshalb positiv auf das kommende Jahr.
(Bild: industrieblick - stock.adobe.com)
Corona-Pandemie, Schwierigkeiten mit den Lieferketten, Ukraine-Krieg, Energiekrise, Inflation. Bisher ist der Maschinen- und Anlagenbau effizient durch diese Krisen gekommen, so VDMA-Präsident Karl Haeusgen auf der Jahrespressekonferenz des Verbandes. Doch die meisten dieser Krisen werden die Branche auch durch das kommende Jahr begleiten.
In Zahlen bedeutet dies laut dem VDMA eine reales Plus für die Produktionsprognose 2022 um ein Prozent. Für 2023 wird ein reales Minus von zwei Prozent erwartet. „Das ist weit entfernt von den Rückschlägen früherer Jahre und zeigt die Robustheit unserer Industrie“, sagt Haeusgen. Doch das Ziel einer klimaneutralen Wirtschaft, das unter anderem von der Bundesregierung vorgegeben wird, sei für den mittelständischen Maschinen- und Anlagenbau eine große Chance. Den Optimismus teilen laut einer VDMA-Umfrage 48 Prozent der Unternehmen. 14 Prozent zeigen sich pessimistisch oder verhalten pessimistisch.
Arbeitskräfte fehlen überall
Bei den Lieferkettenproblemen erwartet der Verband sogar leichte Entspannungen, die schon jetzt spürbar sind. Demnach haben 74 Prozent der befragten VDMA-Mitglieder angegeben, dass Engpässe ihre Geschäftstätigkeiten gravierend oder merklich beeinträchtigen. Im Juni waren es noch 87 Prozent. Erste positive Signale kommen vor allem aus den Bereichen Chemikalien, Kunststoffe und Metallerzeugnisse. Schwierig bleibt es bei Elektronikkomponenten.
Zu den bereits erwähnten Krisen gesellt sich zudem wieder der anhaltende Fachkräftemangel. „Arbeitskräftemangel ist mittlerweile die bessere Bezeichnung, da über alle Qualifizierungsebenen Mitarbeiter fehlen“, so Haeusgen. Im September 2022 zählten 1,019 Millionen Menschen zu den Stammbelegschaften des Maschinen- und Anlagenbaus in Deutschland. Laut dem Verband ein Plus von einem Prozent gegenüber dem Vorjahr. Damit bleibe die Branche der größte industrielle Arbeitgeber im Land. 54 Prozent der befragten Maschinenbaufirmen wollen ihren Personalstand im kommenden Jahr ausbauen, etwa 30 Prozent wollen ihn konstant halten. 97 Prozent geben allerdings auch an, dass sie die Auswirkungen des Fachkräftemangels spüren und Stellen nicht besetzen können. Laut dem VDMA gibt es in der Branche aktuell 14.000 offene Stellen.
Preisbremse ist zu komplex
Die Energieversorgung habe der Maschinen- und Anlagenbau bisher gut gemeistert. Dies liege vor allem daran, dass eine Gasmangellage bisher verhindert werden konnte. „Energiekosten kommen in unserer Industrie vor allem durch energieintensiv hergestellte Vorprodukte an. Deshalb halten wir das Konzept der Preisbremsen für Strom, Gas und Fernwärme in dieser kritischen Zeit für sinnvoll. Es sollte entlang der gesamten Wertschöpfungskette wirken“, sagt Haeusgen. Allerdings sei die Preisbremse mittlerweile zu komplex geworden. Erste Unternehmen im Maschinen- und Anlagenbau wollen trotzt hoher Kosten die Hilfe nicht in Anspruch nehmen. Der VDMA fordert daher einen einfachen und unbürokratischen Zugang zu staatlichen Hilfen.
Auch die Entwicklung rund um China werde von dem Verband genau beobachtet. Laut dem VDMA stelle die aggressive Wirtschaftspolitik der chinesischen Regierung die mittelständischen Unternehmen in Deutschland vor große Herausforderungen. Dazu gehöre etwa die „Made in China 2025“-Strategie, die China unabhängiger von ausländischer Technologie machen soll. Dafür greife die chinesische Regierung massiv in die Wirtschaft ein. Dies führe zum Teil zu einem unfairen Wettbewerb. Der VDMA habe daher eine umfassende China-Position erarbeitet, die sich mit den Zielen der Regierung in Peking und ihren Mitteln zur Durchsetzung beschäftigt, ebenso wie mit den Handlungsoptionen der Unternehmen.
„Der Markt China ist aber kurz- und mittelfristig nicht ersetzbar und deshalb sollten die Exportförderinstrumente nicht abgebaut werden. Die Exporte nach China sorgen in Deutschland für gut bezahlte und hoch qualifizierte Arbeitsplätze“, so der VDMA-Präsident. „Vielmehr kann die deutsche Politik mit ihren Förderinstrumenten helfen, neue Absatzmärkte zu erschließen. So brauchen wir zum Beispiel endlich ein funktionierendes Exportkreditversicherungssystem für kleine Auftragswerte.“ Zudem müsse die EU weitere Freihandelsabkommen mit Partnerländern in Asien abschließen und das Mercosur-Abkommen umsetzen. „Darüber hinaus gilt es, den EU-Binnenmarkt vor unfairen Handelspraktiken aus Drittstaaten zu schützen, vor allem aus China“, so Haeusgen weiter.
Start von Manufacturing-X
Auf politischer Ebene kritisiert der VDMA auch das geplante EU-Lieferkettengesetz. Es sei für den Mittelstand nur schwer umsetzbar und schade daher dem Industriestandort Europa mehr als dass es ihm nützt. „Die politischen Absichten und Ziele der EU, die grüne und nachhaltige Transformation zu gestalten, wird von uns unterstützt. Doch lassen viele Gesetzesvorschläge die Realitäten im industriellen Mittelstand unberücksichtigt“, sagt Haeusgen.
Stand: 08.12.2025
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Viel Hoffnung steckt der VDMA in die neue Initiative Manufacturing-X, die auch beim aktuellen Digitalgipfel der Bundesregierung erwähnt wurde. Dabei geht es um die Schaffung eines föderativen Datenökosystems für die produzierende Industrie. In diesem Ökosystem sollen Unternehmen ihre Daten untereinander teilen können, ohne diese abtreten zu müssen. Bereits im Frühjahr 2023 soll die Initiative in eine Umsetzungsphase starten. Bis März soll ein Konzept für Manufacturing-X vorgelegt werden. Erste projektbezogene Ausschreibungen für Forscher und Unternehmen sollen ebenfalls im Frühjahr beginnen.