Lineartechnik Stabile Leichtgewichte sparen Energie
Vor allem die Automobilindustrie setzt auf Leichtbaulösungen. Doch auch in Montage- und Handhabung oder der Medizintechnik werden sie zunehmend eingesetzt. Wir haben nach Chancen und Risiken gefragt.
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Geringe bewegte Massen, kompakte, materialsparende Baugruppen und ein reduzierter Energieaufwand für Antrieb und Steuerung, das sind die Vorzüge von Leichtbaulösungen – auch in der Lineartechnik. Dass das Potenzial für Leichtbau in der Lineartechnik – ebenso wie allgemein im Maschinen und Anlagenbau – wächst, darüber herrscht Einigkeit. „Je filigraner konstruiert wird, desto leichter müssen auch die Komponenten sein, um möglichst geringe statische und dynamische Lasten zu erzeugen“, erklärt Peter Niemeyer, bei Franke zuständig für die Entwicklung von Linearsystemen.
„Hersteller, die diesem Trend folgen, entwickeln Produkte, die mit weniger Bauraum und weniger Gewicht bzw. Masse immer höhere Tragzahlen erreichen“, erklärt Jens Kurzidim, Leitung Vertriebliches Produktmanagement Linearführungen und Gewindetriebe bei Bosch Rexroth. „Bei gleicher Tragzahlanforderung kann dann, abhängig von der Anwendung, zum Teil eine kleinere Baugröße eingesetzt werden“.
Lineartechnik
Linearführungen – mehr als nur Komponente
Gewindetrieb
Asymmetrie versus Symmetrie
Die Zunahme der Verwendung alternativer Werkstoffe wie CFK oder lasergesintertes Aluminium stellt dabei Anforderungen in ganz neuen Dimensionen. Waren es bisher Linearsysteme aus Aluminium, die als besonders leicht galten, so gibt es heute bereits Führungssysteme aus Karbon. Doch gerade das Vertrauen in neue Werkstoffe wächst nur langsam, meint Christian Koch, Leiter Entwicklung Mechatronik bei der Jenaer Antriebstechnik.
Over-Engineering vermeiden
Der größte Feind leichtgewichtiger Konstruktionen ist das „Over-Engineering“. „Viele Konstrukteure tendieren noch dazu, Komponenten mit zig-facher Sicherheit auszulegen“, weiß Peter Niemeyer aus Erfahrung. „Das führt dazu, dass Maschinen und Fahrzeuge schwer und teuer werden“. Hier müsse ein Umdenken einsetzen, fordert der Leichtbau-Experte von Franke. Das bestätigt auch Volker Desch, Leitung Vertriebliches Produktmanagement Mechatronische Systeme bei Bosch Rexroth: „Eine Überdimensionierung kann zum Beispiel dazu führen, dass Masse verbaut wird, die gar nicht benötigt wird“.
Geringes Gewicht geht immer einher mit geringen bewegten Massen. Dadurch wirkt sich der Einsatz bewegter Leichtbaukomponenten nicht nur durch die reine Gewichtsersparnis positiv aus, sondern hat auch Auswirkungen auf die erforderliche Festigkeit der weiterführenden Teile. Hier kann durch geschicktes Konstruieren weiteres Gewicht reduziert werden. „Die größte Herausforderung für Konstrukteure ist es, zu unterscheiden, an welchen Stellen ihrer Anwendung Festigkeit und Halt vorrangige Anforderungen sind und an welchen leicht und materialsparend konstruiert werden kann“, erklärt Niemeyer.
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