Stoßdämpfer Sicherheits-Stoßdämpfer kippen Bühnenbild

Redakteur: Dipl.-Ing. Dorothee Quitter

Für Theatermacher zählt es zu beliebten szenischen Effekten, große, glatte Wände auf ebenen Böden in Zuschauerrichtung kippen zu lassen. Damit das Umkippen einer solchen Konstruktion funktioniert, kommen Sicherheits-Stoßdämpfer mit auf die Bühne.

Anbieter zum Thema

Das Opernhaus Hannover beauftragte das Hamburger Unternehmen that (theatre art and technics) mit der technischen Umsetzung des Bühnenbildentwurfs für die Oper „Die Bassariden“. Während die z. T. jahrzehntelange Theater-Erfahrung die Arbeitsweise dieses Teams prägt, vermutet man auf den ersten Blick nicht, dass ein Unternehmen wie die ACE Stoßdämpfer bei einer Kooperation mit der Staatsoper Hannover ebenfalls eine Rolle spielen könnte. Auf den zweiten Blick fällt jedoch auf, dass sich die Rheinländer längst von einem reinen Lieferanten für Maschinenelemente zu einem Lösungspartner im gesamten Dämpfungssektor entwickelt haben. So belegt der folgende Fall, dass ACE immer wieder dazu beitragen kann, die Wünsche seiner Kunden Realität werden zu lassen.

Geräuscharmer Knalleffekt für umfallende Wand: Auftritt Stoßdämpfer

Die in der Oper „Die Bassariden“ zu kippende Wand sollte nach dem Sturz rückseitig eine Schräge bilden, die einem 70-Personen-Chor als Spielfläche dient. Das Kippen sollte dabei möglichst einem „naturgetreuen“ Umkippen entsprechen, d. h. wie beim freien Fall eine zunehmende Umfangs- bzw. Winkelgeschwindigkeit aufweisen. Dazu Peter Holtz, einer der Chefs von that und Konstrukteur dieser Applikation: „Im Sinne der Reproduzierbarkeit des Vorganges wurde uns eine Verzögerungsrampe zugestanden. Die Wand durfte, wenn sie die Waagerechte fast erreicht hatte, abgebremst werden. Dadurch ergab sich so etwas wie ein Zeitlupeneffekt, will sagen, es konnte eine etwas verringerte Fallgeschwindigkeit entstehen.“

Der zum Erreichen dieses Ziels errechnete Bremsweg entsprach immerhin einer Strecke von 140 cm. Gegen Ende der Inszenierung sollte sich die Wand zudem wie von Geisterhand wieder aufrichten. Die Anforderung an die beschriebene szenische Bewegung ist komplex. Nach einer Beschleunigungsphase mit nichtlinearer Beschleunigung, sie entspricht laut Peter Holtz eher einem sinusförmigen Bild, erfolgt eine Verzögerung mit Maximalgrenze auch im Störfall, um die Tragkonstruktion der Wand nicht zu überlasten. Die Koppelung der Bewegung an den Schleppboden eines Podiums mit hochwertiger Steuerung wäre für den Bewegungsablauf die Ideallösung. Jedoch waren die Einzelpodien am szenischen Ablauf ebenfalls beteiligt. Auch die Nutzung der Punktzüge kam auf Anraten der Technischen Leitung nicht in Frage. Der Einrichtungsaufwand erschien zu hoch, die Einrichtungszeit zu lang. Außerdem wurde vermutet, wegen der langen Anschlagmittel ein ungünstiges federndes Verhalten der Einrichtung hervorzurufen. Für das Aufrichten der Wand konnte der Einsatz eines vorhandenen Hydraulikzylinders mit einfacher Handsteuerung vorgesehen werden, aber für den Kippvorgang war dieses System wegen der komplexen Anforderung ungeeignet. Es wurde daher beschlossen, die Wand tatsächlich kippen zu lassen und die Bewegung über Industrie-Stoßdämpfer abzubremsen.

Artikelfiles und Artikellinks

(ID:305884)