Neue Festkörper-Batterieplattform Serienreife Batterie mit 100.000 Ladezyklen versorgt Motorrad

Von Dipl.-Ing. (FH) Michael Richter 2 min Lesedauer

Bis zu 100.000 Ladezyklen, 99 Prozent Kapazität bei −30 °C und ein Serienfahrzeug, das im ersten Quartal genau mit dieser Batterie in Serie geht. Der Durchbruch bei Festkörper-Batterien scheint geschafft zu sein.

Die Festkörper-Batterie von Donut Lab ist bereit für den Serieneinsatz.(Bild:  Donut Lab)
Die Festkörper-Batterie von Donut Lab ist bereit für den Serieneinsatz.
(Bild: Donut Lab)

Letztes Jahr präsentierte Donut Labs auf der CES einen Elektromotor, der den Markt aufrüttelte. Die Leistungsdaten waren eine Ansage. Nun passiert dasselbe, allerdings im Batteriesegment. Dieses Mal ohne Loch in der Mitte. Die Donut Battery. Sie wurde als universelle Festkörper-Batterieplattform konzipiert und wird von Donut Lab entwickelt, industrialisiert und skaliert. Genau wie beim Motor wird der erste Einsatz in einem Elektromotorrad sein.

Die Donut Battery erreicht eine gravimetrische Energiedichte von rund 400 Wh/kg. Bei aktuellen serienreifen Lithium-Ionen-Batterien liegt diese bei etwa 150 bis 250 Wh/kg. Entscheidend ist dabei, dass diese Werte nicht im Labor, sondern in realen Produktionsfahrzeugen erzielt werden.

Ebenso praxisnah ist das Ladeverhalten. Die Batterie ist so ausgelegt, dass eine Volladung in etwa fünf Minuten möglich ist. Diese Ladezeiten verschieben die Elektromobilität aus dem Bereich der Planung zurück in den Bereich spontaner Nutzung. Unabhängig von Fahrzeugklasse oder Einsatzzweck. Für das Verge TS Pro Motorrad bedeutet das: 350 km mit einer Batterieladung, welche keine 10 Minuten benötigt. Eine Long-Range-Variante soll 600 km Reichweite bringen. Die Auslieferung mit der neuen Batterie erfolgt bereits im ersten Quartal des Jahres.

Lebensdauer jenseits heutiger Maßstäbe

Ein zentraler Unterschied zu bestehenden Batterietechnologien liegt in der Alterung. Die Donut Battery ist konstruktiv auf bis zu 100.000 Ladezyklen ausgelegt. Selbst konservativ interpretiert bedeutet das eine Lebensdauer, die Fahrzeuge, Maschinen oder Energiespeicher mehrfach überdauern kann. Für Flotten, Trailer, Plattformfahrzeuge oder stationäre Speicher ist das nicht nur technisch relevant, sondern wirtschaftlich entscheidend.

Durch den vollständig festen Elektrolyten entfällt das klassische Brand- und Thermal Runaway-Risiko von Lithium-Ionen-Zellen. Die Batterie gilt als intrinsisch sicher, ohne auf aufwendige Kühl- oder Schutzsysteme angewiesen zu sein. Sicherheit entsteht hier nicht durch Zusatztechnik, sondern durch die Chemie selbst.

Materialstrategie statt Rohstoffabhängigkeit

Die Donut Battery kommt ohne Lithium-Ionen-Chemie aus. Sie basiert auf global verfügbaren, nicht kritischen Materialien und wird als vollständig „grün“ positioniert. Das reduziert nicht nur geopolitische Abhängigkeiten, sondern ermöglicht stabile Lieferketten und langfristig planbare Kosten. Die genaue Zusammensetzung nennt der Hersteller allerdings noch nicht.

Während konventionelle Batterien bei Minusgraden massiv an Kapazität verlieren, behält die Donut Battery selbst bei −30 °C mehr als 99 Prozent ihrer Kapazität. Damit eignet sie sich für Einsatzbereiche, die bislang nur mit großen Reserven oder zusätzlichen Heizsystemen realisierbar waren.

Vielleicht der wichtigste Punkt ist, dass trotz höherer Leistungsdaten liegt die Donut Battery unter den Kosten heutiger Lithium-Ionen-Batterien – und das ab sofort, nicht erst nach Jahren der Skalierung. Genau dieser Faktor macht die Technologie für OEMs so attraktiv.

Breiter Einsatz statt Leuchtturmprojekt

Die erste Serienanwendung erfolgt im Motorrad Verge TS Pro von Verge Motorcycles, doch die Batterie wird bereits heute auch in intelligenten Anhängern von Cova Power eingesetzt. In Kürze folgt die Integration in eine EV-Skateboard-Plattform der Watt Electric Vehicle Company, wodurch Fahrzeughersteller weltweit direkten Zugang zur Technologie erhalten.

Die Donut Battery ist kein Versprechen für 2030, sondern ein industrielles Produkt im Einsatz. Ihre Bedeutung liegt nicht darin, ein einzelnes Fahrzeug besser zu machen, sondern darin, die Batterie als Engpass der Elektromobilität aufzulösen.

Dieser Beitrag ist bei unserem Partnerportal www.elektronikpraxis.de erschienen.

(ID:50682695)

Jetzt Newsletter abonnieren

Verpassen Sie nicht unsere besten Inhalte

Mit Klick auf „Newsletter abonnieren“ erkläre ich mich mit der Verarbeitung und Nutzung meiner Daten gemäß Einwilligungserklärung (bitte aufklappen für Details) einverstanden und akzeptiere die Nutzungsbedingungen. Weitere Informationen finde ich in unserer Datenschutzerklärung. Die Einwilligungserklärung bezieht sich u. a. auf die Zusendung von redaktionellen Newslettern per E-Mail und auf den Datenabgleich zu Marketingzwecken mit ausgewählten Werbepartnern (z. B. LinkedIn, Google, Meta).

Aufklappen für Details zu Ihrer Einwilligung