«Gerollte» Sicherheit Seilbahnkabinen: Nur gerollte Gewinde erfüllen die strengen Normen
Wer ist nicht schon einmal in den Bergen eine Gondel benutzt? Damit dies allerdings reibungslos vor sich geht, trägt ein Bolzen – der Fachmann spricht von «Zugstange» – mit gerolltem Gewinde die Hauptlast – «Last», dies im wahrsten Sinne des Wortes.
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Der Seilbahnbauer unterscheidet Pendelbahnen (Grosskabinen im Pendelverkehr) und Umlaufbahnen (viele kleine Kabinen werden ins Seil eingekuppelt). Beiden ist eines gemeinsam: Sie dürfen unterwegs nicht hinunterfallen. Das verhindern die erwähnten Zugstangen mit gerolltem Gewinde.
Pendelbahn
Bei der Großkabine (Bild 1) sind es vier Gewindebolzen (Bild 2) an denen die Kabine hängt. Ein Konstruktionsdetail: Jede Zugstange geht durch die Kabine hindurch bis in den Boden – viele Leute halten sich sogar daran fest. Denn eigentlich ist nur der Boden das tragende Element der Kabine – befestigt an eben den vier Stangen. Die Kabinenwände und die Verglasung dienen lediglich zum Schutz des Fahrgastes.
Umlaufbahn
Bei den Kleinkabinen (Umlaufbahn) ist es etwas anders: Hier sind zwar auch vier Spindeln mit gerolltem Gewinde, die aber nicht als Zugstange durch die Kabine (Bild 3) hindurch gehen. Der Fahrgast hätte keine Freude daran, es wäre ihm zu eng.
In jeder Ecke des Kabinendaches nimmt ein Schmiedeteil (Bild 4) mit einem Gewindeeinsatz den Bolzen auf. Diese Laschen sind über vier elegant gebogene Aluminiumstreben (als Eckprofile) mit dem Boden verbunden, der die Karosserie trägt. Der Kraftfluss geht also vom Seil und der Aufhängung über die vier Bolzen, in die vier Ecklaschen, über die vier Vertikalstreben in vier Boden-Ecklaschen – auch Schmiedeteile – in die Bodenstruktur. Weil es hier die Streben als Verbindung von Gehänge zum Boden braucht, spricht man von einer «selbsttragenden Kabine».
Sicherheit über alles, mit gestiegene Sicherheitsnormen
Früher stellte man solche Verbindungen als Schweißkonstruktionen her. Doch diese erfüllen die gestiegenen Sicherheitsnormen nicht mehr. Zudem ist das Schweißen – wegen der veränderten Materialstruktur und den danach vorgeschriebenen Prüfungen – viel zu teuer. Wenn es schon eine Bearbeitung braucht, so ist man auf das Wasserstrahlschneiden übergegangen. Denn nur diese (kalte) Formgebung erzeugt keine Veränderungen im Materialgefüge; die Werkstoffeigenschaften bleiben gleich.
Wichtig zu wissen ist: Die Zugstangen mit dem gerollten Gewinde gehören zu den sogenannten Hochsicherheitsteilen. Sie sind – wenn es um die Sicherheit geht – das «Piece de résistance» der Kabine. Mit ihnen (und dem Gewinde) darf nichts schiefgehen. Das Grundmaterial ist hochlegierter Stahl und das Gewinde wird nur mit Zertifikat ausgeliefert.
Immer und sicher im Einsatz
Der Seilbahn-Kabinenhersteller CWA lässt diese Teile beim Spezialisten für gerollte Gewinde bearbeiten: Eichenberger Gewinde liefert nicht nur den fertigen Gewindebolzen, sondern auch die nötigen Zertifikate über den vorgeschriebenen Werkstoff und die verlangten Materialprüfungen (Röntgen, Ultraschall). Von Bedeutung sind bei dieser Gewindeanwendung Zug- und Kerbschlagfestigkeit sowie der Nachweis, dass die Teile auch bei minus 20 °C noch schad- und klaglos ihren Dienst tun.
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