Um wettbewerbsfähiger zu werden, hat Schaeffler eine Reihe von Maßnahmen beschlossen. In Deutschland sollen rund 2.800 Stellen abgebaut werden. Grund sind unter anderem die Veränderungen in der Automobilindustrie.
Schaeffler hat Sparmaßnahmen und Stellenabbau angekündigt, um wieder wettbewerbsfähiger zu werden.
(Bild: beermedia - stock.adobe.com)
Der Vorstand der Schaeffler AG hat strukturelle Maßnahmen mit Fokus auf Deutschland und Europa angekündigt, welche das Unternehmen langfristig wettbewerbsfähiger machen sollen, darunter auch Stellenabbau. Die Gründe für diese Entscheidung sind das herausfordernde Marktumfeld, die zunehmende, globale Wettbewerbsintensität sowie die fortschreitende Transformation vor allem in der Autozulieferindustrie, erklärte das Unternehmen gegenüber der Presse.
Das Unternehmen hat Ziele in drei Bereichen festgelegt:
1. Ergebnisverbesserungen in der Sparte Bearings & Industrial Solutions, die mit Konjunkturschwäche, strukturellen Problemen sowie hoher Wettbewerbsintensität konfrontiert ist.
2. Realisierung von Synergien aus dem Zusammenschluss mit Vitesco Technologies Group AG, die zum größten Teil über Umsatz- und Einkaufssynergien, aber zu einem Teil auch durch Personalabbau erzielt werden.
3. Stellenabbau in Europa, als Reaktion auf das rückläufige Volumen in der Verbrennungstechnologie sowie die aktuelle Abschwächung von E-Antrieb-Programmen in Europa. Hiervon sind vor allem die Sparte Powertrain & Chassis und die Sparte E-Mobility betroffen.
In Europa sollen brutto rund 4.700 Stellen abgebaut werden, von denen zirka 2.800 auf Deutschland entfallen. Verlagerungen reduzieren den Nettoabbau auf rund 3.700 Stellen. Dies entspricht in etwa 3,1 Prozent der gesamten Mitarbeiterzahl nach dem Zusammenschluss, die sich seit Oktober 2024 um rund 35.000 auf rund 120.000 Beschäftigte erhöht hat.
Von den Abbaumaßnahmen sind in Deutschland zehn Standorte betroffen. Daneben sind fünf weitere Standorte in Europa betroffen, von denen zwei geschlossen werden sollen. Weitere Informationen zu diesen Standorten will das Unternehmen bis Ende des Jahres 2024 bekannt gegeben. Die Umsetzung der Maßnahmen soll mehrheitlich zwischen 2025 und 2027 erfolgen.
Ziel: 290 Millionen Euro pro Jahr einsparen
Durch diese Maßnahmen will das Unternehmen ab 2029 pro Jahr rund 290 Millionen Euro einsparen. 75 Millionen Euro davon verspricht sich das Unternehmen aus Synergien durch den Zusammenschluss mit Vitesco. Die Umsetzung der heute angekündigten Maßnahmen kostet einmalig rund 580 Millionen Euro, was die Firma aus Rückstellungen und Verlagerungskosten finanzieren will. Maßnahmen, die im Zusammenhang mit bereits angekündigten Programmen von Vitesco und Schaeffler vereinbart wurden, werden weiter planmäßig umgesetzt.
Klaus Rosenfeld, Vorsitzender des Vorstands, sagte: „Das Programm ist in der aktuellen Umfeldlage notwendig, um die Wettbewerbsfähigkeit der Schaeffler-Gruppe langfristig zu sichern. Wir werden es sozialverträglich und mit Augenmaß umsetzen.“
In der Sparte Bearings & industrial Solutions wurden bereits in den vergangenen Monaten Maßnahmen ergriffen, um dem anhaltenden Nachfragerückgang zu begegnen. Neben dem Abbau der Gleitzeitkonten, Kurzarbeit und der Reduktion der wöchentlichen Arbeitszeit in einigen Bereichen wurden unter anderem Maßnahmen zur Verkaufsförderung und zur Reduzierung externer Service- und Instandhaltungskosten initiiert und intensiviert. Dieser Maßnahmenmix ist aus Sicht des Vorstands jedoch nicht mehr ausreichend.
„Gerade in Europa ist die Nachfrage in vielen Sektoren andauernd schwach und führt zu Überkapazitäten an deutschen und europäischen Standorten. Aus diesem Grund sind strukturelle Anpassungen notwendig, um unsere Kostenbasis zu optimieren, Aktivitäten zusammenzufassen und die Wettbewerbsfähigkeit des Unternehmens nachhaltig zu verbessern. Neben den Kapazitätsanpassungen bedingt dies weitere Lokalisierungen, die wir in enger Abstimmung mit den Arbeitnehmern beraten werden“, sagte Sascha Zaps, Vorstand Bearings & Industrial Solutions.
Besonders betroffen: Schweinfurt und Homburg
Maßgeblich sind vor allem die Standorte Schweinfurt und Homburg von Konsolidierungsaktivitäten, Kapazitätsanpassungen und Verlagerungen betroffen, aber auch dem Abbau von Stellen in Zentralbereichen in der Administration.
Am Standort Homburg entstehen im Werk der Sparte Bearings & Industrial Solutions Komponenten für Antriebssysteme, Führungen und mechatronische Systemlösungen aus dem Bereich der Lineartechnik. Hier wird wegen der schwachen Nachfrage im Sektor industrial Automation der Rotstift angesetzt. Die beiden anderen Produktionswerke am Standort Homburg sind von der Verlagerung nicht betroffen.
Das Stammwerk der Sparte Bearings & industrial Solutions in Schweinfurt wird zudem die Produktion und Mitarbeitenden des ehemaligen Ewellix-Werks im Schweinfurter Hafen aufnehmen, das zirka fünf Kilometer entfernt liegt. Im Zuge der Integration von Ewellix in die Schaeffler-Gruppe wird zudem außerhalb Europas der ehemalige Ewellix-Standort Taoyuan geschlossen.
Stand: 08.12.2025
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Getriebeherstellung in Hameln soll verkauft werden
Die Aktivitäten der im Jahr 2022 übernommenen Melior Motion GmbH in Hameln, wo vor allem Planetengetriebe für Industrieroboter hergestellt werden, werden aufgegeben und ein Verkauf des Werks in Hameln angestrebt.
Für den Standort in Steinhagen ist die Ausarbeitung eines Zukunftskonzepts mit den Arbeitnehmervertretern vereinbart, um gemeinsam Optionen für die Zukunft des Standorts zu erarbeiten, an dem Schaeffler hauptsächlich Gelenklager für unterschiedliche industrielle Anwendungen fertigt.
Schaeffler und Vitesco haben im Zuge der Integration eine Größenordnung von 600 Millionen Euro p.a. an Synergien vereinbart, die im Jahr 2029 vor allem durch Wachstum sowie Skaleneffekte im Einkauf erreicht werden sollen. Ein nachgeordneter Teil der Synergien soll durch Personalabbaumaßnamen realisiert werden. Davon sind insbesondere die Funktionsbereiche und die Zentralabteilungen an den Hauptsitzen Regensburg und Herzogenaurach betroffen, aber auch der Bereich Forschung & Entwicklung.
Regensburg wird zukünftig Sitz des Unternehmensbereichs Powertrain-Solutions der Sparte Powertrain & Chassis von Schaeffler. Sitz der neuen Sparte E-Mobility von Schaeffler wird Herzogenaurach, das zugleich Sitz der Konzernzentrale bleibt.
Im Ergebnis führen die Anpassungen zum Abbau von zirka 600 Stellen, die auf Deutschland und hier maßgeblich auf die beiden genannten Standorte entfallen. Zu diesen Zahlen tragen die beiden Unternehmen etwa im gleichen Verhältnis bei.
Kosten sparen bei Powertrain & Chassis und E-Mobility
In der Sparte Powertrain & Chassis sind aus Sicht der Unternehmensleitung weitere Anpassungen notwendig, die sowohl bei Schaeffler als auch bei Vitesco in den vergangenen Jahren definiert wurden. Da im Verbrennergeschäft die Nachfrage sinkt, sollen Kosten gespart werden. Betroffen sind hier vor allem die Standorte Herzogenaurach, Schwalbach und Regensburg.
Ein Grund dafür ist auch, dass das Management in früheren Phasen von einem stärkeren Wachstum insbesondere bei europäischen OEMs ausgegangen war, welches aktuell jedoch ausbleibt. Zusätzlich führt der stärkere Wettbewerb zu mehr Preis- und Kostendruck und einer stärkeren Lokalisierung der Entwicklungsleistungen, insbesondere in China. Hiervon betroffen sind insbesondere die Standorte Regensburg, Nürnberg und Berlin.
BEST OF INDUSTRY AWARD
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Für die Umsetzung der Maßnahmen gilt in Deutschland wie bisher die 2018 mit der IG Metall abgeschlossene Zukunftsvereinbarung. Der Abbau von Stellen solle im Wesentlichen über Fluktuation, Freiwilligenprogramme sowie Aufhebungs- und Altersteilzeitverträge erreicht werden, teilte das Unternehmen mit. „Wir befinden uns im engen Austausch mit unseren Arbeitnehmervertretern. Unser gemeinsames Verständnis ist, dass die Maßnahmen auf Basis der Zukunftsvereinbarung fair und sozialverträglich umgesetzt werden. Zudem werden wir vor allem auch an unseren Heimatstandorten in Deutschland weiter in Qualifizierung und Ausbildung investieren“, sagte Dr. Astrid Fontaine, Vorständin Personal und Arbeitsdirektorin der Schaeffler AG.
„Die genannten Maßnahmen sind in der aktuellen Markt- und Wettbewerbslage ohne Alternative. Unser Bekenntnis zum Standort Deutschland steht. Wir werden im Interesse unserer Kunden und Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter auch in Deutschland und Europa weiterhin in Zukunftsfelder und -technologien investieren“, versicherte Klaus Rosenfeld.