Industriebürsten Reutlinger Bürstenhersteller Kullen wird 100 Jahre alt
Die Bürsten- und Pinselfabrik Kullen-Koti feierte im Februar ihr 100-jähriges Bestehen. Seit der Übernahme durch die niederländische Koti-Gruppe im Jahr 2012 verfügt der Hersteller über das wohl weltweit größte Sortiment technischer Bürsten.
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Eine Anzeige aus dem Jahr 1925 ist Zeugnis einer langen Geschichte: „Firma alter Gründung und großer Erfahrung auf dem Gebiet technischer Bürsten aus pflanzlichen und tierischen Stoffen sowie aus allen Sorten von Stahl“. So warb die Württembergische Bürsten- und Pinselfabrik Kullen und Co. in Reutlingen zu jener Zeit für sich. Damals war das noch junge Unternehmen gerade einmal zwölf Jahre alt.
im Februar feierte Kullen-Koti ihr 100-jähriges Bestehen. Seit der Übernahme durch die niederländische Koti-Gruppe im vergangenen Jahr verfügt der Hersteller über das wohl weltweit größte Sortiment technischer Bürsten. Von Anfang an war die Firma Kullen eng mit ihrem Hauptsitz verbunden, dem sie bis heute treu geblieben ist: der Stadt Reutlingen.
Gegründet wurde das Unternehmen von Paul Kullen und Wilhelm Epp aus Pfullingen. In den Anfangsjahren lag der Schwerpunkt auf handeingezogenen und gepechten Bürsten und Besen für die allgemeine Reinigung im Haushalt. Vereinzelt kamen auch schon Maschinenbürsten für die örtlichen Textil- und Gerbereibetriebe hinzu. Sechs Jahre nach der Gründung stieg Epp aus dem gemeinsamen Betrieb aus.
Ende der 20er Jahre war ein erster Umbruch in der Produktionsausrichtung zu spüren: Eine Spezialisierung auf Maschinen-, Industrie- und Walzenbürsten, hauptsächlich für die Textil- und Papierproduktion. Im Laufe der folgenden Jahre erwarb die Firma mehr und mehr Patente, zum Beispiel für die Spiralbürstenfertigung. Während des zweiten Weltkrieges lief die Produktion unter schwierigen Verhältnissen weiter. Hergestellt wurden fast ausschließlich Bürsten für die Wehrmacht.
Ab den 50er Jahren wuchs die Firma Kullen deutlich und entwickelte sich zu einem Industrieunternehmen. Schritt für Schritt wurde mit der Fertigung von Waschanlagen und Maschinen der Ausbau vorangetrieben. 1961 eröffnete man ein Zweigwerk in Honau. Im Jahr darauf beschäftigte Kullen bereits 240 Mitarbeiter. Der Anteil der Werkzeugbürsten am Gesamtprogramm nahm ständig zu.
Mitte der 70er-Jahre zogen alle Produktionsabteilungen in einen Neubau um und die ersten Bildschirme in Verbindung mit einer EDV-Anlage wurden installiert. Kullen gehörte damit zu den Pionieren im elektronischen Zeitalter. Mit der Gründung der Tochterfirma R.I.B. im englischen Llandovery standen die Zeichen auf Expansion.
Frühzeitig auch in China engagiert
Als 1983 der heutige Geschäftsführer Dieter Kullen die Leitung übernahm, war die Produktpalette auf 55.000 Bürstentypen angewachsen. Die Firma beteiligte sich damals bereits an zahlreichen Fachmessen im In- und Ausland. In den 90ern folgten schließlich der Erwerb einer Firma in Bristol mit 100 Mitarbeitern und ein Joint Venture in China. Die Gesamtfläche aller Produktionsstätten betrug damals 30.000 m2. Im neuen Jahrtausend eröffnete man schließlich noch ein Verkaufsbüro in der tschechischen Republik.
Im Jahr 2012 kam der große Umbruch: Da in absehbarer Zeit kein Familienmitglied für die Geschäftsführung zur Verfügung stehen würde, entschieden sich die Gesellschafter nach reiflicher Überlegung zum Verkauf an die Koti-Gruppe. Nach fast einem Jahrhundert ist das Unternehmen nun nach der Übernahme durch Koti nicht mehr im Besitz der Familie Kullen – ein Schritt, der die Firma auf dem europäischen Markt weiter stärkte und den Fortbestand am Standort Reutlingen sicherte.
Sich ergänzendes Produktportfolio
Beide Firmengruppen ergänzen sich in ihren Produktportfolios und sind Spezialisten in ihren jeweiligen Bereichen. Die Koti-Gruppe beschäftigt heute zusammen 750 Mitarbeiter und erwirtschaftet einen Umsatz von 80 Millionen Euro. Mit 141.000 Bürstentypen entstand das wohl weltweit größte Angebot an technischen Bürsten.
Der Blick auf die nunmehr 100-jährige Geschichte erfüllt Geschäftsführer Dieter Kullen mit Stolz: „Was unsere eigenen Vorfahren über die Jahrzehnte aufgebaut, erweitert und fortentwickelt haben, ist beeindruckend und war nur durch Einsatz, Hartnäckigkeit und Unternehmergeist möglich. Kullen ist auch deswegen gewachsen, weil unsere Belegschaft bereit war, sich täglich und engagiert für unsere Firma einzusetzen. Der 27. Februar ist deshalb für uns alle ein Tag zum Feiern.“ (jv)
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