Gleitlager Neue Kunststoff-Compounds nun auch als Stangenhalbzeuge

Redakteur: Stefanie Michel

Auf der Basis thermoplastischer Kunststoffe entwickelte GGB eine Serie von Kunststoff-Compounds, die aufgrund ihrer Eigenschaften für den Einsatz als Gleitlager optimiert sind. Drei dieser Werkstoffe sind nun auch als Halbzeuge für Prototypen und Kleinserien erhältlich.

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Als Reaktion auf einen steigenden Bedarf an optimierten Kunststoffen hat der Gleitlager-Hersteller GGB mit der neuen EP-Serie eine Reihe von Kunststoff-Compounds auf den Markt gebracht, die im Hinblick auf ihre Verschleißfestigkeit und Reibwerte für den Einsatz im Gleitlagerbereich optimiert sind. Angesichts der universellen Werkstoffeigenschaften können diese Werkstoffe sowohl in der Automobilindustrie, der Luft- und Raumfahrt, in landwirtschaftlichen Maschinen, in Verpackungsanlagen als auch in vielen anderen Anwendungen eingesetzt werden.

Thermoplastische Compound-Werkstoffe für Gleitlager

Die EPxx-Compounds werden auf der Basis eines thermoplastischen Kunststoffs mit reibungsmindernden Zusätzen und Verstärkungsfasern im Spritzgießverfahren hergestellt. Durch die eingesetzten Füllstoffe werden die Compounds hinsichtlich Maßhaltigkeit, Reibungskoeffizienten, Druck und Kriechfestigkeit sowie thermischer Längenausdehnung optimiert.

So ergibt sich ein breites Spektrum an Einsatzmöglichkeiten für diese Materialien. Sei es als wartungsfreie Trockenlaufvariante, im Einsatz mit Schmierstoffen oder mediumgeschmiert. Spezialitätencompounds zeichnen sich durch sehr gute Gleit- und Verschleisseigenschaften aus und ermöglichen Dauereinsatztemperaturen von bis zu 260 °C. Medieneinflüsse wie Säuren oder Basen können bei richtiger Wahl des Compounds ebenso bewältigt werden wie abrasive Umgebungseinflüsse. Aufgrund des homogenen Materialaufbaus wird die Verschleißtiefe nur durch die Wandstärke des Gleitlagers und die technischen Anforderungen der Anwendung begrenzt.

Der Hersteller bietet Spritzgussteile auf der Basis von Polyamid (PA), Polyoxymethylen (POM), Polybutylenterephtalat (PBT), Polyphenylsulfid (PPS), Polyetheretherketon (PEEK) und Polyamidimid (PAI) an, so dass der Konstrukteur für seine Anwendung den optimalen Gleitlagerwerkstoff auswählen kann. Zudem wird dem Kunden ein Komplett-Paket aus technischer Beratung, Prototypen, Erstmustern und Serie angeboten.

Spritzgussteile auch nach Kundenwünschen

EP-Gleitlager mit Standardabmessungen sind ab Lager verfügbar als zylindrische Buchsen und Bundbuchsen. Spritzgussteile aus den neuen EPxx-Werkstoffen sind in auftragsbezogener Herstellung erhältlich. Sonderteile, wie beispielsweise sphärische Gleitlager, Anlaufscheiben oder komplexe Bauteile mit integrierten Funktionen, können nach den Angaben des Kunden mit oder ohne Beratung hergestellt werden.

Zudem ist es möglich, mehrschichtige Lagerbauteile aus verschiedenen Werkstoffen für die Gleitfläche und den Trägerrücken im Spritzgießverfahren anzufertigen. Die Eigenschaften jedes Werkstoffes können so im Hinblick auf die tribologischen und strukturellen Anforderungen der Anwendung optimiert werden. Bei Anwendungen mit Initialschmierung beim Einbau lässt sich die Gleitfläche mit einem gleichmäßigen Muster von Vertiefungen (Schmiertaschen, Schmiernuten) versehen, die dann als Schmierstoffreservoir dienen.

Zusätzlich zu den im Spritzguss hergestellten Gleitlagern bietet GGB die Kunststoff-Compounds EP22 auf PBT-Basis, EP43 auf PPS-Basis und EP63 PEEK-Basis nun auch als extrudierte Vollstäbe an, aus denen Prototypen oder Kleinserien nach Kundenwunsch gefertigt werden können. Diese Halbzeuge sind ein Meter lang und in Durchmessern von 10, 20 oder 30 Millimetern lieferbar.

Diese technischen Kunststoffe erlauben es Funktionen in Gleitlager zu integrieren, die mit herkömmlichen Verformungsverfahren nicht möglich sind. Um beispielsweise Kantenbelastungen zu vermeiden, können axiale sphärische Kontaktoberflächen oder auch Verdrehsicherungen ohne Nachbearbeitung in Serie produziert werden. Mit diesem Verfahren hergestellte Gleitlager sind wartungsfrei, selbstschmierend, bleifrei und entsprechen der Richtlinien PAK (Polyzyklischer Aromatischer Kohlenwasserstoff) und RoHS (Richtlinie zur Beschränkung der Verwendung bestimmter gefährlicher Stoffe in Elektro- und Elektronikgeräten).

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