Rapid Prototyping Neue Kunststoff-Anwendungen in der Medizintechnik

Redakteur: Karl-Ullrich Höltkemeier

Ingenieurbüro Laich und protoform entwickeln gemeinsam hydrostatische Aufbiss-Schiene zur Serienreife. Die Prototypen für Patiententests wurden im Space Puzzle Molding-Verfahren hergestellt.

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Soforthilfe und Heilung bei Kiefergelenkbeschwerden verspricht eine neu entwickelte hydrostatische CMD Schiene. Das innovative Produkt aus Kunststoff, das derzeit im deutschsprachigen Raum vorgestellt wird, ist eine Weltneuheit. Der Erfinder des AquaSplints, der Erlanger Kieferorthopäde Dr. Aladin Sabbagh, beauftragte knapp ein Jahr vor der Markteinführung das Ingenieurbüro Laich mit der Umsetzung der Idee. Das im fränkischen Uttenreuth ansässige Ingenieurbüro hat sich auf die verarbeitungsgerechte Entwicklung anspruchsvoller Kunststoffprodukte spezialisiert. Der ebenfalls im Bereich Medizintechnik aktive Fürther Kunststoffspezialist protoform Konrad Hofmann GmbH war maßgeblich an der schnellen Realisierung beteiligt. Mittels Space Puzzle Molding entstanden Vorserien-Teile, die für Patiententests eingesetzt wurden.

Der Kieferorthopäde Dr. Aladin Sabbagh behandelt mit dem AquaSplint die meist schmerzhaft verlaufende Kiefergelenkserkrankung CMD (Craniomandibuläre Dysfunktion). Die Symptome dieser Krankheit reichen von starken Kopfschmerzen bis hin zu Hals-Wirbelsäulen-Schulterproblemen. Bei einer täglichen Tragezeit von zehn Stunden soll der Patient nach vier bis sechs Wochen überwiegend beschwerdefrei sein.

Die Trägerkomponenten der aus zwei verschiedenen Kunststoffen bestehenden Schiene wurden aus dem Originalmaterial Polycarbonat im Spritzguss-Verfahren hergestellt. Bei protoform wandte man hierzu das patentierte, im Haus entwickelte Space Puzzle Molding an. Dieses Verfahren ermöglicht die kostengünstige, schnelle Fertigung von Prototypen, Klein- und Exklusivserien in Originalwerkstoffen im Serien-Fertigungsverfahren Spritzguss. „Wir haben durch die frühen Tests an Patienten qualitativ hochwertige Ergebnisse erhalten, wie wir sie mit Prototypen aus anderen Herstellungsverfahren nie bekommen hätten“, bestätigt Hans Laich vom Ingenieurbüro Laich.

Eine besondere Herausforderung für die Bauteil-Entwickler bei protoform stellte die geringe Wandstärke von 0,4 Millimetern und die Klemmvorrichtung, die im Spritzwerkzeug einen Hinterschnitt bedeutete, dar. „Nach ersten Bemusterungen erhöhten wir in Absprache mit dem Kunden die Wandstärke in der Nähe des Angusses um 0,1 Millimeter, um das Bauteil vollständig zu füllen und die Serienmachbarkeit zu bestätigen“, sagt Wolfgang Tykvart, Leiter Marketing bei protoform. Beliebig war die Wandstärke nicht zu erhöhen, sie trägt maßgeblich zum Komfort für den Patienten, bei. Mit der Idee, die Schiene unverrückbar zwischen Ober- und Unterkiefer einzulegen, hebt sich AquaSplint von den bisher bekannten Schienen ab.

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