Erfindung

Mechatronik-Student erfindet Airbag für Smartphones

| Redakteur: Katharina Juschkat

Die „aktive“ Schutzhülle fürs Smartphone erkennt durch eingebaute Sensoren den freien Fall und fährt sofort vier dämpfende Elemente aus.
Die „aktive“ Schutzhülle fürs Smartphone erkennt durch eingebaute Sensoren den freien Fall und fährt sofort vier dämpfende Elemente aus. (Bild: Frenzel + Mayer Solutions)

Da er die Nase voll hatte von zerstörten Handydisplays, erfand der Mechatronik-Student Philip Frenzel einen Airbag für Smartphones – und wurde mit dem Mechatronik-Preis 2018 geehrt. Jetzt startet er ein Crowdfunding-Projekt, um den Airbag marktreif zu entwickeln.

Die Geschichte der Erfindung begann mit einer Jacke, die lässig über ein Treppengeländer geworfen wurde, einem brandneuen Smartphone in der Jackentasche, dem freien Fall des neuen Smartphones ein ganzes Stockwerk tiefer und einer „Spider-App“. Der teure Austausch des zersplitterten Displays funktionierte ganze zwei Wochen, dann war wieder alles schwarz – und das Iphone nur noch Schrott.

Im Keller an Airbag getüftelt

Besitzer des Smartphones ist Philip Frenzel, Master-Student der Hochschule Aalen, der die Nase von kaputten Displays voll hatte. Für das Nachfolgerhandy musste ein stabilerer Schutz her – doch zufrieden war der 25-Jährige mit seiner damaligen Recherche nicht. „Das Iphone mit seinem ästhetischen Design in eine klobige Outdoorhülle zu packen macht ja keinen Spaß“, meint Frenzel. Und da Not erfinderisch macht und ihn die Problematik von zersplitterten Handydisplays nicht mehr losließ, setzte er sich an die heimische Werkbank im Keller, „um mal das Hirn anzustrengen”. Inzwischen, vier Jahre später, ist das Ergebnis dieser Anstrengung in eine preiswürdige Bachelorarbeit geflossen und zum Patent angemeldet.

Das Thema „Spider-App“ ging Philip Frenzel nicht mehr aus dem Kopf. „Also habe ich mich daran gemacht, eine Lösung zu finden“, erzählt der Student. Zuerst dachte er an eine Art Airbag wie im Auto und experimentierte mit Luftkissen und Schaumstoff. Das erwies sich allerdings nicht als praktikabel. Er verfolgte das Thema in seinem Praxissemester und als Bachelorarbeit weiter und kam schließlich zu einer Lösung: In eine dünne Schutzhülle baute der Student Sensoren ein, die den freien Fall des Smartphones erkennen und entwickelte eine Metallfeder, die sich während des Falls entfaltet und die Kraft und Energie aus dem Sturz dämpft. Die Dämpfer werden dann manuell eingeklappt und sind wieder verwendbar, so dass das Smartphone auch vor dem nächsten Fall geschützt ist.

Start-up will Case marktreif entwickeln

Philip Frenzel ist für seine herausragende Bachelorarbeit mit dem bundesweiten Mechatronik-Preis 2018 ausgezeichnet worden.
Philip Frenzel ist für seine herausragende Bachelorarbeit mit dem bundesweiten Mechatronik-Preis 2018 ausgezeichnet worden. (Bild: Frenzel + Mayer Solutions)

Daher heißt das Produkt auch „AD Case“, „active damping“ oder „aktives Dämpfen“. Dafür wurde der 25-Jährige jetzt von der Deutschen Gesellschaft für Mechatronik e.V. mit dem bundesweit verliehenen Mechatronik-Preis 2018 ausgezeichnet. „Philip Frenzel zeigt in seiner Abschlussarbeit eindrucksvoll, wie ein wie ein Mechatronik-Ingenieur systematisch und zielgerichtet an eine Problemstellung herangeht und eine technisch umsetzbare und wirtschaftlich verwertbare Lösung entwickelt“, erklärt Prof. Dr. Rolf Biesenbach, Vorsitzender der Deutschen Gesellschaft für Mechatronik e.V., bei der Preisverleihung.

Neben seinem Studium hat Philip Frenzel gemeinsam mit Peter Mayer, einem Absolventen der Wirtschaftswissenschaften der Hochschule Aalen, ein Start-up gegründet, um sein „AD Case“ als Produkt auf den Markt zu bringen. Ihre Arbeitsräume hat die Frenzel + Mayer Solutions GbR im Innovationszentrum. Finanziert werden soll das Projekt durch Crowdfunding. Ab Juli gehen die beiden Gründer mit der Plattform Kickstarter online, das Video dazu haben sie in Eigenregie gedreht: „Die Anbindung an die Hochschule und die Unterstützung ist wirklich toll. Dadurch ist man nicht im luftleeren Raum und wir konnten uns hier durch das Equipment alles selbst erarbeiten.“

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