Elektroinstallation Manchmal entscheidet der Sheriff, was erlaubt ist
Selbst für Profis sind die Vorschriften für die Elektroinstallation im Anlagenbau in den USA verwirrend. Grund: Die Zertifizierungsvorschriften sind nicht nur komplex, sondern auch abhängig vom Aufstellungsort der Anlage. Emis Electrics übernimmt die Elektrotechnik für Fahrgeschäfte auch in den USA.
Anbieter zum Thema
„Die Vorschriften und Normen für die Installationstechnik sind in den USA teilweise von Bundesstaat zu Bundesstaat und von Stadt zu Stadt unterschiedlich“, weiß Rudolf Fleig, Projektleiter von Emis Electrics. „Es gibt Fälle, da entscheidet der lokale Sheriff.“ Und der besitze in der Regel kein Fachwissen. „Das macht es oft sehr schwer, die genauen Vorschriften eindeutig zu klären.“
Die Ingenieure von Emis Electrics kennen das Problem. Das Unternehmen mit Stammsitz in Lübbenau Spreewald (350 Mitarbeiter, 40 Mio. Euro Umsatz) hat sich als Komplettdienstleister Elektrotechnik von Maschinen und Anlagen auf der ganzen Welt spezialisiert.
Ein wichtiger Kunde ist die Firma Mack Rides GmbH in Waldkirch, Weltmarktführer für den Bau von Fahrgeschäften in Vergnügungsparks. Emis Electrics übernimmt für den Bau von atemberaubenden Achterbahnen, Wildwasser- und Geisterbahnen die komplette Elektrotechnik von der Planung bis zur Inbetriebnahme und Abnahme durch entsprechende Prüfinstanzen.
Kabel in Fahrgeschäften müssen höchsten Ansprüchen genügen
Dabei ist auf ein höchstes Maß an Sicherheit zu achten. Für den Einsatz in den verschiedenen Fahrgeschäften muss das Kabelmaterial vielfältigen Beanspruchungen standhalten: UV-Beständigkeit für die Verlegung im Freien, Eignung für Verlegung im Erdreich, im Wasser, im Kabelkanal, für Verlegung ohne Befestigung oder entlang von Konstruktionselementen. Außerdem müssen die Leitungen den mechanischen Beanspruchungen standhalten und die Installation muss EMV-gerecht sein.
Kabel und Leitungen müssen in den USA in Rohren verlegt werden
Während in Europa die Installation der Kabel und Leitungen in Gebäuden, Schaltschränken oder an Motorenanschlüssen offen durchgeführt wird, ist in den USA eine Verlegung in Rohren mit Einzeldrähten üblich. Die Verrohrung ist ähnlich einer Sanitärinstallation. Hierfür fehlt dem Europäer schlichtweg das Know-how und das Werkzeug. Diese Art der Installation ist extrem unflexibel und verlangt in der Anfangsphase der Planung detaillierte Verrohrungs- und Anschlusspläne mit exakten Maßen und Lage-Angaben der Klemmen im Schaltschrank.
Auch für den Aufbau der Leitungen gibt es genaue Vorschriften. Feldgeräte und Installationsmaterial müssen über die UL-Zulassungen verfügen. Für nahezu jede Einsatzart gibt es umfangreiche US-Normenwerke wie NEC, UL, NEMA, ASTM oder OSHA. Fleig: „Das Besondere daran ist, dass lokales Recht über dem Bundesrecht steht und es je nach Installationsort unterschiedliche Vorschriften gibt.“
Für eine NEC konforme Installation gibt es jedoch eine Lösungsmöglichkeit, die es erlaubt eine offene Kabelverlegung durchzuführen und die Nachteile einer Verrohrung zu vermeiden. Im Artikel 336 werden die Bedingungen für ein offen verlegbares Kabel (TC-Kabel) definiert.
Wer im europäischen Installationsstil arbeiten will, kann dies normenkonform nach US-Vorschriften nur mit TC-Kabeln wie ÖLFLEX® Tray II oder ÖLFLEX® Tray II CY realisieren. Dennoch empfiehlt es sich bei jeder Anlage vor der Planung und Installation mit den jeweiligen lokalen Genehmigungsbehörden Kontakt aufzunehmen. Fleig: „Die besten Ergebnisse werden erzielt, wenn der Endkunde oder das Installationsunternehmen bereit ist, an der Problematik mitzuarbeiten.“ So können bereits im Vorfeld spezifische Anforderungen geklärt und teure Verzögerungen bei der Inbetriebnahme vermieden werden.
*Rudolf Fleig ist Projektleiter der Emis Electrics, Lübbenau.
(ID:261953)