Modularisierung im Maschinenbau

Mal kurz raus – und dann schnell wieder rein

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Offene Schnittstellen sind gefragt

So streng letztlich die Anforderungen bei der Konzeption von Modulen vor allem bei den Schnittstellen und der Software sind und so eng das Korsett im Engineering angelegt ist: Modularisierung lohnt sich – vor allem bei Standardfunktionen. OEM tun deshalb gut daran, ihre Maschinen schlüssig in Funktionseinheiten zu zerlegen, weil sie nur so in der Lage sind, wiederkehrende Aufgaben mit einer Lösung aus der Schublade zu bedienen. Diese Vorgehensweise spart zum einen Zeit für die Entwicklung und Testläufe. Zum anderen sinkt die Fehlerrate, weil standardisierte Funktionseinheiten bereits fertig entwickelt und erprobt sind.

Maschinen schneller ausliefern

Diese Arbeitsweise spart also Zeit – was sich in sinkenden Kosten genauso widerspiegelt, wie in einer höheren Wettbewerbsfähigkeit, weil Maschinen schneller zur Auslieferung kommen. Lenze fördert diese effektive Arbeitsweise, indem die für die Maschinenmodule in Frage kommende Antriebs- und Automatisierungslösung ebenfalls funktional modularisiert und skaliert ist. Modularisiert wird auf drei Ebenen: Mechanik, Hardware und Software.

Modularisierung im Bereich der Hardware bedeutet im Wesentlichen, Technik in einem Baukasten bereitzuhalten, die sich möglichst fein skaliert miteinander kombinieren lässt, um die Nachteile der genannten Überdimensionierung zu begrenzen. Die Studie von Quest Techno Marketing belegt diese Aussage, indem die Mehrheit der Maschinenbauer Lieferanten bevorzugen, die eine komplette, skalierbare Angebotspalette bieten, sich dabei auf Standardkomponenten fokussieren und beim Support auch die anwendungsspezifische Anpassung von Hard- und Software erwarten. Der letzte Punkt macht klar, dass Software ebenfalls zur Modularisierung zählt, zumal laut der Studie 92 % der befragten Maschinenbauer Softwarelösungen als wichtigen Wettbewerbsvorteil ansehen.

Funktionen zu größeren Einheiten verbinden

Beispiele (siehe Kasten) zeigen, wo die Zukunft der Modularisierung hingehen wird – nämlich noch ganzheitlicher zu verknüpfen. Lenze arbeitet daran, Technologiefunktionen weiter zu größeren Funktionseinheiten zu verbinden. Auf diese Weise bilden dann antriebstechnische Einzeltechnologien im Verbund universell einsatzbare Maschinenmodule. Liegt der Fokus aktuell noch darauf, Motion-Control-Funktionen wie Kurvenscheiben, fliegende Sägen oder elektrische Welle als individuell anpassbare Standardbausteine ins Engineering zu integrieren, gehört bei Lenze die Zukunft den Maschinenmodulen. Gesprochen wird dann beispielsweise von fertigen Lösungen für ein Förderband, eine Siegelstation, einen kompletten Wickler oder einer Stanzeinrichtung.

Graben die Hersteller von Antriebs- und Automatisierungstechnik damit ihren Maschinenbaukunden durch die Ausweitung der Wertschöpfung mehr und mehr das Wasser ab? Natürlich nicht. Die Branche hat auf diese Weise auf jeden Fall die Möglichkeit – letztlich auch angesichts der Vorzeichen des Fachkräftemangels – aus der Not eine Tugend zu machen. Wenn bei der Modularisierung nämlich größer gedacht wird, öffnet sich der Weg, um zeitfressende Standardtätigkeiten einzusparen und damit mehr Luft zu haben, sich wirklich zu differenzieren. (ud)

SPS IPC Drives 2016: Halle 1, Stand 360

* *Kay Willerich ist Leiter Profit Center Controls bei der Lenze SE, Hameln.

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