Windenergie

Logistikkosten bei größeren Windkraftanlagen im Griff behalten

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Nordex kann nach Aussage von Logistikleiter Petzold immer mit relativ belastbaren Werten arbeiten, zumindest was die Abwicklung innerhalb Europas und die Ankunft des Schiffes im jeweiligen Bestimmungshafen angeht. Auf die einzelne Windanlage heruntergebrochen, erreichen die Logistikkosten in San Sostene immerhin den veritablen Wert von rund 200 000 Euro.

Im Detail entstehen Nordex die Frachtkosten in Europa für das Maschinenhaus und die Flügel, dann die Fahrtkosten in Sizilien für die Turmsektionen, die über 16 km vom Lieferanten in den Hafen transportiert werden müssen. Es fallen zwei Mal Kosten für die Seefracht an, für den Umschlag im italienischen Bestimmungshafen, für den Inlandstransport in Italien und für die allgemeine Baustellenver- und -entsorgung, die mit normalen Lkw passiert. Das sind Schaltschränke, Transformatoren, die Baustelleneinrichtung wird wieder heruntergefahren und Transportgestelle und sonstiges Leergut wieder zurückgebracht.

Die letzte Meile mit ihren regionalen Gegebenheiten verhagelt häufig die Transportkosten-Bilanz

Bisher alles Routinen, die Nordex im Griff hat. Dinge, die man mit bewährten Partnern erledigt, die sich auf die Nordex-Produkte haben einstellen können. Die wirklichen Probleme entstehen immer erst vor Ort. Haben die bisherigen Frachtkosten vielleicht 30% der Gesamtkosten ausgemacht, verschlingen die sogenannten „letzten Meilen“ bis zu 70 % der Gesamt-Transportkosten.

Bild 1 (siehe Bildergalerie) verdeutlicht, was man in der Transportlogistik unter „regionalen Gegebenheiten“ zu verstehen hat. Man muss erst einmal einen Dienstleister finden, der solche offensichtlich riskanten Transporte vertrauenswürdig durchführen kann.

Geschweige dass man erst einmal die Rahmenbedingungen schaffen muss, damit diese Transporte an Ort und Stelle überhaupt durchgeführt werden dürfen. Häufig muss streng formalen administrativen Kriterien Genüge getan werden, Genehmigungen sind zu bezahlen.

Mehr Transporte in der Summe können die kostengünstigere Alternative sein

Grundsätzlich verfolgt Nordex die Strategie, den sogenannten Triebstrang, also die drehenden Teile im Maschinenhaus (Bild 4), und den Rahmen (Grundträger) getrennt zu produzieren, zu transportieren und auch zu errichten. Wollte man beides als ein Stück transportieren, würde man das Maschinenhaus-Stückgewicht von 50 auf 90 t anheben.

Nordex hätte zwar einen Transport weniger, weil eine Komponente weniger separat transportiert werden müsste, trotzdem würden sich, auf dieses Projekt in Süditalien hochgerechnet, die Logistikkosten um 18000 Euro pro Anlage erhöhen. Oder wenn man im kalabrischen Bestimmungshafen Crotone darauf angewiesen gewesen wäre, die Rohrsektionen mit zwei Kränen zu entladen anstatt mit einem Kran und einem Haken an eine bis zu 25 m lange Rohrsektion heranzugehen, hätte das die Logistikkosten pro Anlage um 16000 Euro in die Höhe geschraubt. Nordex vertraut bei diesen Verbringungen beispielsweise auf Anschlagpunkte von Spanset, die einzigen Anschlagpunkte für Rohrsektionen, die laut Petzold schrägzugzertifiziert sind.

Fazit: Bei allem, was in der Tansportlogistik für Windkraftanlagen routiniert abgewickelt werden kann, spielen die Distanzen beinahe keine Rolle. Kostentreiber ist immer die „letzte Meile“, also der letzte Transportschritt in der Kette. Wenn ein Flügel zum Beispiel so lang ist, dass er nur von einem deutschen oder schwedischen Spezial-Trailer in Italien gefahren werden kann, dann gehen die Kosten schnell „durch die Decke“.

Bernd Maienschein ist Redakteur des MM Maschinenmarkt

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