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Nachwachsende Rohstoffe Kleidung, Möbel und Baustoffe, die aus Pilzen wachsen

Redakteur: Katharina Juschkat

Wissenschaftler der TU Berlin forschen an genmodifizierten Pilzkulturen, die Plastik, Leder und Baustoffe ersetzen könnten. Die nachwachsenden Rohstoffe sollen wesentlich ökologischer sein.

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Pilze wachsen schnell, brauchen wenig Wasser und CO2 und sind gut recycelbar: der Rohstoff der Zukunft?
Pilze wachsen schnell, brauchen wenig Wasser und CO2 und sind gut recycelbar: der Rohstoff der Zukunft?
(Bild: gemeinfrei / Pixabay )

Auf der Suche nach neuen Materialien forschen Biotechnologen der TU Berlin in dem Citizen-Science-Projekt „Mind the Fungi!” daran, aus Pilzkulturen Kleidung, Verpackungen und Baustoffe herzustellen. Hintergrund der Forschung ist, ökologische Alternativen zu finden, die nicht mehr auf Erdöl basieren, besser recycelbar sind und weniger Ressourcen in der Herstellung kosten.

Bereits 2017 sorgte der „Myco Tree“ für Aufsehen, eine Struktur aus Pilzmyzelium und Bambus, die als Beispiel dienen sollte, wie eines Tages Häuser aus Pilzen wachsen könnten. Der Myco Tree war ein Projekt des Fachgebiets „Nachhaltiges Bauen“ an der Fakultät für Architektur des KIT.

Pilze bieten uns heute die Chance, unsere erdölbasierte Wirtschaft in eine biobasierte umzuwandeln.

Prof. Vera Meyer, TU Berlin

Das neue Projekt leitet Prof. Vera Meyer, Leiterin des Fachgebietes Angewandte und Molekulare Mikrobiologie an der TU Berlin, die mit ihrem Team Pilzkulturen so modifiziert, dass man aus ihnen Textilien, Verpackungen und selbst Kleidung herstellen kann.

Wird Kleidung aus Pilzen akzeptiert?

Pilze sind längst Teil unseres Nahrungsalltags: Brot, Käse, Wein und Bier werden mit Hilfe von Pilzen hergestellt. So auch eine Vielzahl unserer Medikamente. Aber können wir uns auch vorstellen, auf Möbeln aus Pilzen zu sitzen, in Häusern aus ihnen zu wohnen oder Kleidung aus Pilzen zu tragen?

Auch dieser Frage will die TU-Biotechnologin nachgehen: An dem Citizen-Science-Projekt sind aktiv Bürger beteiligt, um unter anderem herauszufinden, wie groß die Akzeptanz solcher Stoffe für den alltäglichen Gebrauch wäre.

Pilze statt Plastik, Leder oder Rigips

Das Team um die Biotechnologin experimentiert mit verschiedenen, vielseitigen und nützlichen Pilzen. Auf nachwachsenden pflanzlichen Rohstoffen produziert der eine Pilz Enzyme und Zitronensäure, der andere Nahrungsmittel, ein dritter arbeitet als kleine Chemiefabrik bei der Produktion von Medikamenten. Nun werden jene Pilze erforscht, mit denen man Textilien, Möbel oder Verpackungen herstellen kann – der ideale Ersatz für erdölbasierte Materialien wie Plastik und Kunststoffe, für tierisches Leder und sogar für Baustoffe wie Rigips?

In den Bioreaktoren des Labors auf dem TIB-Gelände der TU Berlin im Wedding werden die Pilze kultiviert. Die Wissenschaftler und Wissenschaftlerinnen untersuchen das Erbgut der Pilze, analysieren deren Genome, die jeweils aus rund 10.000 verschiedenen Genen bestehen, und verändern diese gezielt durch gentechnische Methoden.

Nachhaltigere Herstellung als Baumwolle

Die Pilze werden auf Pflanzenabfällen und Biomasse wie Stroh, Holzspänen oder Flachs kultiviert. Daraus bildet sich dann im Laufe der Zeit ein fester Verbundstoff – ein reines Biomaterial, aus dem man Kleidung entwickeln, Möbel oder Häuserwände bauen kann. Diese emittieren beim Verbrennen weniger CO2, sind zudem weniger entflammbar und nach Gebrauch kompostierbar. Und auch die Herstellung ist nachhaltig: Circa 10.000 Liter Wasser verbraucht die Produktion von einem Kilo Baumwolle. Die gleiche Menge Textil aus Pilzen benötigt theoretisch nur 100 Liter.

Ob die Theorie der Praxis standhält und über einen besseren CO2-Fußabdruck verfügen als herkömmliche Materialien und Produkte, analysiert das TU-Fachgebiet „Sustainable Engineering“ von Prof. Matthias Finkbeiner.

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