Messenachbericht Innotrans

Innotrans 2012 mit Rekordbilanz

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Premieren-Feuerwerk

104 Weltpremieren wurden auf der Fachschau in Berlin präsentiert. Die Produktpalette reichte von neuen Fahrzeugen über moderne Gleistechnik bis hin zu innovativen Kommunikationssystemen. Hier eine kleine Auswahl:

ABB Railway: Der neue Traktionstransformator PETT (power electronic traction transformer) von ABB Railway ist dank Leistungselektronik kleiner und leichter als konventionelle Modelle. Er erhöht die Energieeffizienz des Zuges und basiert auf einer innovativen Multilevel-Umrichtertopologie. Dabei kommen IGBT-Leistungs-Halbleiter (insulated gate bipolar transistor) sowie Mittelfrequenz-Transformatoren zur Anwendung. Sie ersetzen konventionelle Transformatoren-Gleichrichter-Kombinationen. Der Mittelfrequenz-Transformator reduziert zudem den Geräuschpegel.

Als Teil einer langfristigen Partnerschaft zwischen den Schweizerischen Bundesbahnen und ABB befindet sich derzeit eine Pilotinstallation eines PETT in einer Rangierlokomotive im Testeinsatz. Diese ist im Genfer Hauptbahnhof stationiert und wird dort sowohl im 15-kV-Wechselstrom- wie auch im 1,5-kV-Gleichstrom-Netz betrieben. Der eingesetzte PETT hat eine Nennleistung von 1,2 MW und kann kurzzeitig bis 1,8 MW liefern.

ASCI Systemhaus: Effiziente Steuerung von Unternehmensprozessen Mit RailDISPO können Eisenbahn-Verkehrsunternehmen effizient steuern, wie sie unter optimaler Nutzung vorhandener Ressourcen ihre Verkehrsleistungen effektiv erbringen. Diese webbasierte Management-Software und Telematik-Lösung beinhaltet die Auftragsbearbeitung, grafische Personal- und Fahrzeugdisposition sowie die Abrechnung.

Neue Anforderungen wurden in der Version 2012 konsequent berücksichtigt. Das betrifft Verbesserungen in der Personalplanung wie die Disposition und Darstellung der Dienste. Dadurch vereinfacht sich die Zuweisung von Ruhe- oder Bereitschaftstagen. Die neue Java-basierte Client-Anwendung ermöglicht eine dezentrale Nutzung und einen dezentralen Zugriff auch bei zwischen On- und Offline-Zustand wechselnden Bedingungen.

Der E-Mail-Versand erfolgt jetzt automatisch, beispielsweise die Übermittlung von Fahrberichten mit Zeiten, Fahrzeug- und Zugdaten. RailDISPO ist ein Kooperationsprojekt der MIB Ingenieurgesellschaft für Verkehrssysteme mbH und der ASCI Systemhaus GmbH und wurde teilweise durch das BMWi gefördert.

AUCOTEC: Die Komplettlösung von AUCOTEC ist in der Lage, alle elektrotechnischen Anforderungen rund um das Thema Schienenfahrzeuge mit nur einer Software abzubilden. Die Software-Plattform Engineering Base (EB) sammelt in einer zentralen Datenbank sämtliche Informationen zu den Projekten – auch disziplinübergreifend – und stellt sie für den Zugriff aller Beteiligten bereit.

Das System wird den Anforderungen sowohl der Schienenfahrzeugtechnik als auch der Bereiche Signale, Energieversorgungs- und Kommunikationstechnologie mit ihren speziellen Ausprägungen gerecht. Nur mit EB ist es laut Entwickler möglich, das gesamte technische Datenmanagement in einem System zu vereinen, ohne Schnittstellen, Systemübergänge und doppelte Datenpflege. Änderungs-Anmerkungen erscheinen direkt an den aktuellen Daten, die auch die Konstrukteure sehen und sie sofort in die As-built-Dokumentation einarbeiten können.

Über die sichere Private Cloud-Nutzung lässt sich diese Dokumentation auch von mobilen Geräten aus direkt bearbeiten.

Bombardier Transportation: Mehr Flexibilität auf der Schiene. Erstmals präsentiert Bombardier Transportation auf der InnoTrans 2012 eine TRAXX F140 Diesel Multi-Engine-Lokomotive und eine TRAXX AC Wechselstrom-Lokomotive mit ergänzendem Dieselmotor. Die TRAXX F140 DEME ist für den europaweiten lokomotivbetriebenen Güter- und Personenverkehr ausgelegt. Dank der vier Hochleistungs-Industrie-Dieselmotoren anstelle eines Diesel-Aggregats ergeben sich für die Betreiber erhebliche Vorteile.

Die Lok erfüllt die neuen, strengen EU-Abgasnormen der Stufe IIIB. Zudem bietet sie im Vergleich zu einer Einmotoren-Maschine einen deutlich geringeren Kraftstoffverbrauch sowie niedrigere Abgasemissionen und Lebenszykluskosten. Die TRAXX AC mit Last Mile Diesel ermöglicht Betreibern flexibleren Verkehr auf der Schiene, da sie den üblichen Lokwechsel in Rangierbereichen wie Systemwechsel-Bahnhöfen, Terminals, Häfen oder Werksgeländen überflüssig macht. Die letzten Schienenmeter sind in der Regel nicht elektrifiziert und deswegen mit Rangierlokomotiven zu überbrücken. Dies ist mit der neuen TRAXX AC-Lok nicht mehr nötig.

Cellofoam: Um die neue Produktgruppe Cello DRAIN hat Cellofoam seine speziell für den Schienenfahrzeugbereich entwickelte Produktfamilie F800 FR erweitert. Damit bietet der Aussteller ein Schallschutz-Produkt für Wand- und Bodenbereiche in Schienenfahrzeugen, das Kondenswasser ungehindert abfließen lässt und dadurch Staunässe vermeidet. Cello DRAIN besteht aus einem brandfesten PES-Vliesstoff – optional mit öl- und wasserabweisenden Eigenschaften – sowie einem biege-flexiblen Abstandgelege, das die Drainagefunktion übernimmt. Somit kann Kondenswasser ungehindert in alle Richtungen abfließen und eine Durchnässung des Absorbermaterials wird verhindert.

Auf Wunsch lässt sich Cello DRAIN mit einer Aluminiumfolie als Oberfläche ausstatten, um das Eindringen von Schmutz und Flüssigkeiten zu verhindern und um höchsten hygienischen Ansprüchen zu entsprechen. Diese Kombination mit Aluminiumoberfläche erfüllt nach den neuesten Brandvorschriften gemäß CEN/TS 45545 die Anforderungen der Klasse HL-3 für R1-Materialien.

CORYS T.E.S.S.: Eine neuartige Zugfahr-Simulationstechnologie präsentiert CORYS erstmals auf der InnoTrans 2012. Der Aussteller aus Frankreich verfügt über mehr als 600 Zugfahrsimulatoren, die weltweit betrieben werden. 2011 schloss das Unternehmen ein großes Forschungs- und Entwicklungsprojekt ab, um sein aus computergenerierten Bildern (CGI) bestehendes Gleis-Bildmaterial auf neueste seriöse Gaming-Technologie zu übertragen. Verglichen mit der vorherigen Generation von CGI-Systemen, bietet die neue Lösung von CORYS mehrere Vorteile wie dreimal mehr Leistung, über eine Million Polygone pro Bild, mehr Objekte, mehr Details, bessere visuelle Darstellung sowie unzählige Spezialeffekte.

Diese höhere Leistung führt hinsichtlich des Lehrprozesses beim Fahrtraining zu folgenden Ergebnissen: Realistischere visuelle Datenbanken und damit größere Akzeptanz des Fahrers im Laufe des Trainings und der Auswertung, realistischere Fahrsituationen wie Nachtfahrten sowie bessere Einschätzbarkeit von Distanzen und damit bessere Erkennung von Signalen.

DB Systel: Eine erstmals auf der Innotrans 2012 von DB Systel vorgestellte Gesamtlösung erlaubt das realitätsgetreue und dreidimensionale Visualisieren von Geo- oder Infrastrukturdaten. Dabei werden Realdaten aus anderen Anwendungen übernommen, umgewandelt und komprimiert. Die Visualisierung ermöglicht es, sich am Rechner sowohl durch Verkehrsstationen und entlang der Gleise als auch durch eine Großbaustelle zu bewegen. Damit sind Betriebsabläufe in der Instandhaltung, Arbeitsprozesse beim Umschlag von Gütern oder Reisendenströme im Bahnhof simulierbar.

Auch ein hochkomplexes Infrastrukturprojekt kann in seiner Gesamtheit erfasst und für Projektbeteiligte, Entscheider oder Anwohner sichtbar gemacht werden. Planungsfehler können unmittelbar erkannt und Kommunikation und Abstimmung erleichtert werden. Die flexible Gesamtlösung reicht dabei von der Beratung über Datenbeschaffung und -veredelung, über die Schnittstellen zu den Datenquellen bis hin zur Bereitstellung der Software.

ebm-papst Mulfingen: Die energieeffizienten RadiCal-Ventilatoren in 110-VDC-Ausführung für bahntechnische Anwendungen präsentiert ebm-papst auf der InnoTrans 2012. Das neu entwickelte Kunststoff-Laufrad wird in einem Stück gefertigt und verfügt über einen der Natur nachempfundenen Strömungskanal. Es ist sehr leistungsfähig und mechanisch sehr widerstandsfähig.

Die neuen Ventilatoren basieren auf der RadiCal in GreenTech EC-Technologie und zeichnen sich durch zahlreiche Vorteile aus: einen hohen Wirkungsgrad, leises Laufverhalten, stufenlose Drehzahlsteuerbarkeit und außergewöhnliche Kompaktheit. Auf der Motorenseite garantiert ein verbessertes Motorwärme-Management den hohen Wirkungsgrad und gewährleistet zudem einen hohen IP-Schutz. Neben der ausgezeichneten Effizienz und Akustik bieten die Ventilatoren den Vorzug der einfachen und schnellen Integration in das lufttechnische Gerät. Sie stellen somit für den Kunden eine ideale Systemlösung dar. Die RadiCal-Laufräder sind in Durchmessern von 190 bis 355 Millimeter verfügbar.

FAIST Anlagenbau: Mit dem neuen FAIST Rail-System hat der Krumbacher Anlagenbauer einen hochwirksamen und optisch ansprechenden Schallschutz für Eisenbahnstrecken nach RIL 804.5501 entwickelt. Das System erhielt die Zulassung TM 2011-278I.NVT4 der DB Netz AG für Hochgeschwindigkeitsstrecken mit v = 300 km/h. Basis hierfür ist eine Konstruktion, die sich deutlich von den bisher verfügbaren Lärmschutzwänden unterscheidet.

Zu den entscheidenden Vorteilen des neuen Systems zählt, dass die Elemente aus Aluminium gefertigt werden und selbsttragend sind, also keinen zusätzlichen Rahmen benötigen. Diese Konstruktionsweise spart Ressourcen, denn die Elemente können in einer Länge von zwei bis fünf Metern ausgeführt werden. Dies ermöglicht große Pfostenabstände und erleichtert die Montage des Systems.

Das FAIST Rail-System weist eine sehr gute schall-schluckende Wirkung auf. Es erreicht einen Schalldämmwert von 31 Dezibel nach DIN EN ISO 717 und einen Absorptionsgrad von 14 Dezibel.

MöllerWerke: Die in Bielefeld ansässigen MöllerWerke entwickeln und produzieren unter dem Markennamen möllerbalg Fahrmotor-Belüftungsbälge. Auf der Innotrans 2012 präsentiert die Firma erstmals ihre neueste Balgausführung. Zu den Vorzügen gehört der mehrschichtige, selbstentwickelte Materialaufbau aus Silikon-Nomex-Gewebe.

Die definierten stabilen Falten gewährleisten einen bestimmten Bewegungsablauf des Balges. Die Außenkontur ist absolut geschlossen und weist keine Nahtstellen auf, wie dies bei konventionellen Fahrmotor-Belüftungsbälgen sonst üblich ist. Dies wird durch die abschließende Vulkanisation erreicht. Weitere Vorteile bestehen in der Gasdichtheit sowie in der Überdruckstabilität auch bei größeren Innendrücken durch Außenringe im Faltengrund.

Zudem sind die neuen Bälge sehr verschleißfest, unempfindlich gegen Schläge von außen, chemisch beständig und sie besitzen eine hohe Standzeit

Vossloh Fastening Systems: Vossloh Fastening Systems, namhafter Anbieter von elastischen Befestigungssystemen, präsentiert auf der Innotrans 2012 erstmals seine neueste Entwicklung für Schienenbefestigungen: cellentic.

cellentic ist ein hochelastisches mikrozellulares Ethylene Propylene Diene Monomer (EPDM) Elastomer. Es lässt sich in Form von Zwischenlagen oder Zwischenplatten in die verschiedenen Befestigungssysteme von Vossloh integrieren. Dank seiner geschlossen-porigen Struktur begrenzt das hochelastische Lagersystem effizient und dauerhaft die Einleitung von Erschütterungen in den Unterbau und optimiert so nachhaltig den Gleisoberbau.

ZF Friedrichshafen: Die ZF-RailFlex ist eine neu entwickelte Fadenverbundkupplung für die Anwendung in elektrisch angetriebenen Zügen. Die Kernidee dieser Kupplung liegt in konzentrisch angeordneten Fadenpaketen, die aus einzelnen Aramid-Fäden gewickelt sind. Eingebettet in Elastomer, gewährleisten sie zuverlässig die Übertragung von Drehmomenten und sorgen für den Ausgleich von Versätzen zwischen Motor und Getriebe.

Die dämpfenden Eigenschaften der ZF-RailFlex verhelfen dem gesamten Bahnantrieb zu höherer Lebensdauer und geringem Serviceaufwand. Beim ZF-Metrogetriebe gleitet ein neuartiger Druckkamm auf einem Ölfilm und nimmt alle axialen Kräfte auf. Damit können die Lager einstellungsfrei konstruiert werden. Nebeneffekt: Die Lagertemperatur liegt nur zwei Grad Celsius über der Ölsumpftemperatur – das bedeutet längere Lebensdauer – und beim Service entfällt die Einstellarbeit.

Seit fast 20 Jahren hat ZF diese Technik erfolgreich im Automotivbereich im Einsatz. Jetzt können auch Schienenfahrzeuge von diesen Vorteilen profitieren. (Nach dem Umblättern: Stimmen zur Innotrans 2012)

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