Hochdruckprüfung Hydraulischer Hochdruck von 25.000 bar erreicht
Dem Hochdruckspezialisten Maximator mit Sitz in Nordhausen ist in Kooperation mit der Materialforschungs- und -prüfanstalt Weimar an der Bauhaus-Universität Weimar (MFPA) und der Siegert Thinfilm Technology GmbH ein technologischer Quantensprung gelungen: Es wurde ein Druck von über 25.000 bar erzeugt.
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Die strengen Anforderungen der EURO-6-Norm, die für Lastkraftwagen im September 2014 und für Personenkraftwagen im September 2015 eingeführt wird, stellen Fahrzeughersteller vor erhebliche Herausforderungen. Dieselmotoren müssen hierfür grundlegend neu konzipiert werden, um den Effizienz-Standards der neuen Norm zu genügen. Nur durch eine signifikante Erhöhung des bei der Zerstäubung des Kraftstoffes eingesetzten Drucks kann der Wirkungsgrad der Aggregate hinreichend gesteigert werden. Das setzt eine entsprechende Hochdruckprüfung voraus.
Anforderungen an die Prüftechnik
Die Höchstgrenze des Kohlendioxidausstoßes, die zur Einhaltung der EURO-6-Norm festgelegt wurde, macht es im Bereich der Dieselmotoren erforderlich, den Dieseleinspritzdruck von 2.000 auf 3.000 bar zu erhöhen. Für einen Betriebsdruck von 3.000 bar müssen die Dieseleinspritzkomponenten (wie Common Rail, Hochdruckpumpe, Injektoren, Leitungen, etc.) vorab einer Impulsprüfung mit bis zu 7.000 bar unterzogen werden. Zur Steigerung der Festigkeit innendruckbelasteter Bauteile hat sich seit ca. zwei Jahrzehnten das Verfahren der Autofrettage etabliert. Derzeit serienmäßig zur Anwendung kommende Autofrettagedrücke bis ca. 15.000 bar müssen in Hinblick auf die erforderliche Erhöhung der Einspritzdrücke bis 3.000 bar erheblich gesteigert werden. Dies stellt für die Weiterentwicklung der Prüf- und Serienautofrettagetechnik eine völlig neue Herausforderung dar.
Prüfstandkonstruktion an der Grenze des Machbaren
Für den Bau eines Druckübersetzers – der Komponente, die den Hochdruck erzeugt – müssen verschiedene Bauteile miteinander verbunden werden. Nach heutigem Stand der Technik ist ein Schrumpfverband die einzige Möglichkeit solchen Drücken stand zu halten. Um die Grenzen des Machbaren zu verschieben, testete die MFPA mit der Maximator eine Vielzahl von hochfesten Stählen. Die Hauptanforderungen, die an diese Werkstoffe gestellt wurden, waren eine hohe Festigkeit bei einer ausreichenden Zähigkeit. Um diese Anforderungen erfüllen zu können, müssen die verwendeten Materialien einen hohen Reinheitsgrad haben, der durch Vakuuminduktionsverschmelzung und nachfolgendes Umschmelzen unter Vakuum bzw. Schutzgas erreicht wird. Es wurden Stähle gefunden, die sich durch die Kombination mit Hartmetallteilen für die Höchstdruckerzeugung eignen.
Ideales Hochdruckfluid, Prüfung von Sensorkonzepten
Der extreme Druck erfordert besondere Fluide, die unter den Bedingungen der Prüfanlagen ihre physikalischen Eigenschaften behalten. Durch zahlreiche Versuchsreihen konnte im Rahmen dieses Projektes ein Hochdruckfluid identifiziert und freigefahren werden, das selbst bei den extremen Drücken eine ausreichende Fließfähigkeit aufweist.
Für die ausgangsseitige Messung des erzeugten Höchstdrucks hat die Firma Siegert TFT zwei Höchstdrucksensor-Konzepte geprüft. Einer dieser Sensoren basiert auf einer neuartigen, hochempfindlichen Dünnschichtdehnmessstruktur aus einem Kompositwerkstoff aus Nano-Nickel-Clustern und graphenartigem Kohlenstoff. Die hohe Empfindlichkeit der Schicht erlaubt eine hochlastfeste Bauteilauslegung des Sensormesskörpers, wodurch die Stabilität gegen so hohe Drücke erst erreicht werden konnte. Alternativ wurde ein Konzept für einen membranlosen Sensor entwickelt. Auf einem Keramik-Grundkörper, der den hohen Drücken problemlos standhält und der mit hauchdünnen Drähten durchkontaktiert ist, wird eine isostatisch druckempfindliche Schicht zur Signalgenerierung genutzt. Bei der Prüfung der Konzepte konnte festgestellt werden, dass die Messtechnik sehr nahe an den geforderten Druck herankommt.
Auswirkungen der entwickelten Technologie
Grundsätzlich sind die Marktreife sowie die Überführung einzelner Technologien aus dieser Entwicklung in etwa einem halben Jahr darstellbar. Dies würde bedeuten, dass Maximator die Autofrettage mit den möglichen Höchstdrücken als Dienstleistung in ungefähr eineinhalb Jahren anbieten kann. Durch die verbesserte Zerstäubung des Kraftstoffes und die dadurch ansteigende Oberfläche wird es möglich sein, mindestens einen Liter Diesel auf hundert Kilometer zu sparen. Alternativ wäre bei gleichem Kraftstoffverbrauch eine deutlich höhere Performance der Motoren realisierbar. In welche Richtung der Trend geht, entscheidet sich dann seitens der Käufer. (qui)
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