Kunststoff-Metall-Verbund Hinterspritzen von Metallfolien zur Realisierung von hochwertigen Oberflächen

Redakteur: Dipl.-Ing. Dorothee Quitter

Zunehmend werden Metalle durch Kunststoffe ersetzt. Wo eine gänzliche Substitution nicht möglich oder erwünscht ist, kommen Materialkombinationen ins Spiel. So auch bei Echtmetalloberflächen mit Cool-Touch-Haptik. Hier werden Metallfolien im Spritzguss mit Kunststoffen verbunden.

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Der Kunde stellt an das gekaufte Produkt eigentlich kontroverse Anforderungen. Es soll leicht, klein, funktional und auf der anderen Seite natürlich hochwertig sein. Leider fällt die subjektive Bewertung des Kunden bezüglich einer reinen Kunststoffoberfläche oftmals negativ aus. Daher werden Kunststoffbauteile, die bspw. im Fahrzeuginterieur eingesetzt werden, oftmals lackiert, galvanisiert oder durch Folienhinterspritzung realisiert, um nur einige Verfahren zu nennen. Galvanische Schichten vermitteln dem Betrachter eine Echtmetalloberfläche, die optisch hochwertig ist. Nachteilig sind die geringen Schichtdicken, die eine geringe Wärmeableitung besitzen und somit dem „Betrachter“ beim Berühren keinen Cool-Touch-Effekt vermitteln. Dieser ist jedoch notwendig, um dem Kunden eine Echtmetalloberfläche inklusive der gewünschten Haptik zu bieten.

Erreichbar ist dieser erst ab einer höheren, spezifischen Schichtdicke, die vom jeweils eingesetzten Werkstoff abhängig ist. Größere Schichtdicken lassen sich schon allein auf Grund wirtschaftlicher Aspekte nicht durch einen galvanischen Prozess abbilden, so dass es nahe liegt metallisches Bandmaterial mit einem Kunststoffbauteil zu kombinieren. Diese Kombination wird oftmals, bspw. im Fahrzeuginterieur, durch einen Klebe- bzw. Fügeprozess realisiert, welcher neben dem Spritzguss einen zusätzlichen Schritt erfordert. Die Integration des Fügevorganges in den Spritzgussprozess wurde zum Beispiel bei Frontend-Partien im Automotivebereich umgesetzt. Der hier oftmals eingesetzten Konstruktionen basieren auf einem formschlüssigen Verbund, welcher durch Durchbrüche in der Metallkomponente erzeugt wird. Dies hat zur Folge, dass die Durchspritzungen am Bauteil optisch meist erkennbar sind. Überdies können in den Spalt zwischen den chemischen inkompatiblen Fügepartnern Medien eindringen, die über den Produktlebenszyklus zu einer Spaltkorrosion führen können, was zu einem frühzeitigen Versagen des Bauteils führt.

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