Gleitlager Gleitlagermaterialien auf Polymerbasis mit eingearbeitetem Festschmierstoff

Autor / Redakteur: Dipl.-Ing. (TU) Carola Rowa / Karl-Ullrich Höltkemeier

Flexibilität ist Trumpf. Das gilt nicht nur für das tägliche Leben, auch altbekannten Konstruktionselementen wird heute aufgrund von Kostendruck und steigenden Anforderungen an Material- und Energieeffizienz mehr abverlangt. Dies gilt selbstverständlich auch für Gleitlager. Gelingt es, ein Gleitlager konstruktiv geschickt abzuändern, so kann das Gleitlager mehrere Funktionen übernehmen, wodurch im Lagersystem weitere Bauteile und damit Kosten und Gewicht eingespart werden.

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Der Gleitlagerhersteller GGB, ehemals Glacier Garlock Bearings, mit Sitz in Heilbronn bietet mit der erweiterten EP-Reihe eine Serie von wartungsfreien Gleitlagermaterialien, welche auf Polymerbasis mit eingearbeitetem Festschmierstoff sowie Zusätzen, welche die Abriebfestigkeit steigern, aufgebaut sind. Da Polymermaterialien im Spritzgussverfahren verarbeitet werden, sind der Phantasie in Bezug auf die Formgebung kaum Grenzen gesetzt und Zusatzfunktionen sowie Spezialformen können ohne großen Aufwand realisiert werden.

Über den gesamten Querschnitt haben Teile aus den EP-Materialien einen homogenen Aufbau, wodurch die Kenngrößen Reibung und Verschleiß über die Lebensdauer konstant bleiben.

Die Polymerbasis bringt bereits Vorteile wie niedriges spezifisches Gewicht sowie hohe Chemikalienbeständigkeit mit und ist unempfindlich gegen Kantenlasten und Schmutz. Die Vielzahl der eingesetzten Basismaterialien gewährleistet für jeden Temperaturbereich ein passendes Material, vom POM-basierten EP12 bis zum PAI-basierten EP73 kann die gesamte Bandbreite der Umgebungsbedingungen abgedeckt werden.

Konstruktive Lösungen, mit welchen Gleitlager optimiert werden können.

Neben den einfachen Bauformen zylindrische Gleitlagerbuchsen, Anlaufscheiben und Bundbuchsen, welche durch Einpressen in ein Gehäuse montiert werden, sind auch Spezialformen wie Doppelbundbuchsen, welche auf beiden Seiten Anlauffläche bieten, Buchsen mit konischen Flächen und Kalottenlager, mit welchen Pendelbewegungen der Welle aufgenommen werden können, erprobte Konstruktionselemente. Darüber hinaus sind die Materialien zu Gleitsteinen, Gleitschuhen oder Gleiteinlagen in beinahe jeder denkbaren Form und Abmessung herstellbar.

Dort wo keine Presspassung möglich oder gewünscht ist, beispielsweise wenn Kunststoff-gehäuse zum Einsatz kommen, können Gleitlager mit entsprechendem Formschluss notwendig sein. Konstruktiv bedeutet das, es muss entweder eine Verdrehsicherung mit Hilfe von Stegen oder Abflachungen am Gleitlagerdurchmesser oder an der Bundfläche angebracht werden, welche radiale Bewegung der Teile verhindern oder es muss eine axiale Fixierung über eine Ringnut oder eine –wulst stattfinden.

Weitere Anwendung eines Formschlusses sind Clipsverbindungen, die vor allem den Montageaufwand reduzieren. Sollen weite Toleranzen an Wellen ausgeglichen werden, so ermöglichen spitz zulaufende Stege, dass ein Lagersystem vorgespannt wird oder das Spiel im System so reduziert wird, dass Klappergeräusche verhindert werden.

Stangenhalbzeuge für Prototypen erhältlich

Zusätzlich zu den im Spritzguss hergestellten Gleitlagern bietet GGB die Kunststoff-Compounds EP22, EP43 und EP63 auch als extrudierte Vollstäbe an, aus denen Prototypen oder Kleinserien nach Kundenwunsch gefertigt werden können. Diese über ein Meter langen Halbzeuge sind in Durchmessern von 10, 20 oder 30 Millimetern lieferbar.

Solche technischen Kunststoffe erlauben es Funktionen in Gleitlager zu integrieren, die mit herkömmlichen Verformungsverfahren nicht möglich sind. Um beispielsweise Kantenbelastungen zu vermeiden, können axiale sphärische Kontaktoberflächen ohne Nachbearbeitung in Serie produziert werden. Mit diesem Verfahren hergestellte Gleitlager sind wartungsfrei, selbstschmierend, bleifrei und entsprechen der Richtlinien PAK (Polyzyklischer Aromatischer Kohlenwasserstoff) und RoHS (Richtlinie zur Beschränkung der Verwendung bestimmter gefährlicher Stoffe in Elektro- und Elektronikgeräten).

Dipl.-Ing. (TU) Carola Browa, Product Engnieer Solid Polymer Applied Technology, GGB Germany, Heilbronn

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