Die Firma Gleam fertigt Cargo-E-Bikes „Made in Austria“ mit patentierter Neigetechnik, die sich fahren wie normale Fahrräder.
Das Lastenrad Escape mit Transportbox auf der Ladefläche.
(Bild: Gleam)
Das österreichische Start-up Gleam stellt Multi-Use-Bikes her, die eine Besonderheit aufweisen: Dank ihrer dynamischen Neigetechnologie ermöglichen es die Cargo-E-Bikes, dass die Ladung in Balance bleibt, selbst wenn Verkehrshindernisse überwunden werden. Auf die Ladefläche können verschiedene Aufbauten gesetzt werden. So kann der Handwerker tagsüber Werkzeug und Material transportieren und nach Feierabend seine Kinder im Bike mitnehmen.
Als Gleam-Gründer Mario Eibl 2010 mit einem Wiener Kurier in Kontakt kam, der auf der Suche nach einem Fahrzeug für seinen Arbeitsalltag war, wurde die Idee zum Cargo-E-Bike geboren. Eibl, selbst leidenschaftlicher Radfahrer, gründete ein Start-up und entwickelte das Bike in mehreren Forschungs- und Entwicklungsprojekten bis ins kleinste Detail. 2020 wurde die Produktion in den Niederlanden in einer Smart-Factory gestartet und 2022 nach Österreich verlagert.
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„Unsere Produktion haben wir nach Österreich geholt, weil wir gerne alles an einem Standort haben wollten und so ein Produkt mit dem Prädikat ‚Made in Austria‘ anbieten können“, erklärt Eibl. Neben der Produktion werden am Standort in Wien auch Produktentwicklung und Servicetätigkeiten durchgeführt. Mit dem Cargo-E-Bike will das Wiener Start-up die städtische Mobilität unabhängiger von Autos machen.
In den Cargo-E-Bikes setzt das Unternehmen verschiedene Gleitlager von Igus ein. „Ich kannte diese Gleitlager noch von meinem ersten Job im Maschinenbau. Als es dann an die Konstruktion unseres E-Bikes ging, haben wir von Anfang an auf Iglidur-Gleitlager gesetzt. Es gibt einfach Dinge, die man mit Metallgleitlagern nicht umsetzen kann“, konstatiert Eibl. Die passenden Gleitlager für das Cargo-E-Bike waren schnell gefunden. Eibl informierte sich auf der Website des Lagerherstellers, welche Gleitlager für seinen Anwendungsfall infrage kämen, bestellte und testete diese und war vom Ergebnis überzeugt.
Patentierte Neigetechnik für komfortables Fahrgefühl
Das besondere Fahrerlebnis der Cargo-E-Bikes entsteht durch die patentierte Neigetechnik und Federung. Sieben Jahre wurden in die Entwicklung der Kerntechnologie der Lastenrads investiert: Die sogenannte Unique Dynamic Tilting Technology (DTT) ermöglicht ein Fahrgefühl wie bei einem normalen Fahrrad.
Der Fahrer kann sich, wie bei anderen Rädern, in die Kurve legen und wird nach der Kurvenfahrt durch die DTT wieder in die aufrechte Lage gebracht. Hindernisse auf der Straße werden dank der Technologie problemlos überwunden. Stellt man das Rad ab, kann die Neigetechnik mit einer Verriegelung außer Kraft gesetzt werden und das Bike steht aufrecht.
Durch die Vollfederung des Cargo-E-Bikes bleibt die Last auf der Ladefläche in der Waagerechten und wird geschont, selbst wenn man mit einem der beiden Hinterräder einen Bordstein hochfährt oder auf Kopfsteinpflaster unterwegs ist. Die Neigungstechnologie gleicht solche Unebenheiten einfach aus. „Sowohl in der DTT, der Verriegelung als auch in der Federung setzen wir Iglidur-Gleitlager ein. Die Gleitlager sind langlebig und dämpfen Vibrationen ab. Das ist ideal für den Einsatz in unseren Lastenrädern“, stellt Eibl fest.
Für wen sind diese Lastenräder interessant?
98 Prozent aller Gleam-Kunden sind B2B-Kunden. Dazu zählen etwa Handwerker und Lieferdienste, die auf ein funktionierendes Fortbewegungsmittel angewiesen sind. Aus diesem Grund war es für das Start-up besonders wichtig, ein robustes und zuverlässiges Fortbewegungsmittel anzubieten. „Unsere Kunden haben die Räder acht bis zwölf Stunden pro Tag im Einsatz und fahren bis zu 40.000 Kilometer im Jahr“, erläutert Eibl. Darum ist das Rad so konstruiert, dass es im Vergleich wartungsarm ist, ähnlich wie ein Auto.
„Dass die Gleitlager weder Schmierung noch Wartung benötigen, ist für den Einsatz in unseren Cargo-E-Bikes ideal. Die funktionieren selbst bei Regen, Schmutz und Salz zuverlässig, ohne dass man sie schmieren muss“, sagt Eibl.
Alexander Welcker, Branchenmanager für die Fahrradindustrie bei Igus, ergänzt: „Unsere Gleitlager setzen sich aus vier Bestandteilen zusammen: Basispolymere, Fasern, Füllstoffe und Festschmierstoffe. Die Festschmierstoffe vermindern die Reibung und werden in winzigen Mengen freigesetzt. Das reicht aus, um die Lagerstelle zu schmieren und die Wartung der Lagerstelle überflüssig zu machen.“
Stand: 08.12.2025
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So viel Last transportiert das Cargo-E-Bike
Das Cargo-E-Bike von Gleam transportiert 200 Kilogramm Last inklusive Fahrer. Der Elektromotor unterstützt bis 25 km/h. Somit ist das E-Bike auch für Radwege zugelassen. Das Fahrrad verfügt außerdem über ein flexibles Aufbausystem: Verschiedene Aufbauten können auf die Ladefläche gesetzt werden und sind mit zwei Handgriffen befestigt. So gibt es beispielsweise eine Transportbox nach Maß, die extra für Personen entwickelt wurde, die das Bike zum Arbeiten nutzen. Oder einen Aufbau speziell für die Freizeit, mit dem bis zu zwei Kinder oder Einkäufe transportiert werden können. „Die Aufbauten lassen sich jederzeit tauschen. Das macht es unseren Kunden möglich, das Bike nach der Arbeit auch für Freizeitaktivitäten zu nutzen“, so Eibl weiter.
Was ist Iglidur?
Seit 1983 entwickelt Igus eigene Werkstoffe, die sich Iglidur nennen. Das Unternehmen verwendet dabei bestimmte Polymere. Ihre spezielle Zusammensetzung macht sie äußerst verschleißfest, belastbar und selbstschmierend. Ihre Lebensdauer lässt sich zudem exakt bestimmen: Dazu bietet der Hersteller das kostenlose Onlinetool Iglidur Expertensystem 3.0 an, mit dem jeder die Lebensdauer für seine Anwendung ermitteln kann. Eingesetzt werden die Gleitlager nicht nur in Fahrrädern, sondern zum Beispiel auch in Baumaschinen, in der Lebensmittelindustrie oder der Medizintechnik.
„Unsere Kunden sind vom Fahrverhalten unseres Cargo-E-Bikes begeistert. Trotzdem wollen wir die Benutzerfreundlichkeit und Funktionalität unseres Bikes noch weiter verbessern“, ergänzt er. Darum liegt der Fokus aktuell drauf, das E-Bike kundenorientiert weiterzuentwickeln. Das Ladevolumen soll von 750 Litern auf einen Kubikmeter steigen und es soll eine Speedpedelec-Version geben, die den Fahrer dann bis zu 45 km/h mit Elektromotor unterstützt.
Das Cargo-E-Bike ist bereits in neun europäischen Ländern erhältlich. Auf Deutschland, Österreich, der Schweiz und den Beneluxländern liegt jedoch das Hauptaugenmerk des Herstellers. „Als Nächstes wollen wir ganze Flotten von Firmen und auch ausländische Post mit unseren Cargo-E-Bikes ausstatten. Außerdem soll die Produktion ausgebaut werden, sodass wir 5.000 Bikes pro Jahr herstellen können“, berichtet Eibl über die Zukunftspläne des Unternehmens.
Update: Die Firma Gleam ist seit Juli 2023 insolvent.