Getriebe

Gigantische Kräfte: Industriegetriebe für Tagebau-Großgerät

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Groß wie ein Haus

Bei dem Auftrag von Codelco an FAM handelt es sich um nichts Geringeres als den größten Rücklader dieser speziellen Bauart auf der Welt. Diese Anlagen gehören aufgrund ihrer besonderen Architektur in die Sparte der Kompaktgeräte Wobei kompakt nicht klein bedeutet. Der Reclaimer SR 800 P9 hat die Abmessungen eines vierstöckigen Gebäudes und wiegt fast 1.000 Tonnen. „Man unterscheidet Schaufelradbagger und Schaufelradrücklader“, erläutert Dipl.-Ing. Erhard Pagels, Leiter Tagebautechnik bei FAM. „Der Bagger schneidet gewachsenes Material, der Reclaimer hingegen geschüttetes Material – und zwar in großen Mengen. Sowohl die Fördermenge als auch die geforderte Schneidarbeit bedingen eine bestimmte Antriebsleistung.“ Die Magdeburger bauten 1999 den ersten Reclaimer für Chile mit 100 t Masse und einer Förderleistung von 2.000 t in der Stunde. Mittlerweile wird schon der siebte Rücklader gefertigt. Die Anlagen werden immer größer und immer stärker – so wie der Kunde es fordert. Erhard Pagels: „Es gibt keinen größeren Rücklader dieser Bauart auf der Welt, sowohl hinsichtlich der Förderleistung und der Antriebsleistung als auch der Gesamtmasse der Anlage.“

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Sammlung der Superlative

Der für den Tagebau Radomiro Tomic in Auftrag gegebene Rücklader SR 800 P9 ist für die gigantische Förderkapazität von 14.500 Tonnen in der Stunde ausgelegt. (Das entspricht der Masse von etwa 17 Zügen der Bauart ICE3, mit je zwei Halbzügen). Sein Schaufelrad hat 14 Meter Durchmesser, der Messerkreis – der Durchmesser bis zur Spitze der Schaufeln – beträgt 19 Meter. Damit an diesem Arm genügend Kraft bereitsteht, benötigt man ein hohes Antriebsdrehmoment. Das berechnete theoretische Nennmoment beträgt 2.100 kNm – auch für FAM ein erhebliches Antriebsmoment. Getriebe in Mining-Applikationen werden mit einem Servicefaktor beaufschlagt, der alle Unwägbarkeiten berücksichtigt, die auftreten könnten.

Daher wurde das Getriebe für das Schaufelrad mit 4.000 kNm ausgelegt. Es gibt weltweit nicht viele Anbieter von Getrieben mit derart gigantischen Drehmomenten. Die Kraft, die an den Schaufeln bereitgestellt werden kann, entspricht etwa der Anfahrtzugkraft eines ICE3 – 300 kN. Die dafür erforderliche Antriebsleistung des Schaufelrades beläuft sich auf 1.000 kW. Sie kommt von einem Drehstrommotor und wird über ein Industriegetriebe an die Arbeitsmaschine angepasst. Damit beauftragte FAM die Firma SEW-Eurodrive. Sie gilt als Erfinder des Getriebemotors und blickt mittlerweile auf eine 85jährige Geschichte zurück.

Bei der Projektvergabe für die Antriebstechnik spielte neben der technischen Lösungskompetenz noch ein weiterer Aspekt eine wichtige Rolle: die sehr ambitionierte Lieferzeit, die der Endkunde forderte: bis Sommer 2016. Das heißt, in gerade einmal 18 Monaten entsteht ein gigantischer Bagger. Das schließt die Projektierung, Konstruktion und Fertigung ebenso ein wie die Lieferung und Inbetriebnahme bis hin zur schlüsselfertigen Übergabe. SEW-Eurodrive kann seinen Kunden einen besonderen Mehrwert bieten: Das Bruchsaler Familienunternehmen ist als weltweites Produktionsnetzwerk in 46 Ländern vertreten und damit dem exportorientierten deutschen Anlagenbau weltweit ein verlässlicher Partner – und immer in der Nähe. So auch in Südamerika: in Brasilien hat SEW eine große Landesgesellschaft. Am Standort Indaiatuba, etwa 70 km nordwestlich von São Paulo, wurde unlängst ein neuer Fertigungskomplex eröffnet. Die Industrie-Planetengetriebe der Serie XP für den Reclaimer liefert SEW-Eurodrive Brasil Ltda. Die regionale Präsenz in Südamerika und die Möglichkeit, hier große Antriebe zu fertigen und zu komplettieren, waren für FAM eine wichtige Voraussetzung für die Erteilung des Lieferauftrags.

Getriebe aus dem Baukasten

Dipl.-Ing. Frank Kleta, Außendienstmitarbeiter Industriegetriebe bei SEW-Eurodrive, erläutert: „Wir verwenden ein Standard-Planetengetriebe als sogenannten Gearhead. Davor setzen wir ein Kegelstirnradgetriebe aus Standard-X-Getriebebaureihe.“ FAM-Einkäufer Peter Kriependorf, B. A., unterstreicht den Nutzen für FAM: „Die bei SEW übliche Verwendung von Standardgetrieben stellt für uns einen deutlichen kommerziellen Vorteil dar.“ „Auch hinsichtlich der Lieferzeit haben Standardgetriebe Vorteile“, ergänzt Michael Kutza, dem als FAM-Vertriebsmitarbeiter die termingerechte Lieferung an den Auftraggeber sehr wichtig ist. „Planetengetriebe bis 500.000 Nm bauen wir im Großgetriebewerk in Bruchsal“, fährt Frank Kleta fort. „Alles was größer ist, wird in den Großgetriebewerken von SEW-Eurodrive in Brasilien bzw. in China gebaut.“

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