Kugelgewindetrieb «Gewöhnlicher» Kugelgewindetrieb als Herausforderung für Geschäftsleitung und Technik

Redakteur: Karl-Ullrich Höltkemeier

Miniaturisierung ist das heutige Schlagwort schlechthin. Danach richtet sich fast jeder Hersteller von Komponenten; besonders von mechanischen. So auch Eichenberger mit seinen Kugelgewindetrieben. Klein ist «in». Was aber, wenn ein Kunde am «anderen Ende» ansetzt? Grösser will? Was, wenn das gegen die eigene Unternehmensphilosophie verstösst? Letztere umwerfen oder den Kunden hängen lassen?

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Vergleich des grössten (ø 40 x 40) und des kleinsten (ø 4 x 1) gerollten Kugelgewindetriebes aus dem Katalog von Eichenberger. (Bilder: Eichenberger Gewinde)
Vergleich des grössten (ø 40 x 40) und des kleinsten (ø 4 x 1) gerollten Kugelgewindetriebes aus dem Katalog von Eichenberger. (Bilder: Eichenberger Gewinde)

Der Kunde Z. hat seine Reihe von Lineareinheiten – ebenfalls auf eine Kundenanforderung hin – erweitert. Da die Lasten, die es zu verschieben gilt, sich im Tonnen-Bereich bewegen, sind entsprechende Abmessungen erforderlich. Die Komponenten stellten kein Problem dar, alles einfach etwas grösser (Bild 1). Selbst für die Kugelgewindespindel – mit 40 mm Durchmesser – gibt es genügend Hersteller. Denn die Fertigung einer derartigen Spindel ist Stand der Technik; ebenso das zu bearbeitende Material. Wo also liegt das Problem?

Jeder Hersteller von Gewindespindeln – seien diese gerollt, gewirbelt oder geschliffen – wird zunächst das Pflichtenheft der Spindel unter die Lupe nehmen. Ist es ein Spezialgewinde? Ist das Material gut zu bearbeiten? Gibt es Probleme in der Geometrie? Bei der Maxispindel war nichts davon zu sehen. Selbst die Entwickler von Eichenberger sahen an der Spindel keine technischen Probleme, und doch war man alles andere als euphorisch. Wo also lag der Grund?

Zuerst die Philosophie …

Wie bereits erwähnt, verfolgt Eichenberger seit Jahren die Philosophie der Miniaturisierung. Also kleiner, kompakter und filigraner, wie es der Markt seit Langem fordert. Ein so grosser Brocken wie der 40er KGT war im Sortiment nicht vorgesehen; zudem gab es genügend andere Anbieter. Was aber, wenn der Kunde dies trotzdem verlangt? Z. liess nämlich keinen Zweifel offen, dass er auch diesen «Goliath» – nebst all den von ihm bereits eingesetzten Spindeln – aus der gleichen Hand wollte. Damit begann die Herausforderung für Eichenberger (Bild 2).

Zunächst musste die Geschäftsleitung über die Bücher: Wollen wir die jetzt über Jahre hinweg verfolgte und erfolgreiche Maxime der Miniaturisierung wirklich aufweichen? Wollen wir auf ein Gebiet gehen, das andere auch können? Reichen das Equipment und das Knowhow der Mitarbeiter dazu? Oder kurz: Unternehmensphilosophie gegen Kundenwunsch.

Die Geschäftsleitung entschied sich: Der Kundenwunsch kommt vor der Geschäftsidee, wohlwissend, dass einige Unbekannte darin steckten. Jetzt waren die Techniker gefordert.

… dann der Maschinenpark

Das Pflichtenheft für den Kugelgewindetrieb (KGT) enthielt zwei Kernvorgaben: die Geschwindigkeit und die zu verschiebenden Lasten.

Erstere war mit einer Spindel mit grosser Steigung zu erreichen und für die schwere Verschiebelast war ein entsprechender Durchmesser nötig!

Die Spindel des Kugelgewindetriebes vom Typ «Carry» hat 40 mm Durchmesser und 40 mm Steigung. Das heisst mit jeder Umdrehung der Mutter wird ein Weg von 40 mm zurückgelegt. Im Fachjargon heisst diese Abmessung (40 x 40) «quadratisch». Wie bereits erwähnt, boten weder das Grundmaterial noch die Gewindegeometrie grössere Probleme. Lediglich die Rollkraft für die Kaltverformung musste erheblich gesteigert werden.

Die Entwickler von Eichenberger orteten in kurzer Zeit, wo der Haken lag: Nicht – wie üblich – in der Herstellung und nicht in der Metallurgie, sondern im Maschinenpark. (Mehr Infos nach dem Umblättern)

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