Meilensteine Eine kurze Geschichte der konstruktionspraxis

Autor / Redakteur: Jan Vollmuth / Ute Drescher

Alles begann mit einer Spaltung: Als die konstruktionspraxis im Januar 1990 erstmals erschien, trat sie als eine von zwei Zeitschriften die Nachfolge der Zeitschrift Techno-Tip an. Seitdem sind über 500 Ausgaben des Fachmagazins für Konstrukteure und Entwickler erschienen – und ein Ende ist nicht abzusehen.

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Die erste Titelseite der konstruktionspraxis 1990 und ihr Pendant im Jahr 2015.
Die erste Titelseite der konstruktionspraxis 1990 und ihr Pendant im Jahr 2015.
(Bild: Höltkemeier)

Ingenieursaufgabe ist, das Machbare zu wollen und es auch zu realisieren. Doch die Zeiten einfacher technischer Zusammenhänge sind vorbei. Deshalb brauchen Ingenieure Hinweise auf neue Techniken. Diese Informationsvermittlung übernimmt die technische Fachzeitschrift. Sie macht Zusammenhänge verständlich und ermöglicht den Blick über den Zaun. Dieser Gedanke führte 1971 zur Gründung der Zeitschrift Techno-Tip im damaligen Vogel Verlag, der sich heute Vogel Business Media nennt. Aufgrund ihrer polytechnischen Ausrichtung deckte die Berichterstattung von Techno-Tip von Anfang an ein breit gefächertes Themenspektrum ab, das Ingenieure aller Branchen umfassend über aktuelle technologische Entwicklungen und Trends auf dem Laufenden hielt.

Aus Alt mach Neu

Der technologische Fortschritt und damit neue Themen führten mit der Zeit dazu, dass Techno-Tip mit seinem vielfältigem Ansatz seine Zielgruppe nicht mehr vollständig erreichte. Ein neues Konzept musste her. Helmut Grössl, Chefredakteur von Techno-Tip, machte sich 1989 an die Arbeit – und entwickelt für sein Magazin gleich zwei Nachfolger, die auf die Bedürfnisse verschiedener Zielgruppen abgestimmt waren und 1990 an den Start gingen: Der Titel „Fabrik 2000“ wandte sich an Fertigungstechniker, während das zweite Magazin Konstrukteure und Entwickler mit relevanten Fachinformationen versorgen sollte – die konstruktionspraxis war aus der Taufe gehoben.

Nomen est omen: Die konstruktionspraxis bedient inhaltlich alle Phasen des Konstruktionsprozesses vom Entwurf eines Produkts, der Auswahl eines Werkstoffs und den ersten Prototypen, über die dazu notwendige Hard- und Software wie CAD- oder Berechnungsprogramme bis hin zum Einsatz von Komponenten aus der Verbindungs-, Fluid- und Antriebstechnik sowie der Automatisierung und Elektrotechnik. Ein informativer Mix aus Hintergrund- und Anwenderberichten sowie Produktinformationen vermitteln dem Leser Grundlagenwissen und zeigen Lösungen aus der Praxis auf.

Nicht nur inhaltlich ging die konstruktionspraxis neue Wege, auch das Titelseitenmotiv fiel aus dem für Fachzeitschriften üblichen Rahmen: Auf dem Titel wurde ein je zur Hälfte realistisch dargestelltes und zur anderen Hälfte konstruiertes und fachgerecht bemaßtes Motiv dargestellt. So zierte zum Beispiel die erste Ausgabe eine saftige grüne Birne, deren linke Hälfte zum Anbeißen aussah, die recht eher sachlich nüchtern. Diese für eine technische Fachzeitschrift ungewöhnliche Darstellung kam bei der Zielgruppe hervorragend an und wurde zu einem unverwechselbaren Kennzeichen der konstruktionspraxis. Kein Wunder also, dass dem „Früchtchen“ der ersten Ausgabe zahlreiche weitere ausgefallene Motive folgten, angefangen bei Erdbeeren oder Tomaten, über Fledermäuse oder Sanduhren bis hin zu Pusteblumen oder Weihnachtsmännern, alle entworfen vom damaligen Chefredakteur Ullrich Höltkemeier. Diese Idee der Darstellung hat sich bis heute erhalten und wurde über die Jahre hinweg lediglich mit einem modernen Anstrich versehen.

Zusatzinformationen per Postkarte

Die monatlich erscheinende konstruktionspraxis war als Kennziffern-Zeitschrift konzipiert, damals für Fachzeitschriften typisch. Was es damit auf sich hat? Mit Hilfe von Kennziffern konnten Leser zusätzliche Informationen zu allen Produkten anfordern, über die konstruktionspraxis berichtete. Die unter den Beiträgen aufgeführten Kennziffern konnten auf einer Postkarte im Heft angekreuzt und an den Verlag geschickt werden. Der leitete die Anfragen an die jeweiligen Hersteller weiter. Wenig später – das waren damals im besten Fall sechs Wochen – flatterten die angeforderten Informationen mit der Post ins Haus. Heute macht das Internet Kennziffern überflüssig: Im Oktober 2003 erschien die konstruktionspraxis erstmals ohne sie.

Konstanz prägt das Bild der konstruktionspraxis: So übernahm ihr geistiger Vater Helmut Grössel das Ruder bis April 1993, sein Nachfolger Ullrich Höltkemeier blieb an Bord bis Oktober 2013. In dieser Zeit wurde das Heftlayout zweimal aufgefrischt, das bewährte inhaltliche Konzept dezent geliftet. Ein wichtiger Meilenstein war zudem der Start des Online-Portals www.konstruktionspraxis.de im April 2008, das sich von Anfang an hoher Zugriffszahlen erfreut.

Nun steuert mit Ute Drescher erstmals eine Kapitänin die im Jahr 2014 frisch gestrichene und modernisierte konstruktionspraxis durch die Mediengewässer – das nächste Jubiläum fest im Blick.

Die vierzig schönsten Titelmotive hat Ullrich Höltkemeier in einem Buch zusammengefasst, das Ende 2015 erhältlich ist. Anfragen an: ullrichhoe@gmail.com

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