In einer immer stärker spezialisierten Welt sind digitale Marktplätze eine Lösung für das Supply Chain Management. Wenn Kunden die Abläufe hinter Online-Kalkulatoren verstehen, können sie besser unter den verschiedenen Anbietern von Präzisionsbauteilen auswählen.
Die meisten Marktplätze locken mit Instant-Preisauskünften durch Online-Kalkulatoren – ein Service, der besonders in der Konstruktionsphase sehr hilfreich sein kann.
Das Prinzip „Alles aus einer Hand“ ist überholt – was früher ein Qualitätssiegel war, ist heute von Spezialisierungen und weit verzweigten Supply Chains ersetzt worden. Egal auf welchen Industriezweig man blickt – die Fertigung von Präzisionsbauteilen wird selten zu 100 Prozent hausintern umgesetzt. Stattdessen arbeiten Unternehmen mit Zulieferern zusammen, die die benötigten Bauteile fertigen. Da die Anforderungen von Bauteilen, was Materialien und Fertigungsverfahren angeht, sich stark unterscheiden, sind Zwischenhändler als Supply Chain Manager mit einem Netzwerk an Werkstätten wichtige Partner.
Was ist ein digitaler Marktplatz?
Digitale Marktplätze gibt es in nahezu allen Branchen und mit verschiedensten Geschäftsmodellen – im Prinzip funktionieren sie aber immer gleich: Es handelt sich um eine Plattform – also eine Website -, über die Geschäfte abgeschlossen werden. Die Plattform bringt die Anbieter von Produkten oder Dienstleistungen mit möglichen Käufern zusammen.
Die Digitalisierung hat auch vor Zwischenhändlern keinen Halt gemacht: Statt eines Händlers, der Angebote per E-Mail einholt, haben sich in den letzten Jahren eine Reihe von neuartigen digitalen Marktplätzen etabliert, die häufig auch als Online-Fertiger bezeichnet werden. Diese können dank digitaler Prozesse ein größeres Netzwerk an Lieferanten koordinieren als ein menschlicher Zwischenhändler. Ein großes Netzwerk mit vielen Aufträgen bringt für alle Beteiligten Vorteile: größere Fertigungskapazitäten, eine höhere Liefertermintreue sowie attraktivere Preise für die Kunden.
Preisauskunft ist nicht gleich Preisauskunft
Bei der Beschaffung von Präzisionsbauteilen gibt es einige besondere Herausforderungen, da es sich um individuell gefertigte Teile mit geringer Abweichungstoleranz handelt. Es gilt CAD-Dateien und Fertigungszeichnungen zu prüfen, aus denen alle Anforderungen hinsichtlich Material, Oberflächenbeschaffenheit und Toleranzen hervorgehen. Nur so kann ein Bauteil hergestellt werden, das die gestellten Qualitätsanforderung erfüllt. Für Kunden ist es wichtig, schnell eine Preisauskunft zu erhalten, um abschätzen zu können, ob der Anbieter infrage kommt – doch bei Online-Kalkulatoren sollte man genau hinschauen. Es ist sehr unterschiedlich, welche Prozesse im Hintergrund ablaufen - und nicht selten relevant für die Entscheidung für oder gegen einen Marktplatz.
Die meisten Marktplätze locken mit Instant-Preisauskünften durch Online-Kalkulatoren – ein Service, der besonders in der Konstruktionsphase sehr hilfreich sein kann, da sich frühzeitig Preiseinschätzungen zu den Kosten vornehmen lassen. In der Regel kalkulieren diese Instant-Preisauskünfte mit wenigen verfügbaren Parametern aus der CAD-Datei und haben daher eine große Fehleranfälligkeit. Eine identische Anfrage auf unterschiedlichen Plattformen kann in Folge zu einer sehr großen Bandbreite an unterschiedlichen Preisen führen. Die Gründe für die große Preisvarianz liegen in der fehlenden Beachtung von den fertigerspezifischen Gegebenheiten. Ein Bauteil ist mehr als die Summe aus Fertigungsverfahren, Materialkosten und Bauteilvolumen. Für die Berechnung der Angebotspreise muss der Kalkulator auf Durchschnittswerte für Lohnkosten, Rüstzeiten und Fertigungsparameter wie der Schnittgeschwindigkeiten und das programmierte Schnittmuster zurückgreifen. Darüber hinaus spielt das komplexe Zusammenspiel aus den unterschiedlichen lokalen Preisen und Verfügbarkeiten von Materialien, dem technologischen Stand des Maschinenparks und Soft-Faktoren wie der Qualifizierung für bestimmte Fertigungsverfahren und Bauteildimensionen eine wichtige Rolle. Instant-Kalkulatoren können also nur eine ungenaue Preisauskunft geben.
Ein Angebot mit begrenzter Gültigkeit
Erst wenn der Kunde mit dem angebotenen Preis einverstanden ist und den Fertigungsauftrag erteilt, erfolgt die Ausschreibung an das Herstellernetzwerk. Auftraggeber erhalten also ein Angebot, für das noch überhaupt kein Lieferant bereitsteht. Die Lohnfertiger schauen sich den Auftrag und den kalkulierten Preis an und entscheiden, ob das Bauteil umsetzbar und lohnenswert ist. Gerade in Zeiten hoher Auslastung und bei Bauteilen mit höherer Komplexität scheitert eine Vermittlung an dieser Stelle – und der Kunde erhält eine nachträgliche Preiskorrektur oder im schlimmsten Fall sogar eine Stornierung eines bereits erteilten Auftrags. Das bedeutet Mehraufwand für den Kunden und bringt nicht selten das gesamte Timing der Produktion durcheinander.
Vor- und Nachteile von Instant-Preisauskünften
Vorteile:
Sofortige Preisauskunft für ein Bauteil
Kosteneinschätzung in der Konstruktionsphase
Nachteile:
Gefahr von nachträglicher Preisanpassung oder Auftragsstornos
Einschränkungen bei der Anzahl an Fertigungsverfahren
Geringe Auswahl an verfügbaren Materialien und Werkstoffen
Geringe Anzahl an verfügbaren Oberflächenbehandlungen
Große Probleme bei komplexen Bauteilen und Baugruppen
Toleranzen, Gewinde und Oberflächengüten müssen manuell in den Konfigurator eingetragen werden
Liefertermine nicht an freie Fertigungskapazitäten gekoppelt
Limitierung der Stückzahlen
Die Mensch-Maschine-Allianz
Im Gegensatz zu Instant-Preisauskünften gibt es auch Marktplatzmodelle, die einen hybriden Ansatz aus Technologie und Expertenberatung fahren: Auch hier beginnt die Preiskalkulation mit der Anfrage auf dem digitalen Marktplatz, indem ein CAD-Modell und die Fertigungszeichnung hochgeladen und der Auftrag mit allen Anforderungen spezifiziert wird. Die Anfragen werden anschließend von Experten ausgewertet, geprüft und gegebenenfalls ergänzt. Erst dann erfolgt ein Matching zwischen Bauteil und potenziellen Lieferanten. Hierbei gleicht ein KI-basierter Algorithmus alle Bauteil- und Auftragsspezifikationen mit den auf dem Marktplatz hinterlegten Fertigungsprofilen der Lieferanten ab. An dieser Stelle wird die Auslastung der Fertiger ebenso berücksichtigt wie ihre Qualifizierung für bestimmte Fertigungsverfahren oder Materialien.
Stand: 08.12.2025
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Mensch und Maschine haben in Allianz nun die geeigneten Fertiger ermittelt und bieten ihnen den Auftrag an – interessierte Fertiger machen ein Angebot. Die Preisauskunft erfolgt also im Auktionsverfahren durch die Lohnfertiger selbst. So kann jeder Fertiger tagesaktuelle Materialkosten und -verfügbarkeiten, seine aktuelle Maschinenauslastung, verfügbare Fertigungskapazitäten und seine individuellen Lohnkosten in die Preisgestaltung einbeziehen. Im Rahmen der Anfrage müssen Bauteile nicht in das enge Korsett des Instant-Konfigurators gezwängt werden. Auf diese Weise können auch Bauteile mit hoher Komplexität über den Online-Fertiger umgesetzt werden. Durch das Auktionsverfahren ist zudem gewährleistet, dass der Kunde attraktive Preise erhält.
Bevor der Marktplatz das Angebot an den Kunden zurückspielt, fließen noch Erfahrungswerte wie regelmäßige Verzögerungen bei bestimmten Lohnfertigern mit ein, sodass der Kunde keine Überraschungen erlebt. Der Nachteil: Zwar können Preise und Deadlines sehr zuverlässig gehalten werden, dieser Prozess braucht aber Zeit, weshalb die Preisauskunft bis zu 48 Stunden dauern kann.
Vor- und Nachteile von hybriden Kalkulatoren
Vorteile:
Verlässliche Angebote durch Fertiger kalkuliert
Expertise von Fertigern bei Anfrage berücksichtigt
Kaum Einschränkungen bei Materialien und Werkstoffen
Für alle Fertigungsverfahren geeignet
Kaum Einschränkungen bei der Verfügbarkeit von Oberflächenbehandlungen
Auch für komplexe Bauteile und Baugruppen geeignet
Online-Kalkulatoren sind einer der ersten Schritte zur Digitalisierung der Fertigungsbranche – doch sie stecken noch in den Kinderschuhen. Mit der Expertise, die sich Fachleute in der Branche angeeignet haben, können sie heute noch nicht mithalten. Die große Anzahl an individuellen bauteilspezifischen Parametern weisen im Zusammenspiel ein hohes Maß an Komplexität auf, die noch kein Instant-Kalkulator zufriedenstellend in der Preisfindung berücksichtigt. Damit die implementierten KIs in Online-Preiskalkulatoren lernen, die verschiedenen Parameter zu berücksichtigen und richtig zu deuten, braucht es große Datenmengen, die die Fertigungsmarktplätze im kleinteiligen B2B-Geschäft nicht aufbringen können. Daher müssen Experten heute an einigen Stellen eingreifen und nachjustieren, um das bestmögliche Ergebnis für den Kunden zu erzielen. An welchen Stellen, wie häufig und in welcher Größenordnung diese Eingriffe notwendig sind, entscheidet derzeit jede Plattform selbst – so kommen die unterschiedlichen Herangehensweisen zustande. Wichtig ist, dass für den Kunden transparent ist, wie die Preise zustande kommen. Denn die Zukunft liegt in einer radikalen Digitalisierung dieses Prozesses, dafür braucht es Vertrauen in die Technik und zum Marktplatz.
* Marlon Gerat ist Co-Founder und Chief Production Officer des Berliner Technologieunternehmens CNC 24.