Technik kurz erklärt Die Entwicklung des Riesenrades

Von Dipl.-Ing. (FH) Monika Zwettler 3 min Lesedauer

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In unserer Serie „Technik kurz erklärt“ stellen wir regelmäßig Meisterwerke der Konstruktion und besondere Entwicklungen vor. Heute: das Riesenrad.

Riesenräder sind mehr als eine Attraktion, sie sind ein Symbol für technologischen Fortschritt. (Bild:  © Karyna – stock.adobe.com)
Riesenräder sind mehr als eine Attraktion, sie sind ein Symbol für technologischen Fortschritt.
(Bild: © Karyna – stock.adobe.com)

Am 14. Februar wird nicht nur Valentinstag gefeiert – in den USA ist dieser Tag auch dem Riesenrad gewidmet, als Ehrentag für seinen Erfinder George Washington Gale Ferris Jr., der am 14. Februar 1859 geboren wurde. Wir nehmen das zum Anlass, die Entwicklung des Riesenrads, auch Ferris Wheel genannt, unter die Lupe zu nehmen und die aktuell zehn größten Riesenräder der Welt zu zeigen.  

Wie kam es zur Entwicklung des Riesenrads?

Das Konzept lässt sich bis ins 17. Jahrhundert zurückverfolgen, als einfache handbetriebene Räder zuerst in Bulgarien, danach in  England erschienen. Der englische Reisende Peter Mundy berichtete von seiner Beobachtung in Philippopolis (heutiges Plovdiv), wo er sah, wie Kinder auf Sitzen, die an einem etwa 5 Meter großen hölzernen Rad befestigt waren, fuhren. Dieses frühe Riesenrad wurde per Handkurbel betrieben. Ähnliche Konstruktionen wurden im 17. Jahrhundert auch in England gesichtet. Diese bulgarische Konstruktion war zwar einfach, verkörperte aber bereits das Grundprinzip eines Riesenrads: Eine vertikale Drehbewegung, die Menschen auf Sitzen in die Höhe und wieder herunterbefördert. 

Wer hat das Riesenrad erfunden?

Diese frühen hölzernen Räder sind die Vorläufer der späteren mechanisierten Fahrattraktionen, die mit der Erfindung des Ferris Wheel eine neue Dimension erreichten: George Washington Gale Ferris Jr. entwarf das erste moderne Stahl-Riesenrad, das Ferris Wheel, für die Weltausstellung 1893 in Chicago. Es war ein beeindruckendes Bauwerk mit 76 bis 80,5 Metern Durchmesser und Spannen wie bei einem Fahrrad. Die 45 Tonnen schwere Achse und die 36 Gondeln boten Platz für bis zu 2.160 Passagiere.

Wie wurde das erste Riesenrad angetrieben?

  • Das erste moderne Riesenrad wurde mit einer 1000-PS-Dampfmaschine angetrieben. Diese Maschine bewegte Seilschlaufen, die ursprünglich aus Ankerketten bestanden, um das Rad zu  drehen.
  • Diese Seile liefen über mehrere große Räder, die wiederum mit der Radkonstruktion verbunden waren. Der Antrieb erfolgte über Zuggewichte.
  • Das Rad selbst war wie die Speichen eines Fahrrads ausgelegt, wodurch eine starke und dennoch flexible Struktur entstand.
  • Die Gondeln waren pendelnd aufgehängt, um bei der Drehung der Schwerkraft folgen zu können, was die Stabilität bei Bewegung verbesserte.
Das erste Riesenrad in Blackpool, bekannt als das Blackpool Gigantic Wheel oder Big Wheel, wurde am 22. August 1896 eröffnet. Es war beeindruckende 67 Meter hoch und beherbergte 30 Gondeln, die jeweils Platz für bis zu 30 Passagiere boten. Angetrieben von einer Dampfmaschine dauerte eine vollständige Umdrehung des Riesenrads etwa 30 Minuten. (Bild:   / CC0)
Das erste Riesenrad in Blackpool, bekannt als das Blackpool Gigantic Wheel oder Big Wheel, wurde am 22. August 1896 eröffnet. Es war beeindruckende 67 Meter hoch und beherbergte 30 Gondeln, die jeweils Platz für bis zu 30 Passagiere boten. Angetrieben von einer Dampfmaschine dauerte eine vollständige Umdrehung des Riesenrads etwa 30 Minuten.
(Bild: / CC0)

Erste Wheels in Europa

In Europa wurde das erste Riesenrad 1895 in London aufgestellt. Es folgten Riesenräder in Blackpool (1896) und das bekannte Wiener Riesenrad im Prater.

Das Wiener Riesenrad, erbaut in den Jahren 1896/1897 von den Ingenieuren Walter Basset und Harry Hitchins, erhebt sich majestätisch mit einer Höhe von 64,75 Metern. Der Gesamtdurchmesser des Rads beträgt 60,96 Meter, während der äußere Raddurchmesser bei 55,78 Metern liegt.
Die rotierende Konstruktion des Riesenrads wiegt insgesamt 244,85 Tonnen, während das gesamte Gewicht der Eisenkonstruktionen 430,05 Tonnen beträgt.

Das Wiener Riesenrad erreicht eine maximale Geschwindigkeit von 0,75 Metern pro Sekunde, was etwa 2,7 km/h entspricht. Eine gesamte Umdrehung dauert 255 Sekunden ohne Stopps, wobei die tatsächliche Fahrzeit mit Ein- und Aussteigephasen zwischen 12 und 15 Minuten variiert.(Bild:   / CC0)
Das Wiener Riesenrad erreicht eine maximale Geschwindigkeit von 0,75 Metern pro Sekunde, was etwa 2,7 km/h entspricht. Eine gesamte Umdrehung dauert 255 Sekunden ohne Stopps, wobei die tatsächliche Fahrzeit mit Ein- und Aussteigephasen zwischen 12 und 15 Minuten variiert.
(Bild: / CC0)

Das Rad ist als Dreißigeck mit 120 flexiblen Seilspeichen konstruiert, wobei diese Speichen während der Drehung die Last tragen. Der Antrieb erfolgt durch zwei Hauptmotoren, die jeweils eine Leistung von 15 kW erbringen und über eine Welle miteinander verbunden sind. Diese Motoren betreiben mithilfe von Riemen, Schwungrädern und einem zweistufigen Getriebe die Reibungsbacken der Seiltriebe am Radkranz. Ein Gewicht von 3,5 Tonnen gewährleistet die erforderliche Seilspannung.

Riesenräder wurden nicht nur als Attraktionen konzipiert, sondern symbolisierten auch den technologischen Fortschritt und Ehrgeiz der industriellen Revolution. Sie etablierten sich als architektonische Wahrzeichen und waren Ausdruck des Ingenieurwissens.

Wie ging es weiter? 

Riesenräder nutzen heute Elektromotoren, die präzise gesteuert werden können. Oft sind Reibräder im Einsatz, die durch die Reibung zwischen dem Antriebsrad und der Schiene des Hauptgestells das Rad drehen. Diese Methode ist deutlich wartungsärmer und flexibler in der Steuerung. Aktuelle Designs verwenden hochfeste Stähle und computergestützte Berechnungen, um leichtere, aber stärkere Strukturen zu schaffen.
Moderne Gondeln sind häufig in aerodynamischen Kapseln gestaltet, die in einem Drehpunkt gelagert sind.
Umfassende Elektronik überwacht und steuert den Betrieb automatisiert, Sensoren messen Bewegungen, Geschwindigkeiten und Belastungen, um die Sicherheit zu gewährleisten. Viele moderne Riesenräder sind mit Notfallbremssystemen ausgestattet, die bei Bedarf die Bewegung sofort sicher stoppen können. Einige Riesenräder nutzen regenerative Antriebstechniken oder Solarenergie, um den Energieverbrauch zu minimieren.

Die zehn höchsten Riesenräder im Überblick:

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