In unserer Serie „Technik kurz erklärt“ stellen wir regelmäßig Meisterwerke der Konstruktion und besondere Entwicklungen vor. Heute: das Münchner Olympiadach.
121 Mannschaften und 7170 Athleten nahmen an den olympischen Sommerspielen 1972 in München teil. Die Sportstätten und im Besonderen das Zeltdach haben sich zu einem Wahrzeichen entwickelt.
(Bild: Olympiapark München)
Vom 26. August bis zum 11. September 1972 fanden die Olympischen Sommerspiele in München statt. Und sie sind in Erinnerung geblieben: Zum einen aufgrund des Attentats auf die israelische Mannschaft am 5. September mit elf Toten.
Zum anderen aber hat sich aus dem Olympiastadion und vor allem seinem ungewöhnlichen Dach ein Münchner Wahrzeichen entwickelt. Das Zeltdach aus Plexiglas, das auch Teile des umliegenden Olympiaparks überspannt, war damals eine architektonische Sensation. Es sollte Leichtigkeit und Offenheit symbolisieren und sich damit von der Architektur der Olympischen Spiele 1936 von der Zeit des Nationalsozialismus abgrenzen.
Als München 1966 die Zusage erhielt, Austragungsort für die Olympischen Sommerspiele 1972 zu sein, war klar: Ein neues Stadion musste her. Denn das bis dahin größte Stadion der Stadt, das Städtische Stadion an der Grünwalder Straße, war mit 45.000 Sitzplätzen eindeutig zu klein für die erwarteten Zuschauer. Die Stadt München schrieb deshalb einen Architektenwettbewerb für die Planung eines Neubaus aus und legte folgende Voraussetzung fest:
Es sollten Spiele der kurzen Wege werden.
Die Spielstätten sollten in Form von offenen und hellen Gebäuden mit großen Glasflächen Demokratie und Freiheit symbolisieren im Gegensatz zu den Spielen von 1936 in Berlin.
Olympia 1972 sollte mitten im Grünen stattfinden.
Am Ende wurden die olympischen Anlagen in einen 850.000 Quadratmeter großen Park mit aufgeschütteten Hügeln und einem künstlich geschwungenen See eingebettet. Um den Eindruck einer natürlichen Umgebung nicht zu stören, sind die Sportarenen wie das Olympiastadion, die Olympiahalle und die Olympia-Schwimmhalle in die Tiefe gebaut, so dass nur ein Drittel der Gebäude aus dem Boden herausragen. Damit entfaltet bis heute das charakteristische Zeltdach, das die drei Hauptgebäude verbindet, seine einzigartige Wirkung.
Eine außergewöhnliche Dachkonstruktion
Der Entwurf für das Stadion stammte vom Stuttgarter Architekturbüro Behnisch & Partner. Sie präsentierten ein Modell, das auf der Zeltdachkonstruktion des Architekten Frei Otto für den deutschen Pavillon auf der Weltausstellung in Montreal 1967 beruhte. Otto hatte dort bereits ein Zeltdach aus PVC-beschichteter Polyesterplane konzipiert.
Allerdings wurde der Entwurf zunächst abgelehnt – zu waghalsig schien wohl die Idee. Auch das Modell war unkonventionell: Holzstäbchen sollten die Stahlkonstruktion darstellen, für das Dach nahmen die Architekten Nylonstrümpfe. Nach einem langen Auswahlverfahren und der Intervention eines Jurors erhielten sie den Zuschlag schließlich doch. Das Modell überzeugte die Jury durch die umgebende Landschaftsarchitektur – sowie durch die außergewöhnliche Zeltdachkonstruktion.
Über Frei Paul Otto
Frei Paul Otto (1925 - 2015) war ein deutscher Architekt, Architekturtheoretiker und Hochschullehrer. Seine Arbeiten im Leichtbau mit Seilnetzen, Gitterschalen und anderen zugbeanspruchten Konstruktionen machten ihn zu einem der bedeutendsten Architekten des 20. Jahrhunderts. Sein Steckenpferd war die biomorphe Architektur, sein Ideal war das Bauen mit einem minimalen Aufwand an Materie, Fläche und Energie. Zu den bekanntesten Werken Ottos zählen die zeltartigen Dachkonstruktionen. Eine der ersten war 1957 das Sternwellenzelt im Kölner Tanzbrunnen anlässlich der Bundesgartenschau 1957. Auch die Idee des Münchner Olympiadachs stammt von ihm, bei der Umsetzung geriet sein leichtes Bauen aufgrund von Sicherheitsaspekten allerdings ein wenig in den Hintergrund. Frei Otto erhielt zahlreiche Auszeichnungen für seine Bauten, posthum wurde ihm 2015 der renommierte Pritzker-Architektur-Preis verliehen.
Leichtigkeit als Konstruktionsprinzip
Basis des Dachs ist eine Seilkonstruktion, bei der sich die Architekten an natürlichen Strukturen wie Spinnennetzen oder Kieselalgen orientierten. Bei einer Seilnetzkonstruktion werden die zugbeanspruchten Seilnetze auf druckbeanspruchten Masten oder Bögen aufgespannt. Die Netze bestehen aus Trag- und Spannseilen. Die Tragseile übernehmen die Lastabtragung auf Masten und Fundamente, die Spannseile garantieren ausreichende Steifigkeit.
Das Dach besteht aus einer Stahlseilkonstruktion, die an bis zu 80 Meter hohen Pylonen aufgehängt ist.
Ein Netz aus Stahlkabeln wurde zunächst am Boden geflochten und anschließend hochgezogen.
Fixiert ist es an Masten, die mit Seilen abgespannt sind.
Das 80.000 Quadratmeter-Dach ist mit meist quadratischen Acrylglas-Platten gedeckt.
Das Münchner Olympiastadion fügt sich durch das geschwungene Zeltdach harmonisch in die umliegende Landschaft des hügeligen Olympiaparks ein. Dazu überspannt das Dach nicht nur die Haupttribüne des Olympiastadions selbst, sondern auch die Olympiahalle, die Olympia-Schwimmhalle sowie die dazwischenliegenden Wege im Olympiapark.
Aus welchem Material die Dachhaut bestehen sollte, wurde von der Olympia-Baugesellschaft in umfassenden Tests geprüft: Glasfaserverstärktes Polyesterharz schied wegen seines ungünstigen Brandverhaltens aus.
Auch PVC-beschichtete Polyesterplanen, wie sie bei der Weltausstellung in Montreal eingesetzt worden waren, konnten die Baugesellschaft nicht überzeugen. Sie wären zwar kostengünstig gewesen – allerdings war die Lichtdurchlässigkeit unbefriedigend, und die Verlegung über dem Stahlseilnetz hätte sich zu kompliziert gestaltet.
Transparente, vier Millimeter dicke Platten Plexiglas GS überzeugten die Olympia-Baugesellschaft schließlich:
Das Acrylglas konnte mit einer hohen Lichtdurchlässigkeit punkten.
Zudem überzeugte die Brandklasse „B1 – schwer entflammbar“.
Die Plexiglas-Platten sind mit viel Bewegungsspiel verlegt, damit sie Wind und Schnee nachgeben.
Für einen besseren Sonnenschutz wurde das Plexiglas teilweise leicht grau eingefärbt.
Seit den Spielen von 1972 sind Jahrzehnte vergangen und der Olympiapark München ist immer noch ein einzigartiger Ort voller Leben und zählt seit den Spielen von 1972 rund 220,6 Millionen zahlende Besucher.
Das Zeltdach auf den Medaillen der European Championships 2022
Wenn am 11. August 2022 die European Championships in München eröffnet werden, ist das der Startschuss für Europameisterschaften in neun Sportarten. Auf zehn Tage verteilt kämpfen Athletinnen und Athleten im Turnen, Radsport, Beachvolleyball, Tischtennis, Klettern, Rudern, Kanu-Sport, Triathlon und in der Leichtathletik um Medaillen – im Olympiapark.
Mit den European Championships Munich 2022 empfängt München die größte Sportveranstaltung seit den Olympischen Sommerspielen 1972.
(Bild: München 22)
Den Gewinnern winkt eine besondere Medaille: Konzipiert von Florian Weber, dem Creative Director von München 2022, und entworfen von Designworks, der Designschmiede von BMW, vereinen sie eine kühne Aufmachung mit bayerischer Tradition. Das fängt beim Band an, das nahtlos mit der Medaille verbunden und in sie integriert ist. Die Enden des Bandes kreuzen sich wie die Laugenschlenker der bekannten Münchner Brezn, eine Hommage an die Gastgeberstadt und das Symbol für die Umarmung der Welt mit dem Sport nach einer langen Zeit der Trennung, heißt es. Und die Vorderseite zeigt das Münchner Wahrzeichen: die Silhouette des Dachzelts.
Stand: 08.12.2025
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