Technik kurz erklärt Die Entwicklung des Barcodes

Von Dipl.-Ing. (FH) Monika Zwettler 4 min Lesedauer

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In unserer Serie „Technik kurz erklärt“ stellen wir regelmäßig Meisterwerke der Konstruktion und besondere Entwicklungen vor. Heute: der Barcode.

1974 hat es an einer amerikanischen Kasse das erste Mal gebeept. (Bild:  Maksym - stock.adobe.com)
1974 hat es an einer amerikanischen Kasse das erste Mal gebeept.
(Bild: Maksym - stock.adobe.com)

Vor 50 Jahren machte es zum ersten Mal Beep: Am 26. Juni 1974 wurde in einem Marsh-Supermarkt in Ohio, USA, der Barcode auf einer Kaugummipackung der Marke Wrigley's Juicy Fruit zum ersten Mal gescannt. Damit war der Grundstein für eine prägende Technologie des 20. Jahrhunderts gelegt. Grund genug, einen Blick auf die Entwicklung des Barcodes zu werfen.

Heute begegnet uns die Abfolge schwarzer Striche auf hellem Grund fast überall und in vielen Branchen wie zum Beispiel Handel, Logistik und Gesundheitswesen. Weltweit „beept“ es heute jeden Tag über zehn Milliarden Mal, doch der Erfolg ließ zunächst auf sich warten, obwohl das Prinzip schon 1952 patentiert wurde.

Der erste Strichcode bestand aus vier weißen Linien auf dunklem Hintergrund. Damit konnten sieben verschiedene Artikel klassifiziert werden.
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Wie die Idee für den Strichcode entstanden ist

Als Pfadfinder lernte der US-Amerikaner Norman Joseph Woodland (1921 - 2012) den Morsecode, der später die Grundlage für seine Erfindung des Strichcodes werden sollte. Er studierte Maschinenbau, im Zweiten Weltkrieg arbeitete er als technischer Assistent, später als Dozent an der Drexel University. 1948 hörte sein Kollege Bernard Silver (1925 - 1963), wie ein Supermarktleiter den Dekan befragte, wie an der Kasse automatisch Produktinformationen abgefragt werden könnten, damit ein besseres System für die Kontrolle der Lagerbestände vorhanden wäre. Es heißt, der Dekan wäre skeptisch gewesen, aber Silver erzählte Woodland davon.

Silver und Woodland entwickelten ein System, das Produktinformationen mit fluoreszierender Tinte auf Waren druckte und mit ultraviolettem Licht auslas. Es erwies sich aber aufgrund der Kosten als unpraktikabel für den Masseneinsatz.

Berichten zufolge saß Woodland tagsüber am Strand, als ihm der Morsecode wieder in den Sinn kam und er mit vier Fingern Linien in verschiedenen Abständen in den Sand zeichnete. Rückblickend beschrieb er:

Das klingt wie ein Märchen. [...] Ich rief: Ha, da habe ich jetzt vier Linien und die könnten breit oder schmal sein – statt [wie beim Morsen] Punkte und Gedankenstriche.

Woodland und Silver entwickelten daraufhin ein kreisförmiges Muster aus unterschiedlich dicken Ringen, das heute als Vorläufer des Strichcodes gilt.

Wie der Strichcode alltagstauglich wurde

  • 1952 ließen sie sich ihre Idee mit den schwarz-weißen Strichen, die aus dem Handel heute nicht mehr wegzudenken sind, patentieren – das sogenannte „Woodland und Silver Patent“ – und verkauften es für 15.000 US-Dollar an das Elektronikunternehmen Philco.
  • Der erste Strichcode bestand aus vier weißen Linien auf dunklem Hintergrund. Damit konnten sieben verschiedene Artikel klassifiziert werden.
  • Mit zehn Linien konnten bereits 1.023 verschiedene Artikel codiert werden. Das größte Problem war jedoch, den Strichcode abzutasten. Erste Geräte waren viel zu sperrig. Es dauerte daher noch weitere zwei Jahrzehnte, bis handliche Scanner zum Einsatz kamen, die den Strichcode lesen konnten.
  • IBM beteiligte sich erst 1971 am weiteren Ausbau, als Woodland nach North Carolina versetzt wurde, wo er eine Schlüsselposition bei der Entwicklung des Universal Product Code (UPC) innehatte. Erst damit wurde der Strichcode alltagstauglich.
  • Die Nummer unterhalb des Barcodes ist die Basis für den eigentlichen Barcode. Die Nummer wird heute GTIN (Global Trade Item Number, ehemals EAN) genannt und ist eine Art Fingerabdruck für Waren. Damit wird jedes Produkt weltweit unverwechselbar.
Verfahren oder Anordnungen zum Abtasten von Aufzeichnungsträgern, z.B. zum Lesen von Mustern durch elektromagnetische Strahlung, z.B. optische Abtastung; durch korpuskulare Strahlung durch Abtasten der Aufzeichnungen durch Strahlung im optischen Teil des elektromagnetischen Spektrums weitere Einzelheiten zu Strich- oder optischen Code-Abtastvorrichtungen Abtasten von auf Gegenständen oder Artikeln angebrachten Datenfeldern, z.B. kodierten Etiketten willkürlich angeordnete Datenfelder, also Code-Marken, z.B. konzentrischer Kreis-Code.

Auszug aus Patent US2612994A

Zum Erfolg wurde der Strichcode unter anderem auch, weil die US-Supermarktkette Wal-Mart Druck ausübte. Der Code wurde schließlich 1973 eingeführt und als erstes Produkt wurde ein Zehnerpack Wrigley's-Kaugummi mit einem UPC-Barcode von einem Laserscanner an der Kasse erfasst. In Europa wurde 1976 eine ähnliche Variante als EAN (European Article Number) übernommen.

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Wie es weitergeht

Heute gibt es zahlreiche Codes für unterschiedliche Anwendungen. Die kommende Generation mit leistungsstärkeren 2D-Codes soll ihren Vorteil da ausspielen, wo mehr Information gefragt sind, denn sie erlauben Kombinationen von mehr als 7.000 numerischen Zeichen.

Außerdem öffnen sie Anwendern quasi im Handumdrehen den Weg ins Internet, wo noch mehr Informationen auf sie warten. Und zwar in puncto Relevanz und stets zur richtigen Zeit am richtigen Ort. Letzteres macht der neue Standard "GS1 Digital Link" möglich, der in etwa wie eine Weiche funktioniert. Mit ihm lassen sich je nach Kontext unterschiedliche Informationen ausspielen: Der Code auf dem jeweiligen Produkt bleibt dabei derselbe, die Informationsinhalte ändern sich je nach Zeitpunkt, Ort und Gerät des Barcode-Scans - einer für alles.

Ab 2028 sollen die 2D-Codes an den Supermarktkassen lesbar sein. Seltener beepen wird es in der Welt der Waren und digitalen Geschäftsprozesse trotz aller Innovation hingegen nicht.

Den runden Geburtstag teilt sich der Barcode übrigens mit GS1 Germany. An die Not-for-Profit-Organisation können sich Unternehmen hierzulande wenden, wollen sie diesen oder andere GS1 Standards, für ihre Produkte, Sendungen, Dokumente oder Maschinen nutzen. Dafür benötigen man zudem eine Global Trade Item Number (GTIN), früher EAN genannt.

Quellen:

patents.google.com

www.gs1-germany.de

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