Technik kurz erklärt Die Entwicklung der Stechuhr

Von Dipl.-Ing. (FH) Monika Zwettler 6 min Lesedauer

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In unserer Serie „Technik kurz erklärt“ stellen wir regelmäßig Meisterwerke der Konstruktion und besondere Entwicklungen vor. Heute: die Stechuhr.

Der 27. Januar feiert als amerikanischer Tag der Stechuhr die Arbeitszeitmessung, die übrigens nicht auf die Industrialisurung zurück geht. (Bild:  jakrabo - stock.adobe.com)
Der 27. Januar feiert als amerikanischer Tag der Stechuhr die Arbeitszeitmessung, die übrigens nicht auf die Industrialisurung zurück geht.
(Bild: jakrabo - stock.adobe.com)

Immer am 27. Januar ist in den USA Tag der Stechuhr – Punch the Clock Day. Wir nehmen das zum Anlass, einen Blick auf die Entwicklung der Stechuhr, oft auch Stempel- oder schlicht Kontrolluhr genannt, zu werfen. Eine Stechuhr ist ein Gerät zur Arbeitszeiterfassung in Unternehmen. Sie ermöglicht es, die Arbeitszeiten der Mitarbeiter präzise zu dokumentieren – von Arbeitsbeginn über Pausen bis hin zum Arbeitsende.

Ursprünglich mechanisch, haben sich Stechuhren im Laufe der Zeit zu digitalen Lösungen entwickelt, die eine genauere und effizientere Erfassung und Auswertung der Daten bieten. Doch wann und warum wurden Kontrolluhren überhaupt erfunden?

Wie es zur Entwicklung von Kontrolluhren kam

Die Vermutung liegt nahe, dass die Erfindung von Kontrolluhren jeglicher Art auf das Zeitalter der Industrialisierung zurückgeht; doch tatsächlich wurde die erste Kontrolluhr Ende des 18. Jahrhunderts installiert. Das Ziel war, in den Amtsstuben für mehr Pünktlichkeit und bessere Arbeitsmoral zu sorgen. Aus diesem Grund hat 1797 Sir Benjamin Thompson, Reichsgraf von Rumford, in München die erste Kontrolluhr aufstellen lassen. Denn der bayrische Kriegsminister setzte zahlreiche soziale Reformen (etwa die Einführung der Polizeistunden und ein öffentliches System der Armenspeisung) durch und war dafür auf einen funktionierenden Verwaltungsapparat angewiesen. Durch den Einsatz einer Kontrolluhr war Rumford in der Lage, die pünktliche Einhaltung der Arbeitszeiten seiner Beamten zu überprüfen.

Das Prinzip dahinter war einfach:

  • Jeder Beamte hatte eine persönliche Kennmarke, die er durch einen Schlitz in die Uhr einwarf.
  • Das Außengehäuse der Uhr war feststehend, während sich innen ein zylindrischer, in Fächer unterteilter Behälter mit der Zeit bewegte.
  • Eine nicht zum richtigen Zeitpunkt eingeworfene Marke landete daher unweigerlich in einem falschen Zeitfach.
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Die Baumgartnersche „Polizeyuhr“

1801 griff der damalige Münchner Polizeidirektor Anton Baumgartner Rumfords Idee der stationären Kontrolluhr auf und verändert sie dahingehend, dass sie sich für die Überwachung der Rundgänge seiner Polizisten eignete. Die Uhr wurde verschlossen auf der Polizeidirektion aufbewahrt und war dosenförmig. Durch das Werk einer gewöhnlichen Pendeluhr drehte sich innerhalb eines ruhenden Gehäuses ein runder Kasten in 24 Stunden einmal. Er war in zwei konzentrische Ringe und außerdem durch radiale Wände in 48 Sektoren geteilt, sodass jeder Sektor ein Innen- und ein Außenfach hatte. Mit einer pinzettenartigen Greifzange wurde aus dem Fach ein Kärtchen genommen, welches das für den Beamten vorgesehene Ziel seiner Patrouille enthielt – am Zielort angelangt, wurde das Kärtchen eingesteckt und ein neues für den Rückweg entnommen.

Die ganze Prozedur der Baumgartnerschen „Polizeyuhr“ war recht aufwendig und erforderte neben verschiedenfarbigen Wegekarten auch noch eine genaue Protokollierung darüber, welcher Beamte wann welches Kärtchen bekommen hatte.

Von der „Polizeyuhr“ zur Wächter-Kontrolluhr

Das Prinzip der „Polizeyuhr“ wurde schließlich zur sogenannten Wächter-Kontrolluhr weiterentwickelt, die zunächst stationär genutzt wurden. Denn Nachtwächter waren damals auch Feuerwächter und Streifenpolizisten. Dank der Wächter-Kontrolluhr konnte man auch auf den nicht immer erbaulichen Gesang der Nachtwächter, mit dem sie ihre Anwesenheit dokumentieren wollten, verzichten.

Doch erst die im Schwarzwald entwickelten tragbaren Wächter-Kontrolluhren von Johannes Bürk waren ein durchschlagender Erfolg und legten den Grundstein für die nachfolgende Entwicklung der Zeiterfassungssysteme.

  • Anstelle mehrere Uhren an den erforderlichen Kontrollpunkten zu installieren, nahm der Wächter die mechanische Uhr mit auf seinen Weg.
  • Entsprechend des vorgeschriebenen Kontrollweges musste dieser mit an den Kontrollstellen ausgelegten Schlüsseln in seiner Uhr eine Drehung beschreiben, die auf dem inliegenden Papierstreifen Markierungen hinterließ.
  • Durch die Schlüssel wurde eine Federzunge betätigt, die mit ihrem spitzen Ende den Papierstreifen lochte.
  • Die Auswertung der Markierungen auf dem Papierstreifen erlaubte die Rekonstruktion, ob, wann und in welcher Reihenfolge die zu bewachenden Orte von dem Wächter besucht worden sind.

Hier erklärt sich also auch die Bezeichnung Stechuhr.

Von der Wächter-Kontrolluhr zum Arbeiter-Kontrollapparat

Die beginnende Industrialisierung rückte schließlich eine neue und zahlenmäßig größere Zielgruppe als die der Nachtwächter in den Mittelpunkt der Kontrolluhrenindustrie: die Arbeiter.

Erneut kommt die entscheidende Idee für Deutschland aus Schwenningen, diesmal von Bürks Sohn Richard. Zum 25. November 1879 erhält er das Patent Nr. 9774 vom Kaiserlichen Patentamt auf seinen „Arbeiter-Kontrolapparat“. Der Registrierapparat zeichnete die Zeitdauer der Anwesenheit der Arbeiter in der Fabrik über ein System von Marken, die an einer Nummerntafel auf- und niederklappbar mit Hebeln mechanisch gekoppelt waren, auf. Federn drückten die Schreibhebel auf eine umlaufende, mit Papier bespannte Trommel. Aus der Länge der von den Schreibstiften verzeichneten Linien war zu erkennen, wie lange jeder Arbeiter anwesend war.

Nicht nur in Deutschland, sondern weltweit rückten Zeiterfassungssysteme in den Fokus:

  • Eine Basis für die neuen Produkte legt der Schotte Alexander Dey mit seiner Erfindung eines Radialapparates um 1888.Hierbei handelt es sich um einen Zeiterfassungsmechanismus, der, betätigt von einem Hebel an einem halbkreisförmigen Rad, die entsprechende Zeit auf einen Papierstreifen druckt.
  • Am 20.11.1888 wurde eine Kontrolleinrichtung von Willard Legrand Bundy patentiert, ein weiterer Meilenstein in der Zeiterfassung. Der „Bundy-Apparat“ hinterließ bei der Betätigung Uhrzeit und Mitarbeiternummer auf einem Papierstreifen. Jeder Beschäftigte hatte einen eigenen Schlüssel, der in den Apparat gesteckt wurde. So war eine permanente Aufzeichnung möglich, wann genau der Beschäftigte morgens kam, zum Lunch ging oder die Arbeit verließ. Am 7. Oktober 1889 gründet Willard mit seinem Bruder in New York die Bundy Manufacturing Company, deren einzig wirklich erfolgreiches Produkt der „Bundy Time Recorder“ war.

Von der Stech- zur Stempeluhr

1894 schließlich wurde der „Workman’s Time Recorder“ von Daniel M. Cooper aus Rochester patentiert (US-Patent Nr. 528 223). Er verkaufte es schnell an seinen Geschäftspartner J. Louis Willard, der noch im gleichen Jahr mit dem Bestattungsunternehmer Frederick A. Frick die „Willard & Frick“ Company gründet. Unter dem Namen „Rochester-Kartenapparat“ wird Coopers Prinzip der Zeiterfassung mit Stempelkarte vermarktet. Das Besondere an dem Patent von Cooper ist neben der Wahl einer Stempelkarte (wöchentliche Aufzeichnung mit täglich vier möglichen Stempelungen) als Informationsträger auch noch ein automatischer Kartenvorschub, sodass die Zeitstempelungen nicht übereinander gedruckt werden. Es ist allen bis dahin bekannten Systemen klar überlegen.

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Auch Richard Bürk löst 1897 das Problem, dass Zeiten übereinandergestempelt werden mit der Entwicklung des sogenannten „Billeteurs“. Hier wurde die Uhrzeit bereits auf eine Karte gestempelt, die in einen einer Wanduhr ähnlichen Apparat eingeführt wurde. Durch eine Abschneidvorrichtung war der Vorschub gewährleistet und das Übereinanderstempeln der Zeiten verhindert.

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Die Bedeutung der Wächter-Kontrolluhren lies natürlich gegenüber den Arbeiter-Kontrollapparaten im Laufe der Zeit nach; der Begriff der Stechuhr jedoch wird umgangssprachlich weiter verwendet. Die Kontrolluhren, die man gemeinhin mit Stechuhr bezeichnet, sind eigentlich Stempeluhren, also Kartenapparate, die per Stempelung Daten auf Karten fixieren.

1910 beherrscht die International Time Recording Co. den Markt weitgehend. Nach mehreren Firmenzusammenschlüssen entsteht 1911 die Computing-Tabulating-Recording Company, die sich 1924 in International Business Machines Corporation – besser bekannt als IBM

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Quellen:

www.kontrolluhren.de

zeitag.ch/deutsch/blog/eine-kurze-geschichte-der-stechuhr

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