Auf der 21. Rapid.Tech 3D haben vom 13. bis 15. Mai 2025 rund 170 Aussteller und Referenten aus dem In- und Ausland aktuelle Entwicklungen und Anwendungen des Additive Manufacturing (AM) einem interessierten Publikum präsentiert.
Interessierte Besucher und angeregte Gespräche an den Ausstellungsständen.
(Bild: Christian Seeling/Messe Erfurt)
Die Rapid Tech 3D ist bekannt für ihre Mischung aus Kongress, Ausstellung und Netzwerkformaten. Bei Ausstellern, Referenten und Besuchern kam die in diesem Jahr nochmals enger gestaltete Vernetzung zwischen den Vortragsräumen und der Ausstellungshalle gut an. Von diesem Austausch profitieren alle Beteiligten, war vielfach als Fazit zu hören.
Zu dieser Vernetzung haben insbesondere Formate wie die Technical Deep Dives Touren und die Expertentische beigetragen. Bei den Technical Deep Dives erhielten die Teilnehmer direkt an den Ausstellerständen kurz und fundiert Einblicke in neue Technologien und Anwendungen. An den Expertentischen wurde u. a. über die Rolle des 3D-Drucks im Dental-Handwerk, über die additive Fertigung in der Implantologie, im Werkzeug- und Formenbau, über Herausforderungen des großformatigen PBF/LB-M-Drucks sowie zu Fragen der Normung und Standardisierung im kleinen Kreis diskutiert.
Buchtipp
Das Buch "Additive Fertigung" beschreibt Grundlagen und praxisorientierte Methoden für den Einsatz der additiven Fertigung in der Industrie und unterstützt Konstrukteure und Entwickler dabei, additive Verfahren erfolgreich in ihren Unternehmen zu implementieren.
Innovative und profitable AM-Lösungen im Fokus des Fachkongresses
Die Themen Innovation und Profitabilität bestimmten die vier Keynotes und 60 Vorträge im Fachkongress. In der Auftakt-Keynote sprach Dr. Karl-Heinz Dusel, Leiter der Technologieentwicklung für die additive Fertigung bei der MTU Aero Engines, über die Notwendigkeit sowie die Möglichkeiten, AM als eine wettbewerbsfähige Technologie in der Luftfahrtindustrie zu etablieren. Er zeigte die Wege von MTU dafür auf und nannte Vorgehensweisen zur Kostenreduzierung als wesentlichen Schlüssel.
Den zweiten Tag eröffnete Pat Warner, Advanced Digital Manufacturing Manager im BWT Alpine Formula One Team. Er gab exklusive Einblicke in die Formel 1-Welt, in der AM mittlerweile nicht mehr wegzudenken ist. Den Schwenk zum Produktionsalltag vollführte Max Schaukellis, Senior Projektleiter bei Roland Berger, mit seiner Keynote zur automatisierten AM-Fabrik. Diese mittels KI und Robotik verkettete automatisierte Produktion werde in ca. fünf bis zehn Jahren in die Fläche ausgerollt, prognostizierte er.
Die Abschluss-Keynote schloss thematisch den Kreis zur Eröffnungs-Keynote. Dr. Remzi Ecmel Ece, Manager der Abteilung Additive Fertigung bei Turkish Aerospace, stellte Weg und Vision der türkischen Luft- und Raumfahrt bei AM speziell für den Anwendungsbereich Flugzeugstrukturen vor. Dafür hat das Unternehmen eine Strategie-Road-Map aufgestellt, um in einem Zeitraum von 2022 bis 2027 die Fertigung zertifizierter AM-Bauteile für die Luftfahrtindustrie zu etablieren.
Podiumsdiskussionen zu Internationalisierung, Innovationen und Wirtschaftlichkeit von AM
Die Podiumsdiskussionen griffen nochmals wesentliche Themenstellungen der Rapid.Tech 3D aus verschiedenen Blickwinkeln auf. Die Internationalisierung des AM-Marktes stand am ersten Veranstaltungstag auf dem Programm. Hier spielten aktuell die Einflüsse der US-Politik und das Vordringen chinesischer Anbieter eine Rolle. Wichtig sei, dass es in Deutschland und Europa den politischen Willen gibt, die AM-Technologien voranzubringen. Insofern ist die im Koalitionsvertrag der neuen Bundesregierung formulierte Förderung der additiven Fertigung ein positives Signal. Als Chance werteten die Diskussionsteilnehmer auch den Weg, sich insbesondere in der Wehrtechnik unabhängiger von den USA zu machen. Das könne zu einem weiteren Entwicklungsschub führen.
Zum Abschluss der Veranstaltung diskutierten Mitglieder des Rapid.Tech 3D-Fachbeirates die Frage, die letztendlich über den Einsatz von AM entscheidet: Ist das wirklich profitabel? Innovation und Wirtschaftlichkeit bilden dabei zwei Seiten einer Medaille. Denn innovativ zu sein, heißt mit neuen Produkten und Leistungen Geld zu verdienen. Insofern wird sich die additive Fertigung gegenüber konventionellen Verfahren und Prozessen behaupten, wenn sie für den Kunden einen Mehrwert bietet. Die Diskutanten verwiesen auf Beispiele, die auch auf der Rapid.Tech 3D vorgestellt wurde, wie individuell gefertigte Schädelimplantate, die mit anderen Möglichkeiten gar nicht zu produzieren sind. Auch im Aerospace-Bereich finden sich Teile, die innovativ und damit profitabel sind.
Hochkarätige Auszeichnungen verliehen
In diesem Jahr wurden auf der Rapid.Tech 3D gleich mehrere hochkarätige Auszeichnungen verliehen. Der seit zehn Jahren veranstaltete internationale Designwettbewerb 3D Pioneers Challenge kürte zum Jubiläum der Schau in Erfurt den „Pionier der Dekade“. Die Ehrung erhielt das Team des Dvirs Lab der Tel Aviv University für ein 3D-gedrucktes, schlagendes Herz aus Stammzellen.
Ebenfalls ausgezeichnet wurden Dr. Dieter Schwarze und Dr. Matthias Fockele. Die Physiker sind Wegbereiter des Metall-3D-Drucks, der heute unter dem Namen LPBD zu den meistgenutzten metallischen AM-Verfahren gehört. Sie erhielten den Big Five Award 2024 für herausragende Leistungen in der additiven Fertigung.
Erstmals wurde der „Best Paper Award“ verliehen. Die wissenschaftliche Review-Kommission der rapid.tech 3D vergab diesen Premieren-Preis an Stefan Brenner von der Universität der Bundeswehr München. Sein Vortrag befasste sich mit der Fertigung von vakuumdichten Hochfrequenzkavitäten per Multi-Material PBF-LB/M, die als Schlüsselkomponenten in linearen Teilchenbeschleunigern eingesetzt werden.
Stand: 08.12.2025
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Wechsel an der Spitze des Fachbeirates
Der langjährige Vorsitzende des Fachbeirats Michael Eichmann hat sein Amt abgegeben. Der Manager bei Stratasys hat die Erfurter Veranstaltung von Anbeginn als ein leidenschaftlicher Gestalter und Verfechter für die Entwicklung des 3D-Drucks mit aufgebaut und geprägt. Er wird als Ehrenvorsitzender des Beirats weiterhin mit der rapid.tech 3D verbunden bleiben. Die Messe Erfurt dankt ihm herzlich für sein enormes Engagement.
Der Nachfolger von Michael Eichmann ist Dr. Karsten Heuser. Der Experte für additive Fertigung verantwortet bei Siemens Digital Industries die AM-Aktivitäten. Er gehört außerdem dem Vorstand der Arbeitsgemeinschaft Additive Manufacturing beim VDMA sowie weiteren Gremien an, die sich der Industrialisierung der additiven Fertigung widmen. Dr. Heuser wird den Beirat gemeinsam mit Prof. Dr. Seidel von der Hochschule München führen, der seit 2023 einen Beiratsvorsitz innehat.
Die nächste Rapid.Tech 3D findet vom 5. bis 7. Mai 2026 in Erfurt statt.