Normen und Richtlinien bilden einen Maßstab für einwandfreies technisches Vorgehen. Doch noch immer werden Verschraubungen nicht als eigenständiges Themenfeld erachtet, sondern als Nebenschauplatz innerhalb einer Montagetätigkeit. Dabei kommt ihnen eine zentrale Bedeutung zu.
In der Richtlinie VDI/VDE 2862 werden die Mindestanforderungen zum Einsatz von Schraubsystemen und -werkzeugen festgelegt.
(Bild: Akademie der Schraubverbindung (AdsV))
Ein 15er-Maulschlüssel passt auf eine 15er-Sechskantmutter. Ein zweimal über die jeweilige Längsachse gefalteter DIN A4-Bogen lässt sich exakt in einem Umschlag der Größe DIN C6 verstauen. Darauf ist Verlass. Dass es diese Verlässlichkeit auch in vielen anderen Lebens- und Unternehmensbereichen gibt, ist Normen geschuldet. Denn weder ein Gesetz noch eine Richtlinie verbieten es, Papiere, Umschläge, Schrauben oder Werkzeuge nach eigenen Maßen anzufertigen.
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„Es ist leider oft noch so, dass Verschraubungen nicht als eigenständiges Themenfeld erachtet, sondern als Nebenschauplatz innerhalb einer Montagetätigkeit beschieden werden“, weiß Holger Junkers, Schraubfachingenieur und Trainer an der Akademie der Schraubverbindung (AdSV) aus Erfahrung. Dabei kommt ihnen eine zentrale Bedeutung zu, was durch verschiedene VDI-Richtlinien und Normen untermauert wird. Grundlage für alle industriellen Schraubverbindungen ist die Richtlinie VDI/VDE 2862 mit den Geltungsbereichen Automobilindustrie auf Blatt 1 und dem Bereich Maschinen- und Anlagenbau auf Blatt 2. In ihr werden die Mindestanforderungen zum Einsatz von Schraubsystemen und -werkzeugen festgelegt. Junkers: „Das ist Basiswissen. Doch selbst dies ist nicht allen, die Verschraubungen vornehmen oder warten, bekannt.“
Es geht nicht nur darum, eine Verschraubung den jeweiligen Anforderungen gemäß anzuziehen, sondern dies auch nachprüfbar zu gestalten.
Holger Junkers, Schraubfachingenieur und Trainer an der Akademie der Schraubverbindung (AdSV)
Die Unkenntnis von Vorgaben wie der VDI/VDE-MT 2637, die sich mit der systematischen und bedarfsgerechten Qualifikation von Personal im schraubtechnischen Bereich befasst, gepaart mit unprofessioneller Herangehensweise kann gravierende Folgen haben. „Es geht nicht nur darum, eine Verschraubung den jeweiligen Anforderungen gemäß anzuziehen, sondern dies auch nachprüfbar zu gestalten“, stellt der Trainer und Verschraubungscoach heraus: „Im Schadensfall muss der Akteur, der zuletzt an einer Verschraubung oder einem Flansch gearbeitet hat, nachweisen, dass er korrekt und den Vorgaben gemäß hantiert hat. Sonst drohen hohe Forderungen, die aufgrund von Produktionsausfällen, Umweltverschmutzung oder im schlimmsten Fall durch Personenschäden existenzgefährdend sein können.“ Daher seien „Kenntnisse und Erfahrungen im Umgang mit der Richtlinie VDI/VDE-MT 2637 unabdingbar für gute Arbeit und die persönliche Absicherung“.
Qualifiziertes Wissen zur VDI/VDE-MT 2637 erlaubt einem Anwender nicht nur die Anforderungen der ISO 9001 zu erfüllen, sondern dient als Nachweis einer fachlichen Aus- und Weiterbildung nach Stand der Technik. Mehr noch: „Mit diesem Wissen erweitert sich das Kompetenzfeld und damit das Einsatzgebiet: Qualifizierte Anwender können zum Beispiel bei Wartungsarbeiten fehlerhafte Verschraubungen lokalisieren und so zur Sicherheit ihrer Kunden oder des eigenen Unternehmens beitragen“, lobt Junkers. Kenntnisse von der VDI/VDE-MT 2637 sind nicht nur für Anwender von Bedeutung, sondern dienen auch Entscheidern innerhalb eines Unternehmens: Welche Qualifikationen sind im Unternehmen vorhanden, welche Normen und Richtlinien lassen sich von Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern nachweisen oder erfüllen? Welche Aufgaben und Herausforderungen können damit übernommen werden bei Einhaltung höchster Standards? Wo gibt es Bedarfe, um das komplexe Feld der Verschraubungen sicher abzudecken?
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Nur die Kenntnis über Normen- und Richtlinien hilft Anwendern nicht
Die Richtlinie VDI/VDE-MT 2637 ist allerdings kein durchgängiges Dokument, sondern in 52 Qualifizierungsbausteine unterteilt. Die Q-Bausteine beziehen sich ausschließlich auf fachspezifischen Themen innerhalb der Schraubtechnik. Sie unterteilen sich in die Stufen „Kennen“, „Können“ und „Beherrschen“. Schulungen zur VDI/VDE-MT 2637 sollten passend dazu bedarfsorientiert durch Trainer erfolgen, die sowohl über theoretisches Wissen als auch praktische Erfahrungen verfügen. Denn allein die Kenntnis über Normen- und Richtlinien hilft Anwendern bei der Ausübung ihrer Arbeiten nicht weiter. Und genau daran orientiert sich das Angebot der Akademie der Schraubverbindung (AdSV), das Praxis und Theorie miteinander verbindet.
Wie wichtig die Qualifikation und der Wissenstransfer in der Schraubtechnik ist, machte Rainer Janecke von der Stahlwille Eduard Wille GmbH & Co. KG in seinem Vortrag auf der Schraubtec-Ost in Dresden im November deutlich. „Schrauben kann ja jeder“ – diese Aussage wird immer noch häufig getroffen, wenn es um die Rechtfertigung für Qualifikationen in der Schraubtechnik geht. Allein die von Janecke präsentierten Zahlen sprechen für sich: Pro Jahr gibt es in Schweißtechnik 180.000 Qualifikationen. In der Schraubtechnik hingegen sind es gerade einmal 60. Dieses Ungleichgewicht in Lot zu bringen hat sich der VQWS, Verband für Qualifikation und Wissenstransfer in der Schraubtechnik, zur Hauptaufgabe gemacht. So gebe die VDI/VDE MT 2637-1 zwar Aufschluss darüber, welche Mindestanforderungen in den jeweiligen Tätigkeiten innerhalb der Schraubtechnik gefordert sind. Sie beantwortet aber nicht die Fragen:
Stand: 08.12.2025
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Wer kann die jeweiligen Kompetenzen vermitteln?
Welche Anforderungen sind an einen qualifizierten Trainer zu bestimmen?
Wie finde ich einen geeigneten Trainer, LDL (Lern-Dienst-Leister)?
Antworten auf diese Fragen und damit einen passenden Leitfaden soll die VDI/VDE MT 2637-2 geben. Sie leistet die erforderliche Hilfestellung für die fachlichen und didaktischen Anforderungen. Jedoch fallen die Trainer nicht vom Himmel. Der neue Verband VQWS hat es sich zur Aufgabe gemacht, Schraubtechnik-Trainer zu qualifizieren und zu zertifizieren.