Continental setzt in der Reifenproduktion zunehmend auf nachwachsende und recycelte Materialien. Dabei setzt das Unternehmen bei den Füllstoffen Ruß und Silicia auf recycelte oder nachwachsende Quellen.
Continental setzt im gesamten Reifen-Portfolio verstärkt auf Silica-Varianten, die aus der Asche von Reishüllen gewonnen werden.
(Bild: Continental)
Continental will bis 2030 den Anteil von nachwachsenden und recycelten Materialien in der Reifenproduktion auf mehr als 40 Prozent steigen – bei gleichbleibend hohen Sicherheits- und Leistungseigenschaften.
Dabei spielen Ruß und Silica bei dieser Transformation eine entscheidende Rolle, denn neben Kautschuk machen sie einen Großteil des Rohmaterialanteils in der Reifenproduktion aus. Beide sind Füllstoffe, die das Gummi etwa in der Reifenlauffläche widerstandsfähig machen und die für wesentliche Qualitätseigenschaften von Reifen wie das Grip- oder Bremsverhalten mitverantwortlich sind.
Innovationskraft und Nachhaltigkeit gehen bei Continental Hand in Hand. Dass wir beispielsweise Silica aus der Asche von Reishüllen in unseren Reifen nutzen, zeigt, dass wir ganz neue Wege einschlagen – ohne Kompromisse bei Sicherheit, Qualität und Performance unserer Reifen.
Jorge Almeida
Continental bezieht beide Materialien anteilig aus recycelten oder nachwachsenden Quellen, um den Ressourceneinsatz zu reduzieren. Silica, ein Füllstoff der für optimalen Grip und geringeren Rollwiderstand sorgt, kann aus der Asche von Reishüllen statt aus Quarzsand gewonnen werden. Die Kornhüllen des Reis sind ein landwirtschaftliches Nebenprodukt, zum Beispiel aus der Risottoreis-Produktion. Für das Rohmaterial Ruß wiederum setzt Continental auf drei innovative Verfahren. Zum einen kann Ruß statt aus Rohöl auch aus biobasierten Alternativen wie Tallöl, einem Abfallprodukt in der Papierindustrie, hergestellt werden. Zum anderen durch recycelte Rohstoffe wie beispielsweise Pyrolyseöl aus Altreifen sowie mittels eines besonders effizienten Pyrolyseprozesses, der den Ruß aus Altreifen rückgewinnt.
„Innovationskraft und Nachhaltigkeit gehen bei Continental Hand in Hand. Dass wir beispielsweise Silica aus der Asche von Reishüllen in unseren Reifen nutzen, zeigt, dass wir ganz neue Wege einschlagen – ohne Kompromisse bei Sicherheit, Qualität und Performance unserer Reifen“, sagt Jorge Almeida, Leiter Nachhaltigkeit des Reifenbereichs bei Continental.
Silica: nachhaltigeres Rohmaterial aus der Asche von Reishülsen
Continental setzt im gesamten Reifen-Portfolio verstärkt auf Silica-Varianten, die aus der Asche von Reishüllen gewonnen werden. Die Reishülsen sind ein landwirtschaftliches Nebenprodukt in der asiatischen Agrarindustrie und auch in der italienischen Risottoreis-Produktion. Hergestellt wird diese Art von Silica unter anderem von Solvay in Italien. Mithilfe innovativer Verarbeitungsmethoden entsteht hier aus einem landwirtschaftlichen Nebenprodukt Silica. Die Art der Herstellung aus Biomasse ist dabei energieeffizienter als herkömmliche Produktionsprozesse. So unterstützt Silica aus Reishülsenasche die Kreislaufwirtschaft und trägt zu einer nachhaltigeren Wertschöpfungskette bei. Traditionell wird das Rohmaterial Silica, auch Kieselerde genannt, aus Quarzsand gewonnen. Silica ist seit rund 30 Jahren eine wichtige Ergänzung zum Füllstoff Ruß in vielen Reifengummi-Komponenten – Continental gehörte seinerzeit zu den Pionieren dieser innovativen Technologie. Silica hat die Fahrsicherheit und die Energieeffizienz von Reifen revolutioniert und entscheidend daran mitgewirkt, die Bremswege um fast 50 Prozent zu verkürzen. Und, ebenso wichtig: Durch den Einsatz in Laufflächenmischungen trägt Silica dazu bei, den Rollwiderstand und damit Energieverbrauch sowie CO2-Emissionen zu reduzieren. Das zeigt, wie der Einsatz von einem nachhaltigeren Material wie Silica aus Reishülsen in der Reifenproduktion von Continental einen positiven Effekt entlang der Wertschöpfungskette haben kann.
Biobasierter und rückgewonnener Industrieruß für eine nachhaltigere Reifenproduktion
Ruß ist mit bis zu 20 Prozent des Gesamtgewichts, etwa eines Pkw-Reifens, einer der entscheidenden Füllstoffe in der Reifenproduktion. Er ist wesentlich für die Festigkeit des Gummis und somit für die Langlebigkeit des Reifens verantwortlich. Rund ein Dutzend verschiedene Rußvarianten – Carbon Blacks genannt – von Anbietern wie Orion Engineered Carbons und Tokai Carbon kommen bei Continental in der Reifenproduktion zum Einsatz. Für die Stabilität der Seitenwand eines Reifens beispielsweise wird anderer Industrieruß verwendet als für die Gummimischung der Lauffläche, die aufgrund der einwirkenden Kräfte beim Fahren nach einer besonderen Festigkeit verlangt.
Eine eingesetzte Lösung sind biobasierte Ruße, die aus organischem Öl statt aus Rohöl gewonnen werden. Diese sogenannten Sustainable Carbon Blacks können auf Basis von Bio-Rohstoffen wie beispielsweise Tallöl hergestellt werden. Ein weiteres Verfahren zur Förderung nachhaltigerer Materialien ist die Verwendung recycelter Rohstoffe. So kann beispielsweise nachhaltiger Ruß unter Verwendung von recyceltem Pyrolyseöl aus Altreifen hergestellt werden. Dieses kann als Äquivalent zu fossilem Öl eingesetzt werden. In beiden Fällen setzt Continental auf das Massebilanzverfahren. Dabei wird ein definierter Anteil fossiler Rohstoffe durch Bioöle oder recyceltes Pyrolyseöl ersetzt. Diese alternativen Rohstoffe werden bilanziell dem Endprodukt zugeordnet, ohne dass bestehende Produktionsprozesse angepasst werden müssen.
Stand: 08.12.2025
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Darüber hinaus ist es Continental gemeinsam mit Pyrum Innovations, einem Spezialisten für das Wiederaufbereiten von Altreifen via Thermolysetechnologie, gelungen, das Recycling von Altreifen durch Pyrolyse weiter zu optimieren und auszubauen. Damit wird der Ruß aus Altreifen extrahiert und für die erneute Verwertung in der Neureifenproduktion aufbereitet. Bisher kommt der rückgewonnene Ruß – eine Mischung verschiedener Rußsorten – bei Continental in der Produktion von Gabelstaplerreifen zum Einsatz. Continental und Pyrum Innovations arbeiten derzeit an neuen Prozessen, um den recycelten Ruß entsprechend der jeweiligen Leistungs- und Sicherheitsansprüche auch für Reifen in weiteren Einsatzgebieten nutzbar zu machen.