Mehrere chinesische Hersteller haben inzwischen eigene roboter-assistierte Chirurgie-Apparate entwickelt, die nur rund ein Viertel dessen kosten, was der berühmte „Da-Vinci“-Chirurgieroboter kostet – ein Grund dafür, dass Chirurgie-Roboter derzeit einer der heißesten Trends auf dem chinesischen Robotik-Markt sind.
Konkurrenz für „Da Vinci“: erste in China entwickelte Chirurgie-Roboter drängen dort auf den Markt.
(Bild: AndSus - stock.adobe.com)
Im Oktober 2021 hat der endoskopische Chirurgie-Roboter „Miaoshou-S“ der chinesischen Firma Wego in der Volksrepublik seine Zulassung erhalten. Im Januar dieses Jahres wurde auch der „Tumai“ zugelassen, der von der „Shanghai MicroPort MedBot (Group) Co., Ltd.“ entwickelt worden ist. „Zwei in der Heimat produzierte endoskopische Chirurgie-Roboter sind jetzt auf dem Markt und brechen damit das Monopol des Da-Vinci-Roboters,“ jubelte das chinesische Industrie-Fachportal Zhongguo Gongye Xinwenwang.
Das große Potenzial der Medizintechnik
Lange Zeit hatte das US-amerikanische Unternehmen Intuitive Surgical mit dem Da-Vinci-Roboter in China alle Vorteile eines Monopolisten genossen: Die Produkte dominierten den Markt. Ein einziges Gerät konnte in China zum Preis von 20 Millionen Yuan (rund 2,8 Millionen Euro) verkauft werden, noch teurer als auf dem europäischen Markt.
Doch seit 2018 schon laufen die Patente dafür nach und nach aus. Seither investieren nicht nur internationale Hersteller von medizinischen Geräten wie Siemens, Medtronic, Johnson & Johnson oder Stryker vermehrt in die Entwicklung solcher Geräte. Auch chinesische Firmen wittern eine große Chance auf einem neuen „100-Milliarden-Markt“.
Bezahlbare Robotik-Chirurgie im Fokus
China hat schon jetzt weltweit die meisten Patienten, die chirurgische Eingriffe benötigen. Und es hat eine rasch alternde Bevölkerung, also wird dieser Bedarf in den kommenden Jahren vermutlich noch einmal stark wachsen. Für die meisten chinesischen Patienten waren Operationen mit Chirurgie-Robotern, deren „Hände niemals zittern“ und ihre Optik und Positionierungs-Technik eine hohe Präzision bei minimal-invasiven Eingriffen versprechen, bisher schlicht unbezahlbar.
Eine Operation mithilfe von Da Vinci kostet etwa 30,000 Yuan mehr als eine normale Operation.
Quelle: Chinesisches Wirtschafts-Portal Jiemian
Die Kosten für eine Da-Vinci-OP stellen in China selbst für die meisten Angehörigen der neuen Mittelschicht immer noch ein Vermögen dar.
Die Preise für die neuen Geräte von chinesischen Herstellern liegen Medienberichten zufolge bei rund fünf Millionen Yuan (rund 700.000 Euro) pro Gerät, sind damit auf dem chinesischen Markt also etwa drei Viertel günstiger als der Da-Vinci-Roboter.
Technologischer Aufholbedarf für chinesische Hersteller
Der „Miaoshou“-Roboter von Wego ist in Kooperation mit Forschern der Universität von Tianjin entwickelt worden. Schon seit Beginn der klinischen Testphase ist unter Experten in China zu hören, dass das Gerät technisch noch nicht auf derselben Höhe sei wie der Da Vinci. Für den Chirurgen am Terminal fühle sich die Arbeit mit dem Roboter aus Kalifornien wie das Fahren einer Luxuslimousine an, die Arbeit mit einem Miashou dagegen „wie die Fahrt mit einem Einkaufswagen“, zitierte Jiemian einen Insider.
Allerdings käme man mit diesem Einkaufswagen auch irgendwann ans Ziel, fügte der Autor des Berichtes hinzu. Für die Patienten sei der qualitative Unterschied gar nicht so groß –- der Preis der Behandlung aber schon.
All das hat dazu geführt, dass Chirurgie-Roboter momentan einer der heißesten Trends auf dem chinesischen Robotik-Markt geworden sind. Als erster chinesischer Hersteller ist im vergangenen November die Firma Medbot aus Shanghai in Hongkong an die Börse gegangen. Das Unternehmen in Shanghai freut sich darüber, jetzt oft als „das chinesische Intuitive Surgical Chinas“ genannt zu werden. Kein Wunder, denn der Preis einer Aktie der Kalifornier war von 9 USD im Jahr 2000 auf 350 USD explodiert. „Kann Medbot den Wachstums-Mythos von Intuitive Surgical replizieren?” fragt das chinesischen Nachrichtenportal Tiantian Xinwen.
Neben dem laparoskopischen Chirurgie-Roboter Tumai hat Medbot auch ein Chirurgie-System für Operationen an Gelenken entwickelt, den „Honghu“. Und mit dem Geld von Investoren hatte das Unternehmen in Shanghai schon vor seinem Börsengang damit begonnen, ausländische Firmen wie Robocath, NDR und Biobot zu übernehmen, um sein Produktportfolio schnell zu erweitern.
Großes Potenzial für Chirurgie-Roboter
Viele Beobachter sagen dem Markt für Chirurgie-Roboter in China derzeit aus zwei Hauptgründen ein beschleunigtes Wachstum voraus:
Zum einen hat die Pekinger Zentralregierung dieses Industrie-Segment zu einem Fokus ihrer industriepolitischen Aufholjagd gegenüber den USA und dem Westen gemacht. Im „14. Fünf-Jahresplan für die Entwicklung der medizinischen Geräteindustrie”, der im vergangenen Dezember veröffentlicht worden ist, wird explizit die „Beschleunigung von Durchbrüchen in Schlüsseltechnologien wie intelligenten Chirurgie-Roboter“ als industriepolitisches Ziel genannt.
Zum anderen schreitet der Ausbau des 5-G-Netzes in China sehr rasch voran. Damit erhalten Anwendungen aus den Bereichen „Augmented Reality“ (AR) oder „Virtual Reality“ (VR) für die roboter-assistierte Chirurgie momentan eine völlig neue Aufmerksamkeit.
In China, das wir als „Land“ wahrnehmen, das aber von seiner Fläche her so groß ist wie ein ganzer Kontinent, mit seinen großen Entfernungen und seiner ungleichmäßigen medizinischen Versorgung zwischen Stadt und Land, ist das Interesse an Telemedizin sehr groß. Schon im März 2019 hat das Volkskrankenhaus in Shenzhen die erste hepatobiläre Operation mithilfe von AR/VR- und 5G-Technik durchgeführt, womit sie live von Experten aus einen Krankenhaus der renommierten Tsinghua-Universität in Peking unterstützt werden konnten.
Stand: 08.12.2025
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Derzeit spielen die chinesischen Hersteller von Chirurgie-Robotern noch „Catch Up“ gegenüber der Konkurrenz in den USA und in Europa. Doch eine für technologische Neuerungen aufgeschlossene Ärzteschar, überzeugte Investoren und die Entschlossenheit der kommunistischen Staats- und Parteiführung, bei medizinischen High-Tech-Geräten die Monopole westlicher Länder zu brechen, lassen mittelfristig sehr schnelle Fortschritte für die Entwicklung und Vermarktung von Chirurgie-Robotern in China erwarten.
* Henrik Bork, langjähriger China-Korrespondent der Süddeutschen Zeitung und der Frankfurter Rundschau, ist Managing Director bei Asia Waypoint, einer auf China spezialisierten Beratungsagentur mit Sitz in Peking. „China Market Insider“ ist ein Gemeinschaftsprojekt der Vogel Communications Group, Würzburg, und der Jigong Vogel Media Advertising in Beijing.