Datenübertragung Internet in China jetzt drei Mal so schnell wie in Deutschland

Von Henrik Bork 3 min Lesedauer

Anbieter zum Thema

150 Filme in HD pro Sekunde – das soll jetzt in China möglich sein. Dort wurde kürzlich ein neues Backbone-Netzwerk mit einer Bandbreite von 1,2 Terabyte in Betrieb genommen.

Experten hatten Terabyte-Bandbreiten frühestens ab 2025 für möglich gehalten, in China hat nun aber ein entsprechendes Backbone-Netzwerk den Betrieb aufgenommen. (Bild:  xiaoliangge - stock.adobe.com)
Experten hatten Terabyte-Bandbreiten frühestens ab 2025 für möglich gehalten, in China hat nun aber ein entsprechendes Backbone-Netzwerk den Betrieb aufgenommen.
(Bild: xiaoliangge - stock.adobe.com)

China hat jetzt das schnellste Internet der Erde: Eine neues Backbone-Netzwerk mit einer Bandbreite von 1,2 Terabyte (1.200 Gigabits pro Sekunde) wurde gerade offiziell in Betrieb genommen. Das ist drei Mal so schnell wie das schnellste Netz der Telekom (400 Gigabits pro Sekunde) und ähnliche Netze in den USA.

Die 3.000 Kilometer lange Glasfaserverbindung wurde durch ganz China verlegt – von Peking im Norden über Wuhan in Zentralchina bis nach Guangzhou im Süden. Die Datenübertragungsrate ist so schnell, dass damit 150 Filme in HD pro Sekunde übertragen werden könnten.

Seit zehn Jahren in Arbeit

Die Vorbereitungen für das ultraschnelle Kabel hatten vor zehn Jahren begonnen. Im Projekt FITI (Future Internet Technology Infrastructure) kooperieren das chinesische Erziehungsministerium, die Tsinghua-Universität und 39 weitere Unis sowie führende chinesische Hersteller. Seit Juli war der neue Backbone getestet worden und zeige sich „stabil und verlässlich” bei 1,2 TB, hieß es. Jetzt ist das Glasfaserkabel offiziell in Betrieb genommen und auf einer Pressekonferenz in Peking vorgestellt worden.

Damit ist China ein weltweiter Rekord gelungen: Experten hatten Terabyte-Bandbreiten frühestens ab 2025 für möglich gehalten:

Selbst die USA haben erst kürzlich den Wechsel zu ihrem Internet2 der fünften Generation mit 400 Gigabits pro Sekunde abgeschlossen.

South China Morning Post in Hongkong

Digitalisierung verlangt hohe Übertragungsraten

Backbone-Netzwerke und ihre Geschwindigkeit sind instrumental für die Forschung und Entwicklung, aber auch für die Kommerzialisierung neuer Technologien wie künstliche Intelligenz, das autonome und vernetzte Fahren sowie die Digitalisierung und Automatisierung der Fertigungsindustrie. Auch der Aufbau von „Smart Cities“ ist ohne sie kaum denkbar. Die Geschwindigkeit des Backbones hat daher fundamentale Auswirkungen auf die Zukunftsfähigkeit eines Landes.

Anwendungen wie die Cloud, 5G oder 6G, oder auch das Internet of Things (IoT) generieren immer größere Datenmengen. Ein langsames nationales Rückgrat für ihre Übertragung wirkt daher wie ein Flaschenhals, der die gesamte Modernisierung eines Landes ausbremst.

Deutschland beispielsweise, dessen Backbone noch zu großen Teilen aus überholten Kupferkabeln besteht, kann seinen Endusern nur noch Datenübertragungs-Geschwindigkeiten zur Verfügung stellen, die selbst im europäischen Vergleich inzwischen sehr langsam sind.

Neue Schlüsseltechnologien in China entwickelt

Die beeindruckende Bandbreite des neuen FITI-Netzwerkes in China sei aufgrund neuer Schlüsseltechnologien möglich geworden, die in China selbst entwickelt wurden, berichtete das chinesische Staatsfernsehen. Neben der Tsinghua-Universität und Forschern des dort ansässigen Forschungsnetzwerks Cernet (China Education and Research Network) waren auch China Mobile und der Technologiekonzern Huawei an der Entwicklung beteiligt, berichtete der Staatssender CGTN. Gemeinsam habe das Team neue Hardware und Software entwickelt, darunter einen eigenen Kern-Router mit einem ultraschnellen IPv6-Interface und ebenso fortgeschrittener Mehrweg-Aggregation für drei Mal 400G.

Was chinesische Experten sagen

  • FITI-Projektleiter Wu Jianping von der Chinese Academy of Engineering sagte in Medieninterviews, der neue Backbone sei „nicht nur eine erfolgreiche Unternehmung“, sondern gebe China auch die „fortgeschrittene Technologie, um ein noch schnelleres Internet zu bauen“.
  • Der Computer-Wissenschaftler Xu Mingwei von der Tsinghua-Universität verglich das neue Internet-Kabel durch ganz China mit einem Eisenbahn-Netzwerk, bei dem zehn herkömmliche Schienen durch eine einzige Schiene für einen superschnellen Hochgeschwindigkeitszug ersetzt worden sind.
  • Der neue FITI-Backbone sei jedoch nicht nur ein Fortschritt für Chinas Digitalisierung, sondern auch „ein wichtiger Meilenstein für die Entwicklung der globalen Internet-Infrastruktur,“ kommentierte die chinesischen Wissenschaftszeitung Keji Ribao.

* Henrik Bork, langjähriger China-Korrespondent der Süddeutschen Zeitung und der Frankfurter Rundschau, ist Managing Director bei Asia Waypoint, einer auf China spezialisierten Beratungsagentur mit Sitz in Peking. „China Market Insider“ ist ein Gemeinschaftsprojekt der Vogel Communications Group, Würzburg, und der Jigong Vogel Media Advertising in Beijing

(ID:49827138)

Jetzt Newsletter abonnieren

Verpassen Sie nicht unsere besten Inhalte

Mit Klick auf „Newsletter abonnieren“ erkläre ich mich mit der Verarbeitung und Nutzung meiner Daten gemäß Einwilligungserklärung (bitte aufklappen für Details) einverstanden und akzeptiere die Nutzungsbedingungen. Weitere Informationen finde ich in unserer Datenschutzerklärung. Die Einwilligungserklärung bezieht sich u. a. auf die Zusendung von redaktionellen Newslettern per E-Mail und auf den Datenabgleich zu Marketingzwecken mit ausgewählten Werbepartnern (z. B. LinkedIn, Google, Meta).

Aufklappen für Details zu Ihrer Einwilligung