Planetengetriebe Auge in Bewegung: Technik trifft auf Dramatik
Hinter dem gigantischen Auge des Tosca-Bühnenbilds auf der Seebühne in Bregenz steckt eine aufwändige Bühnentechnik, die für atemberaubende Szenenwechsel sorgt. Im Iris-Hub verrichten Planetengetriebe ihren Dienst.
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Wenn Puccinis packender Opernthriller „Tosca“ um Liebe, Macht und Eifersucht die Zuschauer in seinen Bann zieht, James Bond in seinem neuen Film „Quantum of Solace“ auf Schurkenjagd geht und Johannes B. Kerner & Co. im ZDF-EM-Studio über großen Fußball philosophieren, dann spielt das gigantische Auge der Tosca mit Rexroth-Technik eine Hauptrolle.
Vor allem seine Iris hat es in sich: Sie ist ein kreisrunder Ausschnitt mit einem Durchmesser von zwölf Metern, der am Kopf eines 20 Meter langen Kranarms befestigt ist. Die Plattform kann um eine mittig gelegene Querachse annähernd in die Horizontale geschwenkt werden. Als schiefe Ebene mit einem Neigungswinkel von zirka zehn Grad bildet die Iris den Schauplatz für den dramatischen Höhepunkt der Oper.
Dreistufiges Planetengetriebe im Sondereinsatz
Diese Schwenkbewegung ermöglichen zwei außen an der Querachse verbaute Getriebe GFT 110 von Rexroth, die von je einem Drehstrommotor angetrieben werden. Das eingesetzte GFT 110 ist ein dreistufiges Planetengetriebe mit einem Abtriebsmoment von 110 kNm und ist als Fahrgetriebe eigentlich für den Einsatz in hydraulischen Antrieben schwerer Arbeitsmaschinen wie Radlader oder Raupenbagger konzipiert.
Doch ungewöhnliche Aufgabenstellungen erfordern ungewöhnliche Lösungen und Mittel. Die Anforderungen der Festspieltechniker: Geringer Platzbedarf, hohes Drehmoment, Zuverlässigkeit. „Wir stellen sehr hohe Ansprüche an unsere Bühnentechnik“, erläutert Gerd Alfons, Technischer Direktor der Bregenzer Festspiele. Sie müsse absolut unauffällig ihren Dienst tun, also auch im Betrieb weder zu sehen noch zu hören sein. „Das Publikum darf nichts davon mitbekommen.“
Die Ausfallsicherheit steht dabei an erster Stelle. „Insbesondere für sensible Bereiche wie die Bewegung der Irisplattform spielen Qualität und Zuverlässigkeit der Produkte eine sehr wichtige Rolle“, ergänzt Festspieltechniker Wolfgang Bruckschwaiger, Detailprojektleiter für die Iris-Hubtechnik. „Das Planetengetriebe GFT 110 ist dafür die optimale Lösung.“
Rexroth-Getriebe als Referenz vorgegeben
In der Ausschreibung der Festspielhaus-Technik und den Bühnenstatikern für den Kulissenbau war das Rexroth-Getriebe daher als Referenz vorgegeben. Den Zuschlag für Konstruktion und Aufbau des Iris-Hubs bekam die Firma Steurer Maschinen und Seilbahnen in Doren in Vorarlberg, traditionell einer der wichtigsten Lieferanten für die verschiedenen Aufbauten auf der Seebühne. Insgesamt sind sechs Unternehmen an Bühnenbild, Konstruktion und Technik für die Inszenierung der Tosca beteiligt. „Die Entscheidung der Festspieltechnik, sich auf das GFT 110 festzulegen, ist für uns absolut nachvollziehbar“, konstatiert Johannes Bereuter, Steurer-Projektleiter.
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