Engineering-Forum Kunststoff Anforderungen an den Konstrukteur der Zukunft

Redakteur: Dipl.-Ing. Dorothee Quitter

Neue Verarbeitungsverfahren, neue Materialien, steigende Qualitätsansprüche und zunehmender globalisierter Wettbewerb stellen Konstruktionsbüros vor immer komplexer werdende Aufgaben. Am 23. Oktober 2008 beschäftigte sich das dritte Fränkische Engineering-Forum in Thurnau mit diesen Themen.

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In seinem Auftaktvortrag forderte Ludwig Gansauge von der Christian Karl Siebenwurst Modellfabrik und Formenbau GmbH & Co. KG aus Dietfurt Standardisierungslösungen für den Formenbau. Auch die Unikat-Fertigung ermöglicht es durchaus, industrielle Standardisierungsarbeitsweisen zu übernehmen. Viele Routineaufgaben müssten dadurch nicht immer neu gelöst werden und erlauben es, sich um den eigentlichen Knackpunkt der Konstruktionsaufgabe intensiv zu kümmern, so der Referent.

Eine innovative Methode, Innovationen marktgerecht zu gestalten, stellte Michael Putz von der LEAD Innovation Management GmbH aus Wien vor. Unter zu Hilfenahme von führenden Anwendern, sog. LEAD-Usern, teils aus analogen Technologiebereichen, wird es durch entsprechend gezielte Moderation und Teamsteuerung möglich, neue marktgerechte Innovationen in kürzester Zeit zu generieren. Am Beispiel eines Heimsanitärproduktes zeigte er die Möglichkeiten dieser Vorgehensweise plakativ auf.

Kostengerechte Konstruktion als Wettbewerbsvorteil war das Thema von Matthias Ellner von der Proma high qualitiy engineering GmbH. Es gilt bei der Kostenbetrachtung bei Konstruktionsprozessen neben der genauen Steuerung und Planung des Konstruktionsprozesses insbesondere die Lebenszykluskosten des Produktes in die Betrachtungen einzubeziehen. Man muss sich immer bewusst sein, dass bei der Konstruktion eines Produktes die Einzel- und Gemeinkosten zum größten Teil und häufig nicht reversibel festgelegt werden. Durch die Einbeziehung externer Experten wird es möglich, kürzere Entwicklungszeiten zu erreichen und dabei betriebsübergreifendes Knowhow in die eigene Produktgestaltung einzuführen.

Walter Hogger, von der HBB Engineering GmbH aus Anger, ging der Frage nach: „Konstrukteur der Zukunft – Spezialist und/oder Generalist?“. Nach einem intensiven Vergleich der Entwicklung des Arbeitsplatzes, der Konstruktionswerkzeuge, der Kommunikationsmöglichkeiten und Informationsbeschaffung sowie der Produktvorstellung und Präsentation, verbunden mit Verwaltung und Dokumentation, formulierte der Referent verschiedene Anforderungen an den Konstrukteur der Zukunft und kam zu dem Fazit, dass auch in Zukunft Spezialisten gebraucht werden, jedoch wird die Bandbreite der Anforderungen an den einzelnen Konstrukteur immer weiter zunehmen.

Diese Aussage bestätigte auch Thomas Huber von der Change Consultants Systemische Unternehmensberatung GmbH in Regensburg, der in seinem Vortrag auf die Bedeutung der Führung und Kommunikation in Entwicklungsprozessen hinwies. Herr Huber zeigte an einem anschaulichen Beispiel, welche Auswirkungen Veränderungsprozesse im Unternehmen haben können, er unterstrich die Bedeutung der persönlichen Kommunikation für die Mitarbeiterbindung und die Mitarbeiterzufriedenheit und forderte eine konsequente Projektorganisation mit klar verteilten Rollen, Zuständigkeiten und Kompetenzen.

Im letzten Vortrag führte Rolf Bücker von der Brose Fahrzeugteile GmbH & Co. KG aus Hallstadt die Ausführungen des Tages noch einmal an einem praktischen Beispiel zusammen. Er zeigte anhand der Entwicklung eines hoch integrierten Türinnenträgermoduls, vor welchen Herausforderungen Konstrukteure bei komplexen Systemen stehen können. Neben materialtechnischen Fragestellungen galt es, sämtliche Vorgaben der Automobilindustrie zu erfüllen und gleichzeitig die wirtschaftlichen Zielsetzungen des Unternehmens zu berücksichtigen. Gemeinsam mit externen Partnern von der Neue Materialien Bayreuth GmbH wurde eine Lösung gefunden, die schließlich mit dem oberfränkischen Innovationspreis ausgezeichnet wurde.

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