Kabel 320.000-Volt-Kabel bindet Offshore-Windparks ans Netz

Redakteur: Juliana Schulze

ABB hat mit einem Hochspannungskabel einen neuen Weltrekord für Kabelsysteme aufgestellt. Das Kabel erreicht mit 320 Kilovolt (kV) einen neuen Spannungs- und Leistungsrekord für vernetzte Kunststoffkabel im Bereich der Hochspannungs-Gleichstromübertragung (HGÜ).

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Das HVDC-Light-Seekabel wird auf einem Drehteller gelegt, um es im Meer verlegen zu können. (ABB)
Das HVDC-Light-Seekabel wird auf einem Drehteller gelegt, um es im Meer verlegen zu können. (ABB)

Das Hochspannungskabel wird bei der Technologie HVDC Light (Hochspannungs-Gleichstrom-Übertragung) eingesetzt. Mit dieser Technologie soll im Auftrag des Übertragungsnetzbetreibers TenneT den im Cluster DolWin1 gelegenen Windpark Borkum West II (400 MW) sowie weitere Windparks, die in der Nähe entstehen werden, an das deutsche Stromnetz anschließen. Die 320-kV-Kabel sind die ersten ihrer Art, die bisher bei HVDC Light zum Einsatz kommen. Nie zuvor wurde eine so hohe Leistung über eine derart lange Entfernung mittels Kabel übertragen.

Zweilagige Stahldrahtarmierung schützt vor Schäden

Die elektrische Isolierung der Kabel besteht aus vernetztem (extrudiertem) Kunststoff und enthält kein Isolieröl. Das Seekabel verfügt über eine zweilagige Stahldrahtarmierung. Sie schützt das Kabel zuverlässig vor Schäden durch Anker und Fischerei. Zusätzlich wird das Kabel in den Meeresgrund eingespült. Auch bei einem eventuellen kompletten Abriss des Kabels durch äußere Einwirkung werden keine Schadstoffe freigesetzt.

HGÜ-Umrichterstation nimmt Leistung wie riesige Steckdose auf

Im Rahmen des Projekts errichtet ABB derzeit 75 Kilometer vor der deutschen Nordseeküste eine plattformgestützte HGÜ-Umrichterstation. Wie eine riesige Steckdose im Meer können an die Plattform Windparks mit einer Leistung von insgesamt 800 Megawatt angeschlossen werden. Bei optimalen Windbedingungen entspricht dies der Leistung eines kleinen Atomreaktors. Mit der HVDC Light-Technologie gelangt die saubere Windenergie an Land und dann weiter zur Umspannstation Dörpen. Dort wird der „grüne Strom“ ins Stromnetz eingespeist.

Windpark geht 2013 ans Netz

Für die Seestrecke von der Offshore-HGÜ-Umrichterstation bis zur Küste werden zwei Kupferkabel gebündelt verlegt. An Land werden Kabel mit Ressourcen schonenden Aluminiumleitern verwendet. Das Aluminiumkabel ist im Vergleich zum Kupferkabel mit nur 13,9 Kilogramm pro Meter ein Leichtgewicht. Der Netzanschluss des Windparks soll im Jahr 2013 fertig gestellt werden. Die endgültige Inbetriebnahme des Kabelsystems erfolgt, sobald die anzuschließenden Windparks in Betrieb gegangen sind.

Die Hochspannungs-Gleichstromtechnik bietet als einzige Übertragungstechnologie die Möglichkeit, den von Windenergieanlagen erzeugten Strom verlustarm über weite Entfernungen zu übertragen. Dazu werden nur zwei einadrige Kabel benötigt. Bei der Drehstromtechnik bräuchte man mindestens zwei dreiadrige Kabel mit erheblich mehr Materialaufwand und höheren Übertragungsverlusten.

Schneller Ausbau der Offshore-Windenergie ist unerlässlich

Um die Klimaschutzziele der Europäischen Union erreichen zu können, ist ein schneller Ausbau der Offshore-Windenergie unerlässlich. Während vor den Küsten Großbritanniens, Dänemarks und Schwedens bereits Offshore-Windenergieanlagen in Betrieb sind, wurde in Deutschland mit Alpha Ventus erst im April 2010 der erste Offshore-Windpark zu Testzwecken in Betrieb genommen. Der erste kommerzielle Windpark BARD Offshore 1 mit einer installierten Leistung von 400 MW ist mit derzeit zwölf installierten Windenergieanlagen noch im Aufbau. ABB hat mit dieser rund 200 Kilometer langen Netzanbindung den weltweit bislang am weitesten von der Küste entfernten Windpark an das deutsche Stromnetz angeschlossen. (jus)

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