Bürokratieindex 2026 Wirtschaft am stärksten von steigender Bürokratie betroffen

Quelle: European School of Management and Technology 2 min Lesedauer

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Der Bürokratieindex, der den Umfang der aktuell gültigen Bundesgesetze in Deutschland misst, liegt auf einem Rekordniveau. Seit 2010 wuchs das Volumen kontinuierlich, ohne Anzeichen einer Trendwende.

Bürokratieindex 2026: Prozentuale Änderung der Bundesgesetze. (Bild:  ESMT Berlin)
Bürokratieindex 2026: Prozentuale Änderung der Bundesgesetze.
(Bild: ESMT Berlin)

Der Bürokratieindex, der die Entwicklung des Umfangs geltender deutscher Bundesgesetze misst, erreicht erneut einen Höchststand: Seit 2010 hat sich das Gesetzgebungsvolumen kontinuierlich erhöht, eine strukturelle Trendwende ist bislang nicht erkennbar. Der Umfang der Gesetzgebung stieg auch im Jahr 2025 weiter an. Der Zuwachs der regulatorischen Dichte setzt sich damit trotz aller Beteuerungen zum Bürokratieabbau fort.
 

Keine Trendwende beim Bürokratieindex

Der Index zeigt, dass der Umfang der Bundesgesetzgebung, gemessen in Normseiten, innerhalb der letzten 15 Jahre kontinuierlich gestiegen ist. Der Bürokratieindex liegt im Jahr 2026 inzwischen mehr als 62 Prozent über dem Ausgangsniveau von 2010 – das entspricht einem Anstieg von 24.765 Normseiten im Jahr 2010 auf 40.270 im Jahr 2025. Der historische Verlauf zeigt, dass seitdem keine Legislaturperiode einen nachhaltigen Rückgang des Gesamtvolumens bewirkt hat. Auch Regierungswechsel oder politische Ankündigungen zum Bürokratieabbau haben bislang keine strukturelle Trendwende eingeläutet.

Regulatorischer Fokus verlagert sich auf wirtschaftsnahe Gebiete 

Die Analyse der Rechtsgebiete zeigt ungleichmäßigen Zuwachs. Das Wirtschaftsrecht wächst am schnellsten, mit einem Anstieg von 16,5 Prozent (1.542 zusätzliche Seiten) in der Periode 2022 bis 2026. Auch das Finanzwesen wächst stark. Beide Bereiche sind umfangreich und unternehmensrelevant, wobei sich der regulatorische Fokus zunehmend auf wirtschaftsnahe Gebiete verlagert. 
 

Gerade in jenen Rechtsgebieten, die unmittelbar unternehmerisches Handeln betreffen, sehen wir die stärkste regulatorische Entwicklung. Wenn Deutschland neue Wachstumsimpulse setzen will, muss die Entbürokratisierung genau hier ansetzen. Weniger Komplexität und schlankere Regelungen in wirtschaftsnahen Rechtsgebieten würden unmittelbar die Investitions- und Innovationsbedingungen verbessern.

Dr. Stefan Wagner, Universität Wien

Den stärksten relativen Anstieg innerhalb der letzten 5 Jahre verzeichnet der Bereich Verteidigung. Im Arbeitsrecht hingegen hätte sich das Wachstum der Bürokratie sogar geringfügig entschleunigt: „Im Arbeitsrecht und in der Verwaltung sehen wir ein langsameres Wachstum, wenn auch keinen Rückgang, innerhalb der aktuellen Periode im Vergleich mit dem Zeitraum von 2017 bis 2021. Dennoch befindet sich der Nettozuwachs an Gesetzgebung auch in diesen Bereichen weiterhin auf einem hohen Niveau“, so Prof. Wagner. 

Über den Bürokratieindex

Der Bürokratieindex wird gemeinsam von Universitätsprofessor Dr. Stefan Wagner von der Universität Wien in Zusammenarbeit mit der ESMT Berlin und der Internetplattform buzer.de erstellt.
Er basiert auf einer systematischen Auswertung sämtlicher geltenden Bundesgesetze unter Nutzung der Datenbank www.buzer.de. Er wird seit 2024 erstellt. Der Umfang eines Gesetzes wird dabei in sogenannten Normseiten gemessen, wobei eine Normseite 1.500 Zeichen inklusive Leerzeichen umfasst.

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