Werkstoffe Werkstoffe künftig gezielter entwickeln

Quelle: TU Dresden 2 min Lesedauer

Anbieter zum Thema

Warum wachsen Kristallkörner in Metallen und Keramiken anders als gedacht? Ein internationales Forschungsteam unter der Leitung von Prof. Marco Salvalaglio von der Technischen Universität Dresden (TUD) hat es herausgefunden: Nicht nur die Grenzflächenenergie, sondern auch innere Spannungen spielen bei der Entwicklung der Mikrostruktur kristalliner Materialien eine zentrale Rolle.

Phasenfeldsimulationen zeigen die Mikrostrukturentwicklung in einem System mit ~1000 Körnern. Korngrenzen (schwarz) trennen Bereiche unterschiedlicher Orientierung (weiß). Gezeigt werden i) mittlere Krümmungsbewegung (MCF, blau) und ii) MCF mit inneren Spannungen, wie bei Vielkristallen. Unten rechts zeigt die Farbcodierung (blau bis rot) die zeitliche Entwicklung. Pfeile markieren Bewegungen entgegen der Krümmung – ein Hinweis auf scherkopplungsgesteuerte Korngrenzenbewegung.(Bild:  TU Dresden)
Phasenfeldsimulationen zeigen die Mikrostrukturentwicklung in einem System mit ~1000 Körnern. Korngrenzen (schwarz) trennen Bereiche unterschiedlicher Orientierung (weiß). Gezeigt werden i) mittlere Krümmungsbewegung (MCF, blau) und ii) MCF mit inneren Spannungen, wie bei Vielkristallen. Unten rechts zeigt die Farbcodierung (blau bis rot) die zeitliche Entwicklung. Pfeile markieren Bewegungen entgegen der Krümmung – ein Hinweis auf scherkopplungsgesteuerte Korngrenzenbewegung.
(Bild: TU Dresden)

Polykristalline Materialien bestehen aus vielen winzigen Kristallkörnern – sogenannten Grains – und sind allgegenwärtig: in Gesteinen der Natur ebenso wie in Metallen und Keramiken technischer Anwendungen. Die Anordnung und Veränderung dieser Körner beeinflussen entscheidend die Eigenschaften eines Materials, etwa seine Festigkeit, Verformbarkeit oder elektrische Leitfähigkeit. Zu verstehen, was diese Veränderungen antreibt – insbesondere die Rolle innerer mechanischer Spannungen – ist der Schlüssel zum besseren Verständnis des Materialverhaltens und zur gezielten Entwicklung neuer Werkstoffe.

Buchtipp: Smart Materials

Smart Materials sind Materialien, deren Eigenschaften sich durch externe Anregungen wie Licht, Wärme und elektrische und magnetische Felder in starkem Maße beeinflussen lassen. In Zukunft werden sie mechatronische Funktionen mehr und mehr unterstützen oder sogar ersetzen. Das Buch gibt eine grundlegende Einführung in die verschiedenen Klassen von Smart Materials. Dabei werden sowohl die besonderen Materialeigenschaften als auch die vielfältigen Möglichkeiten zur Realisierung neuer Produkte dargestellt.

Mehr erfahren bei Vogel Fachbuch

Mithilfe theoretischer Modellierung und aufwändiger Computersimulationen zeigt das Team um Marco Salvalaglio, dass sogenannte Scherdeformationen und interne Spannungen, die beim Wandern von Korngrenzen entstehen, einen wesentlichen Einfluss auf die Mikrostrukturentwicklung haben. Dieser Mechanismus – bekannt als „shear coupling“ – sorgt dafür, dass das Kornwachstum deutlich von den Vorhersagen klassischer Modelle abweichen kann.

Stabilere Metalle und leistungsfähigere Elektronik entwickeln

Die neue Studie liefert damit eine Erklärung, warum sich polykristalline Materialien oft anders verhalten als erwartet und eröffnet neue Wege, um Materialien mit maßgeschneiderten Eigenschaften zu entwickeln, etwa für stabilere Metalle oder leistungsfähigere Elektronik. Darüber hinaus unterstreicht die Forschung, was kristalline Materialien von anderen Systemen wie Schäumen oder Emulsionen unterscheidet: Sie können elastische Verformungen im Inneren aufnehmen und speichern.

„Die Rolle innerer Spannungen bei der Mikrostrukturentwicklung polykristalliner Materialien zu verstehen, war von Beginn an ein zentrales Ziel unserer Forschung: angefangen bei der Entwicklung eines passenden Kontinuumsmodells bis hin zu ersten Untersuchungen zur Korngrenzenbewegung“, erklärt Marco Salvalaglio. „Besonders spannend war es zu sehen, dass wir damit bislang nicht erklärbare experimentelle Beobachtungen einordnen können und klassische Theorien grundlegend überarbeiten. Als Nächstes wollen wir untersuchen, wie diese Mechanismen mit plastischen Relaxationen innerhalb der Körner zusammenwirken und ob sich ähnliche Effekte in Mehrkomponentenmaterialien zeigen.“

(ID:50467201)

Jetzt Newsletter abonnieren

Verpassen Sie nicht unsere besten Inhalte

Mit Klick auf „Newsletter abonnieren“ erkläre ich mich mit der Verarbeitung und Nutzung meiner Daten gemäß Einwilligungserklärung (bitte aufklappen für Details) einverstanden und akzeptiere die Nutzungsbedingungen. Weitere Informationen finde ich in unserer Datenschutzerklärung. Die Einwilligungserklärung bezieht sich u. a. auf die Zusendung von redaktionellen Newslettern per E-Mail und auf den Datenabgleich zu Marketingzwecken mit ausgewählten Werbepartnern (z. B. LinkedIn, Google, Meta).

Aufklappen für Details zu Ihrer Einwilligung