Jeder Montagefall muss individuell von dem herstellenden Unternehmen beurteilt werden. Die Richtlinien sind dann der Leitfaden, um für die Montage der Verbindungen einer jeweiligen Schraubfallklasse die richtigen Maßnahmen festzulegen. Ob in Technologie oder prozessabsichernde Maßnahmen investiert wird, entscheidet das Unternehmen selbst. Denn ein Anlagenbauer in Einzelfertigung benötigt eine andere Infrastruktur als ein Großserienhersteller. Beide jedoch wollen die sichere und störungsfreie Funktion ihres Produktes gewährleisten.
Neben der Klassifizierung des Schraubfalls ist auf folgende Punkte zu achten:
Ist das Werkzeug gemäß Klassifizierung und Prozess für den Schraubfall geeignet?
Müssen geschulte Mitarbeiter eingesetzt werden (zum Beispiel nach EN 1591-4; diese Norm befasst sich mit der Montage von Flanschverschraubungen an druckbeaufschlagten Systemen. Offizieller Titel: „Qualifizierung der Befähigung von Personal zur Montage von Schraubverbindungen in druckbeaufschlagten Systemen im kritischen Einsatz“)
Die Maschinenfähigkeit der eingesetzten Werkzeuge ist regelmäßig zu überprüfen (gemäß VDI/VDE 2645, Blatt 2).
Es ist eine regelmäßige Kontrolle der Prozessfähigkeit (gemäß VDA 5.2 und der geplanten VDI/VDE 2645, Blatt 3) nötig.
Es muss sichergestellt sein, dass i.O.-bewertete N.i.O.-Verschraubungen erkannt werden (etwa über eine Prozessfähigkeitsuntersuchung/PFU). (Es ist möglich, dass das Schraubsystem eine Schraubverbindung als „in Ordnung“ qualifiziert, obwohl diese tatsächlich „nicht in Ordnung“ ist – etwa wenn das Werkzeug nicht mehr im vorgegebenen Toleranzfenster arbeitet und Drehmomente ausgibt, die einer Gegenmessung nicht standhalten.)
Empirische Verifizierung der konstruktiven Auslegung von kritischen Schraubverbindungen (gemäß VDI 2230).
Regelmäßige Kalibrierung von Prüfmitteln (gemäß VDI 2646 und 2648). Anwender sollten beachten, dass ihre Kalibrier-Dienstleister die Anforderungen an die Kompetenz von Prüf- und Kalibrierlaboratorien gemäß ISO 17 025 erfüllen).
Prozessoptimierungs- und Trainingsteam von Atlas Copco Tools
Wer die aktuellen Richtlinien konsequent beachten und prozesssicher nach dem Stand der Technik fertigen will, aber nicht sicher ist, wie er die Abläufe dafür richtig aufsetzen soll, kann das Prozessoptimierungs- und Trainingsteam von Atlas Copco Tools in Anspruch nehmen. Wichtig ist, das für die Montage verantwortliche Managementteam sowie die Abteilungsleiter (Werks-, Produktions-, Qualitätsleiter) über die Inhalte der gültigen Normen und Richtlinien sowie deren Folgen für das eigene Unternehmen aufzuklären und zu sensibilisieren. Das Wissen kann durch den Besuch eines offenen Seminars oder auch eines Inhouse-Seminars erworben werden; beide Formen werden von dem TÜV-akkreditierten Atlas-Copco-Trainingsteam angeboten. Im Anschluss werden mögliche weitere Schritte vereinbart. Diese reichen von zusätzlichen Trainings über beispielhafte Analysen einzelner Montagestationen mit Anleitung zur Selbsthilfe bis zur Erstellung eines ganzheitlichen Qualitätskonzeptes. Dieses wird kundenspezifisch erarbeitet. Es berücksichtigt die aktuellen Normen und Richtlinien und bietet beim nächsten Audit Sicherheit gegenüber möglichen Regressansprüchen. (jup)