Schraubverbindung

VDI 2862, Blatt 2: Maschinenbauer müssen jetzt handeln

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Richtlinien als Leitfaden

Jeder Montagefall muss individuell von dem herstellenden Unternehmen beurteilt werden. Die Richtlinien sind dann der Leitfaden, um für die Montage der Verbindungen einer jeweiligen Schraubfallklasse die richtigen Maßnahmen festzulegen. Ob in Technologie oder prozessabsichernde Maßnahmen investiert wird, entscheidet das Unternehmen selbst. Denn ein Anlagenbauer in Einzelfertigung benötigt eine andere Infrastruktur als ein Großserienhersteller. Beide jedoch wollen die sichere und störungsfreie Funktion ihres Produktes gewährleisten.

Neben der Klassifizierung des Schraubfalls ist auf folgende Punkte zu achten:

  • Ist das Werkzeug gemäß Klassifizierung und Prozess für den Schraubfall geeignet?
  • Müssen geschulte Mitarbeiter eingesetzt werden (zum Beispiel nach EN 1591-4; diese Norm befasst sich mit der Montage von Flanschverschraubungen an druckbeaufschlagten Systemen. Offizieller Titel: „Qualifizierung der Befähigung von Personal zur Montage von Schraubverbindungen in druckbeaufschlagten Systemen im kritischen Einsatz“)
  • Die Maschinenfähigkeit der eingesetzten Werkzeuge ist regelmäßig zu überprüfen (gemäß VDI/VDE 2645, Blatt 2).
  • Es ist eine regelmäßige Kontrolle der Prozessfähigkeit (gemäß VDA 5.2 und der geplanten VDI/VDE 2645, Blatt 3) nötig.
  • Es muss sichergestellt sein, dass i.O.-bewertete N.i.O.-Verschraubungen erkannt werden (etwa über eine Prozessfähigkeitsuntersuchung/PFU). (Es ist möglich, dass das Schraubsystem eine Schraubverbindung als „in Ordnung“ qualifiziert, obwohl diese tatsächlich „nicht in Ordnung“ ist – etwa wenn das Werkzeug nicht mehr im vorgegebenen Toleranzfenster arbeitet und Drehmomente ausgibt, die einer Gegenmessung nicht standhalten.)
  • Empirische Verifizierung der konstruktiven Auslegung von kritischen Schraubverbindungen (gemäß VDI 2230).
  • Regelmäßige Kalibrierung von Prüfmitteln (gemäß VDI 2646 und 2648). Anwender sollten beachten, dass ihre Kalibrier-Dienstleister die Anforderungen an die Kompetenz von Prüf- und Kalibrierlaboratorien gemäß ISO 17 025 erfüllen).

Ergänzendes zum Thema
Schulungsangebot zur neuen Europa-Norm DIN EN 1591-4

Kein Kraftwerk, keine Raffinerie und kein Chemiewerk ohne Flanschverbindungen. Doch deren Montage – speziell bei druckbeaufschlagten Rohrleitungen – ist nichts für Laien. Darum hat der Gesetzgeber die Anforderungen jetzt deutlich verschärft. Was bei Erstellung, Betrieb und Instandhaltung der Flansche gemäß DIN EN 1591-4 zu beachten ist, lernen Interessierte in neuen Trainings von Atlas Copco Tools.

Fehlerhaft montierte Dichtverbindungen sind nicht nur ein Ärgernis, sondern auch ein Risiko. Mängel in Schraubverbindungen bilden eine der Hauptursachen für Leckagen in der Prozessindustrie. Versagt eine Flanschverbindung in der Anwendung, drohen neben unnötigen Kosten vor allem Produktionsverluste, Umweltbelastungen und sogar Explosionsrisiken. „Darum sollten Dichtverbindungen in druckbeaufschlagten Systemen nur durch sachkundiges, allgemein befähigtes Personal vorgenommen werden“, sagt Wilfried Kampen, der bei Atlas Copco Tools als Fachreferent für Seminare und Trainings tätig ist. Denn wenn montierte Verbindungen über ihre gesamte Betriebslebensdauer „richtig dicht“ bleiben, habe qualifiziertes Personal den maßgeblichen Anteil hieran. Laut Kampen habe das auch der Gesetzgeber erkannt, weshalb sich hier momentan wichtige Änderungen ergeben.

Bisher reichten eine Berufsausbildung zum Beispiel als Techniker oder schlicht längere Erfahrung aus, um ohne zusätzliche Qualifizierung die Montage von Flanschverbindungen vorzunehmen. Eine im Dezember 2013 erschienene neue Norm sieht das anders: Die DIN EN 1591-4 „Qualifizierung der Befähigung von Personal zur Montage von Schraubverbindungen in druckbeaufschlagten Systemen im kritischen Einsatz“ löst die bisher gültige DIN CEN/TS 1591-4 ab.

Qualifizierung des Montagepersonals und der Verantwortlichen

Im Unterschied zu ihrer Vorläufer-Norm gilt die DIN EN 1591-4 nicht nur für das Montagepersonal und für Verschraubungsmonteure, sondern auch für deren Vorgesetzte, die verantwortlichen Ingenieure und die technische Leitung. Sie regelt die Qualifizierung in einem modularen System, in dem über die Grundqualifizierung hinaus weitere Schulungen absolviert werden können. Insgesamt sieht die neue Norm elf unterschiedliche Module mit zielgruppenspezifischen Inhalten vor, um allen Entscheidungsebenen die bestmögliche Fachkompetenz an die Hand zu geben. Neu ist zudem, dass spätestens nach fünf Jahren die Befähigung der jeweiligen Mitarbeiter erneut nachzuweisen ist. Wo die wichtigsten Neuerungen und Unterschiede liegen, fasst die nebenstehende Tabelle zusammen.

Seminar zum geprüften Verschraubungsmonteur gemäß DIN EN 1591-4

„Den meisten Industrie- und Dienstleistungsbetrieben ist die DIN EN 1591-4-gemäße Umsetzung der Qualifizierungsmaßnahmen natürlich nicht aus dem Stegreif möglich“, ist Wilfried Kampen klar. Doch er und seine Kollegen können mit entsprechenden Trainings der Atlas-Copco-Akademie helfen. Mit Blick auf die Einführung und Umsetzung der neuen Norm kooperiert Atlas Copco mit der Lannewehr + Thomsen GmbH Co. KG, die auf dem Sektor der Flanschverbindungen und Dichtungstechnik unter dem Markennamen Flangevalid als profunde Kennerin der Materie gilt. „Aus dieser Zusammenarbeit entstand ein deutlich breiter gewordenes Trainingsprogramm zur DIN EN 1591-4 einschließlich der umfangreichen Ausstattung zur Durchführung der praktischen Schulungen“, sagt Kampen. Was Anwender wissen müssen, vermittelt ab sofort das „Seminar zum geprüften Verschraubungsmonteur gemäß DIN EN 1591-4“ von Atlas Copco Tools.

Flangevalid-Geschäftsführer Peter Thomsen beurteilt die gemeinsame Initiative, Industriekunden die Anpassung an die neue Norm so leicht wie möglich zu machen, sehr positiv: „Die Trainings der Atlas-Copco-Akademie bieten alles aus einer Hand“, versichert der Experte. Von technischen Hintergründen über die Auswahl und den Umgang mit Verschraubungswerkzeugen und Dichtungselementen bis zur normgerechten Erstellung einer Flanschverbindung nach den Anforderungen der DIN EN 1591-4:2013 werde das gesamte Spektrum abgedeckt. Wilfried Kampen betont, dass dieses Portfolio praktisch allen Branchen offenstehe: „Flanschverbindungen kommen in der gesamten Prozessindustrie vor – in Raffinerien, bei Energieerzeugern oder Versorgungsunternehmen. Schulungsbedarf ergibt sich für nahezu alle Betriebe der Gewinnungs- und Verarbeitungswirtschaft.“ Weitere Informationen zum Schulungsangebot von Atlas Copco Tools unter www.atlascopco.com/toolsservicede/akademie/

Prozessoptimierungs- und Trainingsteam von Atlas Copco Tools

Wer die aktuellen Richtlinien konsequent beachten und prozesssicher nach dem Stand der Technik fertigen will, aber nicht sicher ist, wie er die Abläufe dafür richtig aufsetzen soll, kann das Prozessoptimierungs- und Trainingsteam von Atlas Copco Tools in Anspruch nehmen. Wichtig ist, das für die Montage verantwortliche Managementteam sowie die Abteilungsleiter (Werks-, Produktions-, Qualitätsleiter) über die Inhalte der gültigen Normen und Richtlinien sowie deren Folgen für das eigene Unternehmen aufzuklären und zu sensibilisieren. Das Wissen kann durch den Besuch eines offenen Seminars oder auch eines Inhouse-Seminars erworben werden; beide Formen werden von dem TÜV-akkreditierten Atlas-Copco-Trainingsteam angeboten. Im Anschluss werden mögliche weitere Schritte vereinbart. Diese reichen von zusätzlichen Trainings über beispielhafte Analysen einzelner Montagestationen mit Anleitung zur Selbsthilfe bis zur Erstellung eines ganzheitlichen Qualitätskonzeptes. Dieses wird kundenspezifisch erarbeitet. Es berücksichtigt die aktuellen Normen und Richtlinien und bietet beim nächsten Audit Sicherheit gegenüber möglichen Regressansprüchen. (jup)

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