Mega-Projekt Kombination aus Solar- und Wasserkraft soll Chinas Energiewende beschleunigen

Von Henrik Bork 3 min Lesedauer

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Sauberen Strom im Gigawatt-Bereich produziert ein neues Solar-Wasserkraftwerk jetzt in China: Die höchstgelegene hybride Anlage der Welt befindet sich in der Provinz Sichuan und soll im maximalen Ausbau mehr als 100 Gigawatt liefern.

Ein neues hybrides Kraftwerk am Mittellauf des Yalong-Flusses kombiniert zwei Millionen Solarpanele mit Wasserkraft, die Schwankungen der Stromerzeugung ausgleicht. (Bild:  noppadon - stock.adobe.com)
Ein neues hybrides Kraftwerk am Mittellauf des Yalong-Flusses kombiniert zwei Millionen Solarpanele mit Wasserkraft, die Schwankungen der Stromerzeugung ausgleicht.
(Bild: noppadon - stock.adobe.com)

Das größte kombinierte Solar-und Wasserkraftwerk der Erde ist gerade in China ans Netz gegangen. Das Kela-Elektrizitätswerk kombiniert Solarpanele mit einer Kapazität von einem Gigawatt und Wasserturbinen mit drei Gigawatt zum weltweit größten „hybriden Solar-Hydro-Kraftwerk“. Dieses Design hilft dabei, die Fluktuationen bei der Erzeugung von Sonnenenergie auszugleichen, von der an sonnigen Tagen mehr produziert werden kann als an bewölkten und tagsüber mehr als nachts.

Das neue Kraftwerk ist sowohl von seiner Größe her - es ist die erste hybride Anlage dieser Art im Gigawatt-Bereich - als auch von seinen technischen Ambitionen her bemerkenswert. Es ist in einer Höhe von 4.600 Metern auf einem Berg in Kela, Präfektur Ganzi, Provinz Sichuan errichtet worden. Damit ist das Kraftwerk 1.000 Höhenmeter höher gelegen als Lhasa, die höchstgelegene Stadt der Erde und hält den Weltrekord für die „höchstgelegene hybride Solar-Wasserkraft-Anlage” der Erde.

Die Provinz Sichuan ist nicht stark besiedelt.(Bild:  SANCHAI - stock.adobe.com)
Die Provinz Sichuan ist nicht stark besiedelt.
(Bild: SANCHAI - stock.adobe.com)

Ziel: Sauberer Strom für 100 Millionen Haushalte

Das Kraftwerk steht am Mittellauf des Yalong-Flusses in Sichuan. In dieser bergigen und kargen Gegend, die zu den Ausläufern des tibetischen Hochplateaus zählt, herrscht im Winter extreme Kälte, so dass nur etwa die Hälfte des Jahres gearbeitet werden konnte. Dennoch ist die erste Phase des Projektes, mit einer Kapazität von 20 GW, innerhalb von weniger als einem Jahr errichtet worden. „Phase I“ hat nun im Juni dieses Jahres gerade damit begonnen, Strom zu erzeugen. In der nächsten Bauphase bis 2023 soll die Kapazität auf 50 GW und später dann auf mehr als 100 GW ausgeweitet werden.

In der Nähe entstehen weitere Anlagen dieser Art. Wenn alles steht, was gerade in Planung ist, werden in Kela und Umgebung etwa 300 Milliarden Kilowatt-Stunden an sauberem Strom pro Jahr erzeugt werden können, berichtet die amtliche chinesische Nachrichtenagentur Xinhua, „genug für 100 Millionen Haushalte“.

1,6 Millionen Tonnen Kohlendioxid-Emissionen weniger

Die installierten zwei Millionen Solarpanele nehmen eine Fläche von 16 Quadratkilometern ein. Der von ihnen erzeugte Solarstrom wird zu dem rund 50 Kilometer entfernten Lianghekou-Wasserkraftwerk transportiert. Dort wird er mit dem Strom aus dem Wasserkraftwerk kombiniert und gemeinsam ins Netz gespeist. Über die Dämme entlang des Yalong-Flusses wurde nun begonnen, den Wasserfluss zu dem Wasserkraftwerk in Kela so zu regulieren, dass zu sonnenarmen Zeiten mehr Strom aus Wasserkraft erzeugt wird. „Damit kann die Auslastungsrate der Stromleitungen verbessert werden,“ sagte Li Sheng, Direktor am staatlichen „Hydropower Planning and Design Institute“.

Die gerade in Betrieb genommene, erste Phase des Projektes werde bereits den Verbrauch von 600.000 Tonnen Kohle ersetzen und damit Chinas Kohlendioxid-Emissionen um jährliche 1,6 Millionen Tonnen, reduzieren, schreibt die chinesische Wissenschafts-Zeitung Keji Ribao.

Strom wird in Chinas dicht besiedelten Osten geleitet

China plant im Fusstal des Yalong sowie in den Tälern der nahegelegenen Lancang-, Jinsha-, Dadu-, Nujiang und Wujiang-Flüsse weitere Anlagen dieser Art. Diese Flüsse bilden die Oberläufe des Jangtsekiang und des Gelben Flusses, zwei der mächtigsten Ströme Chinas. Weil die Region um Kela im Westen Chinas so gut wie menschenleer ist, wird der dort erzeugte Strom mit dem „West-nach-Ost-Elektrizitäts-Transmissions-Projekt“ in die dicht besiedelten Küstenstädte und Industriegebiete im Osten des Landes umgeleitet.

Erfahrung mit Solar- und Windkraftwerken

China hat auch schon kombinierte Solar- und Windkraftwerke in der Wüste Gobi gebaut, die allerdings zur Regulierung der Fluktuationen in der Stromerzeugung noch auf kleine Kohlekraftwerke angewiesen sind.

Mit der noch umweltfreundlicheren Kombination von Wind- und Wasserkraft experimentieren chinesische Ingenieure seit 2015, als die „Longyangxia Hydro-Photovoltaik Complementary Power Station” in der Provinz Qinghai errichtet worden ist. Von dort aus wird schon seit 2016 grüner Strom in benachbarte Provinzen „exportiert”. Die Kapazität beträgt dort 850.000 Kilowatt.

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* Henrik Bork, langjähriger China-Korrespondent der Süddeutschen Zeitung und der Frankfurter Rundschau, ist Managing Director bei Asia Waypoint, einer auf China spezialisierten Beratungsagentur mit Sitz in Peking. „China Market Insider“ ist ein Gemeinschaftsprojekt der Vogel Communications Group, Würzburg, und der Jigong Vogel Media Advertising in Beijing.

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