Die zunehmende Digitalisierung von Maschinen und Anlagen erfordert einen standardisierten Austausch von Daten zwischen Unternehmen. Manufacturing-X stellt ein entsprechendes Konzept bereit. Was verbirgt sich dahinter, welche Standards sind wichtig und wie verändert es die Arbeit von Konstrukteuren?
Manufacturing-X ist ein Konzept für einen gemeinsamen, föderierten „Datenraum Produktion“, in dem Unternehmen der Fertigungsindustrie standardisiert Produktions‑ und Maschinendaten austauschen können.
(Bild: anak – stock.adobe.com_KI-generiert)
Manufacturing-X ist ein von VDMA und ZVEI initiiertes Konzept beziehungsweise Programm für einen gemeinsamen, föderierten „Datenraum Produktion“, in dem Unternehmen der Fertigungsindustrie standardbasiert Produktions‑ und Maschinendaten austauschen können.Der VDMA vertritt hierbei vor allem den Maschinen‑ und Anlagenbau, ZVEI die Elektro‑ und Digitalindustrie. Beide Verbände treiben gemeinsam die Architektur, Standards und Leitfäden voran, wobei sie etwa in Studien und „Bauplänen“ Referenzarchitekturen, Use Cases und die Verzahnung mit bestehenden Industrie‑4.0‑Standards beschreiben.
Das lesen sie in diesem Artikel
Was ist Manufacturing-X?
Die Funktionsweise des Datenraums in Manufacturing-X
Existieren bereits verbindliche Protokolle und Standards?
Auswirkungen von Manufacturing-X auf die Arbeitsprozesse von Konstrukteuren
Zusammenfassung
Glossar
Worauf Manufacturing-X aufbaut
Manufacturing-X setzt bewusst auf bestehende Standards wie
die Verwaltungsschale (AAS: Asset Administration Shell) als Hülle für Asset‑ und Produktdaten und Digitale‑Zwillinge sowie auf offene Maschinenschnittstellen wie OPC UA
Gaia-X wiederum liefert den Infrastruktur‑ und Vertrauensrahmen für branchenspezifische Datenräume
Catena-X schließlich dient als erste große Branchenumsetzung im Automotive-Bereich mit konkreter EDC‑/Connector‑Technik.
Manufacturing-X wird oftmals als Infrastruktur- und Ökosystem‑Baustein gesehen, auf dem auch Anwendungen wie Digitales Typenschild oder Digitaler Produktpass (DPP) aufsetzen können. Für OEMs und Zulieferer soll es damit leichter werden, etwa DPP‑Daten über Unternehmensgrenzen hinweg sicher auszutauschen (z.B. CO2‑Daten, Materialdaten, Betriebsdaten).1
Wie funktioniert der Datenraum von Manufacturing-X?
Konzipiert ist der Datenraum von Manufacturing-X als föderierter, dezentraler Datenraum in dem Unternehmen ihre Daten über Konnektoren und Vereinbarungen teilen, ohne sie in einen zentralen Datenhub hochzuladen. Ziel ist ein interoperables Datenökosystem, das eine horizontale (lieferkettenweite) und vertikale (Shopfloor‑zu‑Cloud) Vernetzung der Industrie ermöglicht.2
Föderierter Datenraum als Grundprinzip: Jeder Teilnehmer betreibt seine eigenen Datenquellen und einen Data‑Space‑Connector (Datenraum-Konnektor) (z. B. EDC/Tractus-X), Als „Policy Enforcement Point“ stellt dieser sicher, dass die Nutzungs- und Zugriffsregeln für Daten tatsächlich eingehalten werden.Die Daten verbleiben beim Unternehmen, wobei nur selektiv freigegebene Datenansichten, abgesichert durch Verträge und technische Zugriffskontrollen, geteilt werden.
Architekturbausteine: Digitale Zwillinge von Maschinen und Produkten werden über die Verwaltungsschale (AAS) und Protokolle wie OPC UA beschrieben und mit Datenraum‑Konnektoren verbunden. Unternehmen und technische Clients werden über einen gemeinsamen Identitäts‑ und Vertrauensrahmen (z. B. föderierte Identity Provider, Zertifikate) eindeutig identifiziert, bevor sie Datenangebote überhaupt sehen.
Datenzugriff und -steuerung: Unternehmen definieren, wer welche Daten für welchen Zweck, in welchem Umfang und Zeitraum nutzen darf. Der Connector setzt diese Regeln technisch durch, z. B. in Form von Sicherheitsmechanismen wie verschlüsselte Kommunikation (TLS), Signaturen und Token‑basierte Authentifizierung (z. B. OAuth2/OpenID Connect). Der Zugriff erfolgt rollenbasiert. Typische Rollen wie „Operator“, „Partner“ oder „Supplier“ erhalten klar definierte Berechtigungen, die in Policies und Verträgen hinterlegt sind. Zugriffe und Datentransfers werden hierbei protokolliert und sind somit stets nachvollziehbar, wodurch rechtliche Anforderungen unterstützt werden. Über die klassische Zugriffskontrolle hinaus werden Nutzungsrichtlinien definiert, die bspw. festlegen, ob Daten nur lesend genutzt, ob sie weitergegeben oder für KI‑Trainings verwendet werden dürfen. Diese Nutzungsrichtlinien werden in maschinenlesbarer Form mit den Daten verknüpft und vom Konnektor bei Transfers mitübertragen, sodass Vertrag und Technik deckungsgleich sind. Teilnehmer, Konnektoren und Dienste werden in einem Governance‑Rahmen von Manufacturing-X zertifiziert, um ein Mindestniveau an IT‑Sicherheit und Datenschutz (z. B. DSGVO, NIS2) sicherzustellen.
Zusammenspiel und Use Cases: Manufacturing-X ist als Datenraum generisch angelegt, konkrete Domänen‑Ökosysteme wie Factory‑X oder Projekte wie SCALE‑MX setzen darauf auf und definieren branchenspezifische Datenmodelle und Anwendungsfälle. Typische Anwendungsfälle reichen von vernetzten Lieferketten und die Rückverfolgbarkeit über Wartungs‑ und Performance‑Services bis hin zum Digitalen Produktpass (DPP) und einem Nachhaltigkeitsreporting (CSRD – Corporate Sustainability Reporting Directive).3
Gibt es bereits verbindliche Protokolle und Standards für Manufacturing-X?
Bislang existiert kein vollständig „verbindlicher“ Normenkatalog für Manufacturing-X, aber die Kernbausteine sind in den Verbands‑ und Studienpapieren vorgezeichnet:
Die Datenräume basieren auf Gaia‑X‑ und der International‑Data‑Spaces‑Referenzarchitektur, inkl. IDS‑Connector‑Framework und dem IDS/Dataspace Protocol als Standard für den Datenaustausch zwischen Datenraum‑Teilnehmern.
Für den technischen Zugang werden Eclipse Dataspace Connector (EDC) bzw. kompatible IDS‑/Datenraum‑Konnektoren als Referenztechnologie genannt.
Als Standard für den industriellen Digitalen Zwilling ist explizit die Verwaltungsschale (AAS) vorgesehen, inklusive Teilmodelle als semantische Träger.
Für die Anbindung von Maschinen und Anlagen wird der OPC UA‑Standard als zentrale, offene Schnittstelle zur Umsetzung von Industrie‑4.0‑Kommunikation und ASS‑Anbindung präferiert.
Weiterhin ist die Nutzung von föderierten Identitäten, Self‑Descriptions, Credential‑Mechanismen und Trust‑Services (Registry, Clearing House) gemäß Gaia‑X‑Spezifikationen vorgesehen, mit standardisierten Policy‑Sprachen und Nutzungsbedingungen (etwa in IDS/Dataspace‑Kontext, Anlehnung an ODRL: Open Digital Rights Language“), um die Datennutzung und die Datenzugriffsrechte maschinenlesbar zu steuern.
Als Referenzarchitektur wird RAMI 4.0 (Referenzarchitekturmodell Industrie 4.0) zur Zuordnung der genannten Standards zu Ebenen und Lebenzyklusphasen positioniert.
Sowohl VDMA als auch ZVEI betonen, dass Manufacturing-X explizit auf vorhandenen Standards aufsetzt (AAS, OPC UA, Gaia‑X, IDS/EDC), anstatt neue Protokolle zu definieren. Eine Verbindlichkeit entsteht vor allem über Governance und Referenzimplementierungen, nicht über ein neues Normenwerk.4
Diese nicht-verbindliche Tabelle liefert einen Überblick:
Ebene / Bereich
Standard / Protokoll
Rolle in Manufacturing-X
Verbindlichkeit / Status*
Datenraum‑Infrastruktur
Gaia‑X Architektur & Trust Framework
Rahmen für föderierte, souveräne Datenräume (Identität, Trust, Self‑Descriptions).
Leitend, als konzeptionelle Basis vorgesehen.
Datenraum‑Infrastruktur
International Data Spaces (IDS) / Dataspace Protocol
Referenzarchitektur und Protokoll für den gesicherten Datenaustausch zwischen Teilnehmern.
Kern‑Baustein, faktischer Standard für Konnektoren.
Datenraum‑Zugangs‑Komponenten
Eclipse Dataspace Connector (EDC) / IDS‑Connector
Referenztechnologie für Datenraum‑Konnektoren, Policy‑gesteuerter Zugriff, Logging.
Empfohlen / de‑facto‑Standard in den Bauplanstudien.
Digitaler Zwilling
Asset Administration Shell (AAS)
Standardisierter Industrie‑4.0‑Zwilling, Träger von Stammdaten, Zuständen, Services.
Referenzmodell zur Zuordnung der o.g. Standards zu Ebenen und Lebenszyklusphasen.
Orientierungsrahmen, keine technische „Pflichtnorm“.
Identität & Sicherheit
Föderierte Identitäten nach Gaia‑X
Identitäts‑, Credential‑ und Trust‑Services für Teilnehmer und Services.
Konzeptionell verpflichtend für Gaia‑X‑konforme Räume.
Policies / Nutzungsbedingungen
Policy‑Sprachen im IDS‑Kontext (ODRL‑nah)
Maschinell auswertbare Beschreibung von Nutzungsrechten und Zugriffspolitiken.
Vorgesehen, konkrete Sprache noch teils im Fluss.
Wie verändert Manufacturing-X die Arbeitsprozesse von Konstrukteuren?
Wie etwa der digitale Produktpass (DPP), verschiebt Manufacturing-X die Arbeit von Konstrukteuren entscheidend in Richtung datengetriebene, lebenszyklusorientierte Entwicklung. Aspekte wie Digitaler Zwilling und Datenräume müssen somit von Anfang an mitgedacht und mitmodelliert werden.
Die Rolle von Datenräumen und AAS: Produktdaten sind so zu strukturieren, dass sie in Asset Administration Shells (AAS) und Datenräumen entlang der gesamten Lieferkette interoperabel genutzt werden können. CAD/PLM‑Modelle werden stärker mit standardisierten Teilmodellen (Submodels) verknüpft, etwa für Stammdaten, Zustände, Services, CO₂‑Daten oder den DPP.
Auswirkungen auf das Tagesgeschäft: Manuelle Datentransfers (etwa eine Zeichnung plus Excel‑Stückliste) werden durch automatisierte, AAS‑basierte Bereitstellung von Informationen ersetzt, wodurch deutliche Zeit‑ und Kosteneinsparungen zu erwarten sind. Die Zusammenarbeit mit IT, Datenmanagement und Service wird intensiviert, weil Konstruktionsergebnisse direkt in datenbasierte Services, Condition Monitoring oder Remanufacturing einfließen.
Zukünftige Anforderungen an Kompetenzen: Über das klassische Know-how zum Maschinenbau hinaus, ist ein größeres Verständnis für Datenmodelle, Standard‑Submodelle, Semantik und Schnittstellen in Datenökosystemen notwendig. Kenntnisse zu regulatorischen Anforderungen (Lieferkettengesetz, Ökodesign, Digitaler Produktpass) sind zunehmend wichtiger, da Nachweisdaten bereits in der Konstruktion angelegt werden müssen.
Auswirkungen auf Prozesse und Organisation: „Simultaneous Engineering“ wird vertieft, weil eine Konstruktion bereits frühzeitig Daten von Lieferanten und Kunden aus Datenräumen einbezieht, etwa zur Wiederverwendung, Reparaturfähigkeit oder CO2‑Optimierung.Die Varianten‑ und Konfigurationslogik verlagert sich stärker in Richtung standardisierte, maschinenlesbare Modelle, wodurch Änderungsprozesse (Product Change Notification) beschleunigt und Fehlerquoten gesenkt werden.5
Hier die Veränderungen im Überblick:
Bereich
Was ändert sich konkret?
Konsequenz für Konstrukteure
Datenmodell & Zwilling
Produktdaten müssen von Anfang an AAS‑/Datenraum‑fähig strukturiert werden
Stärkerer Fokus auf semantische Modelle, Teilmodelle, Lebenszyklusdaten
Arbeitsablauf
Übergaben per Zeichnung/Excel werden durch automatisierte, AAS‑basierte Bereitstellung ersetzt
Weniger manuelle Datentransfers, mehr Arbeiten in integrierten PLM/IT‑Workflows
Zusammenarbeit
Die Konstruktion arbeitet enger mit IT, Datenmanagement, Service und Nachhaltigkeit zusammen
Interdisziplinäre Abstimmung statt rein mechanikfokussierter Arbeit
Kompetenzen
Verständnis für Datenräume, Standards, DPP, CO₂- und Kreislauf‑Kennzahlen wird nötig
Ausbau von Daten‑, Prozess‑ und Regulatorik‑Know‑how neben klassischem Maschinenbau
Zusammenfassung
Manufacturing-X bietet einen sicheren Datenraum für den Austausch von Produkt- und Maschinendaten. Das Programm setzt hierbei auf bereits etablierte Standards, anstatt gänzlich neue Voraussetzungen zu schaffen. Die Hoheit der Daten bleibt durch Manufacturing-X stets beim Unternehmen, denn jeder betreibt seine eigenen Datenquellen und einen Datenraum-Konnektor. Weiterhin entscheidet jeder selbst, wer welche Daten für welchen Zweck, in welchem Umfang und Zeitraum nutzen darf. Entsprechende Sicherheitsmechanismen sowie in Policies und Verträgen hinterlegte, klar definierte Berechtigungen regeln und unterstützen den Datenzugriff sowie den Datentransfer. Zusätzliche Nutzungsrichtlinien legen zudem fest, ob Daten nur lesend genutzt, ob sie weitergegeben oder für KI‑Training verwendet werden dürfen. Alles wird protokolliert und ist somit stets nachvollziehbar.
Stand: 08.12.2025
Es ist für uns eine Selbstverständlichkeit, dass wir verantwortungsvoll mit Ihren personenbezogenen Daten umgehen. Sofern wir personenbezogene Daten von Ihnen erheben, verarbeiten wir diese unter Beachtung der geltenden Datenschutzvorschriften. Detaillierte Informationen finden Sie in unserer Datenschutzerklärung.
Einwilligung in die Verwendung von Daten zu Werbezwecken
Ich bin damit einverstanden, dass die Vogel Communications Group GmbH & Co. KG, Max-Planckstr. 7-9, 97082 Würzburg einschließlich aller mit ihr im Sinne der §§ 15 ff. AktG verbundenen Unternehmen (im weiteren: Vogel Communications Group) meine E-Mail-Adresse für die Zusendung von redaktionellen Newslettern nutzt. Auflistungen der jeweils zugehörigen Unternehmen können hier abgerufen werden.
Der Newsletterinhalt erstreckt sich dabei auf Produkte und Dienstleistungen aller zuvor genannten Unternehmen, darunter beispielsweise Fachzeitschriften und Fachbücher, Veranstaltungen und Messen sowie veranstaltungsbezogene Produkte und Dienstleistungen, Print- und Digital-Mediaangebote und Services wie weitere (redaktionelle) Newsletter, Gewinnspiele, Lead-Kampagnen, Marktforschung im Online- und Offline-Bereich, fachspezifische Webportale und E-Learning-Angebote. Wenn auch meine persönliche Telefonnummer erhoben wurde, darf diese für die Unterbreitung von Angeboten der vorgenannten Produkte und Dienstleistungen der vorgenannten Unternehmen und Marktforschung genutzt werden.
Meine Einwilligung umfasst zudem die Verarbeitung meiner E-Mail-Adresse und Telefonnummer für den Datenabgleich zu Marketingzwecken mit ausgewählten Werbepartnern wie z.B. LinkedIN, Google und Meta. Hierfür darf die Vogel Communications Group die genannten Daten gehasht an Werbepartner übermitteln, die diese Daten dann nutzen, um feststellen zu können, ob ich ebenfalls Mitglied auf den besagten Werbepartnerportalen bin. Die Vogel Communications Group nutzt diese Funktion zu Zwecken des Retargeting (Upselling, Crossselling und Kundenbindung), der Generierung von sog. Lookalike Audiences zur Neukundengewinnung und als Ausschlussgrundlage für laufende Werbekampagnen. Weitere Informationen kann ich dem Abschnitt „Datenabgleich zu Marketingzwecken“ in der Datenschutzerklärung entnehmen.
Falls ich im Internet auf Portalen der Vogel Communications Group einschließlich deren mit ihr im Sinne der §§ 15 ff. AktG verbundenen Unternehmen geschützte Inhalte abrufe, muss ich mich mit weiteren Daten für den Zugang zu diesen Inhalten registrieren. Im Gegenzug für diesen gebührenlosen Zugang zu redaktionellen Inhalten dürfen meine Daten im Sinne dieser Einwilligung für die hier genannten Zwecke verwendet werden. Dies gilt nicht für den Datenabgleich zu Marketingzwecken.
Recht auf Widerruf
Mir ist bewusst, dass ich diese Einwilligung jederzeit für die Zukunft widerrufen kann. Durch meinen Widerruf wird die Rechtmäßigkeit der aufgrund meiner Einwilligung bis zum Widerruf erfolgten Verarbeitung nicht berührt. Um meinen Widerruf zu erklären, kann ich als eine Möglichkeit das unter https://contact.vogel.de abrufbare Kontaktformular nutzen. Sofern ich einzelne von mir abonnierte Newsletter nicht mehr erhalten möchte, kann ich darüber hinaus auch den am Ende eines Newsletters eingebundenen Abmeldelink anklicken. Weitere Informationen zu meinem Widerrufsrecht und dessen Ausübung sowie zu den Folgen meines Widerrufs finde ich in der Datenschutzerklärung, Abschnitt Redaktionelle Newsletter.
Konstrukteure sind somit in der Lage, ihre Daten so zu strukturieren, dass sie in Asset Administration Shells (AAS) und Datenräumen entlang der gesamten Lieferkette interoperabel genutzt werden können. Manuelle Datentransfers werden durch die automatisierte, AAS‑basierte Bereitstellung von Informationen ersetzt, was zu deutlichen Zeit‑ und Kosteneinsparungen führen kann.
Da eine Konstruktion bereits frühzeitig Daten von Lieferanten und Kunden aus Datenräumen einbezieht, wird ein „Simultaneous Engineering“ nachhaltig unterstützt und vertieft.
Auch das „Change Management“ wird vereinfacht, da sich vieles zu diesem Thema in Richtung standardisierte, maschinenlesbare Modelle verlagert. Dies beschleunigt letztendlich Änderungsprozesse im Sinne von Produktänderungsmitteilungen (Product Change Notification) und senkt Fehlerquoten.
Das Netzwerk Plattform Industrie 4.0 und Verbände verfolgen das Ziel, Manufacturing-X mittelfristig als global genutzten Standard in einer datengetriebenen Industrie zu etablieren. Für Konstrukteure lohnt es sich daher in jedem Fall, sich mit dieser Initiative näher zu beschäftigen.
Glossar
EDC-/Connector-Technik: Im Datenraum-Kontext sind in der Regel die „Eclipse Dataspace Components“ (EDC) und deren Konnektoren gemeint. Das sind Software-Bausteine, mit denen Unternehmen sicher an Data Spaces wie Catena‑X oder Mobility Data Space andocken sowie Daten souverän austauschen können.
EDC/Tractus X: Die Datenraum‑Infrastruktur, mit der Catena‑X und weitere Datenräume reale Use Cases auf Basis der Eclipse Dataspace Components (EDC) umsetzen.
Policy Enforcement Point: Komponente in einer Sicherheits‑ oder Datenraumarchitektur, die Zugriffs‑ und Nutzungsregeln tatsächlich „durchsetzt“, also technische Maßnahmen ausführt, wie etwa Zugriffe erlauben, blockieren oder modifizieren.
Self‑Descriptions, Credential‑Mechanismen und Trust‑Services: Zentrale Bausteine, um in Gaia‑X‑ähnlichen Datenräumen Vertrauen technisch abzubilden und maschinenlesbar zu machen.
Self‑Descriptions: Standardisierte, maschinenlesbare Metadaten, mit denen Teilnehmer, Services und Ressourcen ihre Eigenschaften (etwa Standort, Zertifikate, Service‑Level, Nachhaltigkeitslabel) beschreiben.
Credential‑Mechanismen: Fassen diese Aussagen als kryptografisch gesicherte „Verifiable Credentials“ zusammen, also signierte Claims über einen Teilnehmer oder Dienst (etwa „dieser Provider ist ISO‑27001‑zertifiziert“)
Trust‑Services: Die technischen und organisatorischen Dienste, die dieses Vertrauensökosystem tragen: beispielsweise Registries für Self‑Descriptions, Validierungs‑Services für Credentials, Governance‑Prozesse und Compliance‑Prüfungen.
OAuth2/OpenID Connect: OAuth 2.0 ist ein Autorisierungs‑Framework, OpenID Connect (OIDC) eine darauf aufsetzende Identitätsschicht für die Authentifizierung.
ODRL, Open Digital Rights Language: Standardsprache zur Beschreibung von Nutzungsrechten und -bedingungen für Daten und digitale Inhalte.
RAMI 4.0, Referenzarchitekturmodell Industrie 4.0: Dreidimensionales Architektur- und Ordnungsmodell, das als „Landkarte“ für Industrie‑4.0‑Lösungen dient. Es schafft einen gemeinsamen Rahmen, um alle Beteiligten Use Cases, Standards und Komponenten einheitlich einordnen zu können.
ARXIV: „Declarative Policy Control for Data Spaces: A DSL-Based Approach for Manufacturing-X“, auf: arxiv.org, URL: https://arxiv.org/html/2511.22513v1, (Abgerufen am: 27.02.2026);