IMK-Konjunkturindikator Rezessionsrisiko gesunken

Quelle: Hans-Böckler-Stiftung 2 min Lesedauer

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Die Konjunkturaussichten in Deutschland haben sich in den letzten Wochen verbessert. Dies zeigt der monatliche IMK-Konjunkturindikator des Instituts für Makroökonomie und Konjunkturforschung (IMK) der Hans-Böckler-Stiftung.

Aktuell zeigt der Indikator, wie in den Vormonaten, „gelb-rot“, was eine erhöhte konjunkturelle Unsicherheit anzeigt, jedoch keine akute Rezessionsgefahr signalisiert.(Bild:  frei lizenziert /  Pixabay)
Aktuell zeigt der Indikator, wie in den Vormonaten, „gelb-rot“, was eine erhöhte konjunkturelle Unsicherheit anzeigt, jedoch keine akute Rezessionsgefahr signalisiert.
(Bild: frei lizenziert / Pixabay)

Der Indikator, der die neuesten Daten zu wesentlichen wirtschaftlichen Kennzahlen bündelt, weist für den Zeitraum von November 2024 bis Ende Januar 2025 ein Rezessionsrisiko von 46,7 Prozent aus. Zum Vergleich: Anfang Oktober lag die Wahrscheinlichkeit noch bei 52,1 Prozent.

Auch die statistische Streuung, die die Verunsicherung der Wirtschaftsakteure widerspiegelt, ist von 15,2 auf 12,9 Prozent gesunken. Trotz dieser Verbesserung hat sich der Indikator noch nicht ausreichend verändert, um in eine andere Signalphase zu wechseln. Aktuell zeigt der Indikator, wie in den Vormonaten, „gelb-rot“, was eine erhöhte konjunkturelle Unsicherheit anzeigt, jedoch keine akute Rezessionsgefahr signalisiert. Zwischen Juni 2023 und März 2024 befand sich der Indikator durchgängig im „roten“ Bereich.

Leichte Aufwärtsbewegung in Sicht

Dr. Thomas Theobald, Konjunkturexperte des IMK, erklärt, dass die aktuelle Senkung des Rezessionsrisikos erstmals auf eine Mehrzahl von Frühindikatoren zurückzuführen sei, die auf eine leichte Aufwärtsbewegung hindeuten. Zu diesen Indikatoren zählen das Konsumklima, das sich aus den gestiegenen Realeinkommen ergibt, sowie die positiven Impulse aus den jüngsten Aufträgen im verarbeitenden Gewerbe und Stimmungsindikatoren wie dem ifo-Index. Zudem sind die Geldmarktzinsen und der Zinsaufschlag von Unternehmens- gegenüber Staatsanleihen gesunken, was die Finanzierung für Unternehmen erleichtert. Der „Finanzmarktstressindex“, der eine Vielzahl von Finanzmarktdaten zusammenfasst, ist ebenfalls im Rückgang. Diese positiven Entwicklungen überwiegen derzeit die steigenden Unternehmensinsolvenzen.

Leichte Belebung des privaten Verbrauchs erwartet

Die neuen Indikatorwerte bestätigen die aktuelle Konjunkturprognose des IMK, so Theobald. Das Düsseldorfer Institut rechnet im kommenden Jahr mit einer leichten Belebung des privaten Verbrauchs und damit des Wirtschaftswachstums. Trotz dieser erfreulichen Nachrichten weist die Datenlage jedoch darauf hin, dass bislang keine drastische konjunkturelle Aufwärtsbewegung zu erwarten ist. Die Export- und Produktionsentwicklung in der Industrie bleibt zu schwach, und ob die jüngste Zunahme der Auftragseingänge nachhaltig ist, ist ungewiss – insbesondere im Hinblick auf die von Donald Trump angekündigten massiven Einfuhrzölle.

Gemeinsame Verantwortung von Regierung und Opposition

Prof. Dr. Sebastian Dullien, wissenschaftlicher Direktor des IMK, betont, dass es in der Verantwortung von Regierung und Opposition liege, die sich abzeichnende Konjunkturerholung nicht zu gefährden. „Unabhängig vom Wahlkampf sollten die Bundestagsfraktionen prüfen, welche Maßnahmen noch vor Jahresende verabschiedet werden können, um die vorläufige Haushaltsführung Anfang 2025 nicht zu behindern.“ Eine zeitnahe Verabschiedung des Ausgleichs der kalten Progression zum Jahresbeginn könnte dabei eine wichtige Entlastung für die Privathaushalte darstellen.

Mehr öffentliche Infrastrukturinvestitionen gefordert

Gleichzeitig sei es essenziell, bereits jetzt die grundlegenden Voraussetzungen zu schaffen, damit die neue Bundesregierung zügig die zentralen Herausforderungen der deutschen Wirtschaft angehen kann. „Es ist seit Jahren klar, dass wir mehr öffentliche Infrastrukturinvestitionen benötigen, die durch die Schuldenbremse blockiert werden. Ideal wäre es, wenn Regierung und Union vor den Wahlen mehr Investitionsspielräume in der Schuldenbremse schaffen. So könnte eine neue Regierung sofort durchstarten“, so Dullien. „Ohne solche Reformen läuft die neue Regierung Gefahr, am selben Hindernis zu scheitern wie die alte – an der für die heutigen Herausforderungen unzureichenden Schuldenbremse.“

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