#NewOfficeRoutines-Report

Raus aus der Büroroutine: 5 Thesen zum modernen Arbeiten

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Martin Böker: 5 Thesen zur Arbeitswelt in den Open Economy

1. Kreativität und freies Denken: Kernkompetenzen von morgen

Innovative Technologien und künstliche Intelligenz werden gerade in Branchen wie dem Retail, der Telekommunikation oder Logistik zu Veränderungen führen. Sie werden Menschen entlasten, indem sie alltägliche und speziell repetitive Aufgaben übernehmen, man denke nur an die Vielzahl an Chatbots, die bereits heute im Bereich Onlinehandel zum Einsatz kommen. Die wachsende Rolle der Technologie in analytischen, planerischen und repetitiven Prozessen lässt menschliche Urteilskraft und kreatives Denken zu zentralen Merkmalen bei der Suche nach neuen Talenten werden. Berufe, die Ideenreichtum und Vorstellungskraft erfordern, werden in Zukunft sowohl bei Angestellten als auch bei Arbeitgebern verstärkt gefragt sein. Ein Bericht des World Economic Forum² belegt, dass aus Sicht der Führungskräfte, Kreativität bis 2020 zu den wichtigsten und gefragtesten Fähigkeiten von Mitarbeitern zählen wird. Entsprechend wichtig wird es auch in Zukunft sein, speziell diese Kompetenzen zu fördern.

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2. Freelance-Modelle schreiten voran und fordern „phygitalen“ Schutz

Der globale Arbeitsmarkt für freie Mitarbeiter wird laut Studienergebnissen des Open Economy Reports³ bis 2020 rund 10 Milliarden US-Dollar wert sein. Was heute oftmals unter dem Begriff der Gig-Economy gefasst wird, bedeutet einen tiefgreifenden Wandel der Arbeitswelt und eine Abkehr vom Modell der klassischen Festanstellung. Insbesondere in der Kreativindustrie ist dies längst ein klarer Trend. Dieser wird zukünftig auch andere Branchen erfassen und dabei auch neue Herausforderungen mit sich bringen: So müssen sich Unternehmen beispielsweise damit auseinandersetzen, wie Datenschutz gewährleistet werden kann, wenn man mit Freelancern arbeitet, die für unterschiedliche Unternehmen tätig sind. Dass Datenschutz zu den großen Herausforderungen neuer Arbeitskonzepte gehört, bestätigt auch die Studie von Samsung und YouGov4: Gefragt nach den größten Herausforderungen mobiler Arbeitskonzepte nennen Führungskräfte am häufigsten Sicherheitsbedenken. Hinzu kommen neue Anforderungen an die physischen und digitalen Arbeitsplätze: Zentrale Zugangs- und Berechtigungsmanagementsysteme müssen im gesamten Unternehmen klar definieren, wer wie lange und zu welchen Räumlichkeiten und Dateien Zugriff erhält. Dieser „phygitale“ Schutz wird Unternehmen in Zukunft immer mehr beschäftigen – man denke neben den Freelancern nur an die Vielzahl an Kunden, Partnern oder Lieferanten aus aller Welt, die täglich die Einfallstore der Unternehmen passieren.

3. Etablierung der mobilen Arbeit

Bis 2020 wird fast die Hälfte der Arbeitnehmer ortsunabhängig arbeiten, in kleinen Unternehmen soll die Anzahl sogar auf 70 Prozent ansteigen. Damit wird laut Open Economy Report³ mobilen Lösungen, die ortsunabhängiges produktives Arbeiten ermöglichen, eine zentrale Rolle in der Arbeitswelt von morgen zufallen. Diese Entwicklungen sind schon heute deutlich spürbar: Für zahlreiche Arbeitnehmer gehört das vernetzte Arbeiten unter Verwendung moderner Collaboration-Tools, die beispielsweise Instant Messaging oder Videoanwendungen in Echtzeit bieten, zum Alltag. Immer mehr Führungskräfte leiten ihre Teams „remote“ und persönliche Feedbackgespräche via Skype sind schon längst keine Seltenheit mehr.

4. Wandel im HR-Management

Ein Verständnis für das Zusammenspiel der menschlichen und digitalen Welten ist in der „Open Economy“ nicht mehr nur eine Option, sondern eine Kernkompetenz. HR-Manager werden daher künftig die Aufgabe haben, ganze Unternehmensstrategien mit zu definieren und innerhalb ihrer Organisationen die Voraussetzungen für mehr Agilität und Leistungsfähigkeit zu schaffen. Die Integration einer neuen, flexiblen Generation an Mitarbeitern erfordert versierte HR-Verantwortliche, die ein Verständnis sowohl für Technologie (Möglichkeiten von Automatisierung und künstlicher Intelligenz), als auch für den Trend hin zu größerer Autonomie von Mitarbeitern verfügen. Die kompetente Interpretation der Technologielandschaft wird zu einer strategischen Kernkompetenz.

5. Loslösung von prozessgetriebenen Strukturen, hin zum offenen Führungsstil

Traditionelle, hierarchisch organisierte Managementstrukturen und -strategien werden von der heranwachsenden „digital workforce“ mit wachsender Skepsis gesehen oder gar vollständig abgelehnt. Betriebswirtschaftliches Denken und die Frage, wie Freelancer einen effektiven Beitrag leisten können, werden in Zukunft in den Fokus rücken, während strukturelle und prozessorientierte Fragen vermehrt in den Hintergrund treten. Führungsstile, die sich über feste Prozesse, starre Zielvorgaben und Kontrolle definieren, werden durch neue dezentralere Organisations- und Teamstrukturen ersetzt, die einzelnen Mitarbeitern größere Freiräume geben. Bereits heute zeigt sich unter deutschen Führungskräften eine Abkehr vom klassischen Kontrolldenken hin zu mehr Souveränität des Individuums. Basierend auf diesen Thesen, sowie den vorangegangenen Einblicken und Interviews in diesem Report, plädiere ich dafür, den Schritt hin zu mehr Offenheit zu wagen, bestehende Muster und Rollen zu hinterfragen und zu versuchen, die Perspektive der „digitalen Nomaden“ einzunehmen. Moderne Technologien, die uns dazu befähigen, die Potenziale der „Open Economy“ voll auszuschöpfen sind bereits da – es braucht nur noch den Mut, sie auch zu nutzen.

Statements aus dem Trendreport:

Teresa Bücker, Chefredakteurin von Edition F: "New Work bedeutet für mich vor allem mehr Menschlichkeit. Arbeit kann Spaß machen, sie kann uns bei der persönlichen Entwicklung helfen, aber New Work sollte eben auch bedeuten, ganzheitlicher zu denken."

Simone Janson, Herausgeberin Berufebilder: "Wir sollten Arbeit nicht einfach nur nach Hause transferieren, sondern grundsätzlich überdenken."

Sonja Köllinger, Bloggerin bei Tech and the City, zu den Freiheiten einer Bloggerin: "Kreativität funktioniert bei mir nicht auf Knopfdruck. Wie sehr sich das auf meine Produktivität auswirkt, habe ich erst gemerkt, als ich vom klassischen 9-to-5-Job in einer wuseligen Agentur in die Selbstständigkeit gewechselt bin. Mittlerweile möchte ich den flexiblen Lifestyle nicht mehr missen."

Melanie Petersen, Redakteurin bei t3n, zum Arbeiten abseits des Schreibtischs im Sabbatical in Barcelona: "Mir hat die Remote-Zeit gezeigt, wie hoch das Vertrauen meines Arbeitgebers in mich ist. Für mich erhöhte das ebenfalls die Motivation, meine Chefs in dieser Hinsicht keinesfalls zu enttäuschen."

Rudolf Pütz, Geschäftsführer Vitra Deutschland, zum physischen Wandel von Büroräumen im Zuge der Digitalisierung: "Der einzelne Arbeitsplatz verliert an Bedeutung, Menschen suchen sich die jeweils beste Option für die Tätigkeit, die sie gerade auszuführen haben. Heute werden moderne Office-Lösungen gleichgesetzt mit offenen, wohnlichen Arbeitswelten."

Magdalena Rogl, Head of Digital Channels bei Microsoft: "Ich unterscheide nicht mehr zwischen Privatleben und Beruf."

Dr. Holger Schmidt, Netzökonom: "Arbeitnehmer wünschen sich von ihrem Workplace-Modell vor allem flexiblere Arbeitszeiten."

(1) Im Februar 2017 hat Samsung den Open Economy Report veröffentlicht. Die "Open Economy" zeichnet sich durch eine enge Zusammenarbeit von Organisationen mit freien Mitarbeitern, die routinemäßige Einbettung von Startups und ihrer Innovationskultur in Unternehmen sowie eine neue Art der Kollaboration zwischen ehemaligen Wettbewerbern aus. Weitere Informationen zum Report unter https://news.samsung.com/de/samsung-open-economy-report

Dieser Beitrag erschien zuerst auf unserem Partnerportal Industrie-of-Things.de.

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