Faszination Technik Polymerkristall leitet Strom wie ein Metall

Quelle: Technische Universität Dresden 3 min Lesedauer

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In unserer Rubrik „Faszination Technik“ stellen wir Konstrukteuren jede Woche beeindruckende Projekte aus Forschung und Entwicklung vor. Heute: Wie Forschenden ein Durchbruch bei leitfähigen Kunststoffen gelungen ist.

Schematische Darstellung des Verfahrens zur Synthese von 2DPANI auf der Wasseroberfläche. (Bild:   Peng Zhang)
Schematische Darstellung des Verfahrens zur Synthese von 2DPANI auf der Wasseroberfläche.
(Bild: Peng Zhang)

Ein internationales Forschungsteam hat unter Mitwirkung von Wissenschaftlern der Technischen Universität Dresden (TUD) ein neues zweidimensionales leitendes Polymer entwickelt: Eine spezielle, geordnete Form von Polyanilin (2DPANI) weist eine außergewöhnliche elektrische Leitfähigkeit und ein metallisches Ladungstransportverhalten auf. Die Entdeckung bezeichnen die Wissenschaftler als grundlegenden Durchbruch in der Polymerforschung, denn sie soll neue Möglichkeiten für die Entwicklung leistungsfähigerer organischer Elektronik ermöglichen.

Leitfähig entlang der Polymerketten

Leitende Polymere wie Polyanilin, Polythiophen und Polypyrrol sind für ihre hervorragende elektrische Leitfähigkeit bekannt und haben sich als vielversprechende kostengünstige, leichte und flexible Alternativen zu herkömmlichen Halbleitern und Metallen erwiesen.

Trotz bedeutender Fortschritte leiten diese Materialien Elektronen hauptsächlich entlang ihrer Polymerketten. Die Leitfähigkeit zwischen den Polymersträngen oder -schichten bleibt jedoch begrenzt, da die Moleküle nicht gut miteinander verbunden und die elektronischen Wechselwirkungen schwach sind.

Leitfähig auch über Schichten hinweg

Um dieses Problem zu lösen, hat ein Forschungsteam der TUD und des Max-Planck-Instituts für Mikrostrukturphysik Halle in Zusammenarbeit mit internationalen Partnern einen mehrschichtigen zweidimensionalen Polyanilin-Kristall (2DPANI) synthetisiert und charakterisiert. „Dieses Material weist eine außergewöhnliche Leitfähigkeit auf – nicht nur innerhalb seiner Ebenen, sondern auch senkrecht über die Schichten hinweg. Das nennen wir einen metallischen out-of-plane Ladungstransport oder auch 3D Leitung. Das ist ein grundlegender Durchbruch in der Polymerforschung“, erklärt Thomas Heine, Professor für Theoretische Chemie an der TU Dresden. Gemeinsam mit seinem Team an der TUD und dem Center for Advanced Systems Understanding CASUS in Görlitz hat er die Struktur des Polymers zunächst simuliert und den metallischen Charakter berechnet.

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Weitere Details und Termine

Vielversprechende Mess-Ergebnisse

  • Gleichstromtransportstudien am Center for Advancing Electronics Dresden (cfaed) der TUD und am Max-Planck-Institut für Mikrostrukturphysik zeigen eine anisotrope Leitfähigkeit mit 16 S/cm in der Ebene und 7 S/cm außerhalb der Ebene – etwa drei Größenordnungen höher als bei herkömmlichen linear leitenden Polymeren.
  • Darüber hinaus zeigen Messungen bei niedrigen Temperaturen, dass die Leitfähigkeit außerhalb der Ebene mit abnehmender Temperatur zunimmt – ein charakteristisches Verhalten von Metallen – was die außergewöhnlichen metallischen elektrischen out-of-plane Transporteigenschaften des Materials bestätigt.
  • Weitere Messungen am CIC NanoGune in San Sebastián, Spanien, mittels Infrarot- und Terahertz-Nahfeldmikroskopie ergaben eine Gleichstromleitfähigkeit von etwa 200 S/cm.

Dieser Durchbruch eröffnet die Möglichkeit, dreidimensionale metallische Leitfähigkeit in metallfreien organischen und polymeren Materialien zu erreichen. Damit bieten sich aufregende neue Perspektiven für Anwendungen in der Elektronik, der elektromagnetischen Abschirmung oder der Sensorik. Das metallische Polymer könnte als funktionelle Elektrode in der Elektro- und Photoelektrochemie dienen, zum Beispiel zur Produktion von Wasserstoff.

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