Praxiseinsatz Orkot-Material für reibungsarme Kissen, die das ”Verschieben“von Öl- und Gasplattformen erleichtern.

Redakteur: Karl-Ullrich Höltkemeier

Wie wird eine Bohrinsel von der Größe eines 15-stöckigen Gebäudes von ihrem Bauplatz an Land zu ihrem Einsatzort auf hoher See transportiert?

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Bohrinseln lassen sich leichter an Land als auf See bauen – ohne störenden Wellengang und harte Winde. Dann aber kommt die große Herausforderung: Der Stahlkoloss muss an seinen Einsatzort gebracht werden. Das französische Unternehmen Technip hat das Problem mit ”Floatover“ gelöst, einem Verfahren für den Transport von Offshore-Anlagen an ihren Bestimmungsort auf dem offenen Meer.

„Ein großes Plattformdeck auf dem Trägergerüst mit Hilfe der Floatover-Methode zu installieren, setzt sich immer stärker durch“, erklärt David Emery, Projektleiter des Geschäftsbereichs Offshore-Anlagen bei Technip. „Dieses Verfahren ist wesentlich kostengünstiger als andere Installationsverfahren wie etwa der Zusammenbau von Modulen oder die Installation einer Plattform in einem Stück mit Hilfe von Schwerlasthebefahrzeugen. Außerdem kann ein großer Teil der Ausstattung bereits vor dem Verladen an Land montiert werden.“

Orkot-Lager wegen ihrer Belastbarkeit und Druckfestigkeit, dem niedrigen Reibungs-koeffizienten und der hohen Chemikalienbeständigkeit

Für die Auflager, die das Gleiten der Bohrplattform auf das Transportfahrzeug und von dort aus auf das Trägergerüst im Meer erleichtern, wird der Orkot-Werkstoff von Trelleborg verwendet. Die Entscheidung fiel auf Orkot-Lager wegen ihrer Belastbarkeit und Druckfestigkeit, dem niedrigen Reibungskoeffizienten und der hohen Chemikalienbeständigkeit. Bei einem Floatover-Einsatz werden hohe Anforderungen gestellt. Die Lager müssen beim Hinübergleiten der Plattform fest aufliegen und während der Installation der Decks über einen Zeitraum von etwa zwei Jahren einer hohen Dauerbelastung standhalten. «

Zweiter Wohnsitz für die Mitarbeiter

Plattformdecks, die an Land gebaut und zu ihrem Einsatzort auf dem offenen Meer transportiert werden, sind Konstruktionen von enormen Ausmaßen. Manche haben die Höhe eines 15 stöckigen Wohnhauses und die Fläche eines Fußballfeldes. Die Plattform ist eine komplette Fabrik aus Stahl und trägt die gesamte Ausrüstung, die für die Gewinnung und Lagerung von Öl und Gas bis zur Verladung auf Transportschiffe benötigt wird.

Für das Personal, das monatelang auf einer Bohrinsel leben muss, ist es auch ein zweiter Wohnsitz. Im Durchschnitt gibt es auf einer Plattform 100 Einzelzimmer mit Bad. Wie ein riesiges Hotel auf hoher See findet man hier auch Restaurants, Fitnesscenter und in einigen Fällen sogar eine Joggingbahn. Die Decks werden bereits an Land komplett ausgerüstet – von den Betten bis zu den Sanitäreinrichtungen.

Transport, Andocken, Aufsetzen der Plattform und Trennung

  • Transport: Verladung – Die Reise des Plattformdecks beginnt dort, wo es gebaut und ausgerüstet wurde. Das gesamte Deck ruht auf Orkot-Lagern, die auf einer Ablaufbahn für das Verladen des Decks auf eine Transportbarge ausgelegt sind. Dank der geringen Reibung des Lagerwerkstoffs kann das Plattformdeck mit Hilfe von hydraulischen Zylindern vom Kai auf die Barge gedrückt werden (Bild ). Das Deck wird dann zu seinem Bestimmungsort auf See geschleppt.
  • Andocken: Andocken der Barge – Am Installationsort auf See dockt die Barge an das Trägergerüst (Jacket) an. Positionierung der Barge – Die Barge hat ihre endgültige Position erreicht, wenn die Beine des Plattformdecks exakt über den Beinen des Jackets platziert sind. Die Barge wird nun mit acht Leinen von innen am Trägergerüst sicher festgemacht.
  • Aufsetzen der Plattform: Die Barge wird geflutet und kommt mit dem Trägergerüst in Kontakt. Nun kann das Deck aufgesetzt werden.
  • Trennung: Nach dem Aufsetzen des Plattformdecks werden Deck und Barge voneinander getrennt und die Barge wird mit Hilfe eines Schleppers vom Trägergerüst losgemacht.

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